Skopje/Nordmazedonien
Gestern bin ich also nach Skopje gefahren, die Stadt Alexander des Großen und der Geburtsort von Mutter Theresa. Aber der Weg führte nicht gleich ins Zentrum, sondern ich bin erst einmal vor der Stadt auf einen Feldweg abgebogen und etwa einen Kilometer durch die Pampa gefahren. Leider stellte sich dieser Weg als große Müllkippe dar, keine Seltenheit auf dem Balkan. Die letzten 50 Meter musste ich wirklich buchstäblich durch den Müll fahren um zu meinem Ziel, dem historischen Aquädukt von Skopje, zu gelangen. Zumindest dort sah es dann wieder halbwegs normal aus. Traurig, dass man diesem eigentlich noch gut erhaltenen und etwa 400 Meter langen Objekt offensichtlich keine Beachtung mehr schenkt.

Danach bin ich etwa 20 Kilometer um die Stadt herum gefahren, auf dem Berg Vodno wollte ich mir auch etwas ansehen. Hoch über den Dächern von Skopje bilden nämlich das Millenniumskreuz und der neue Funkturm auf dem Gipfel des Berges ein unübersehbares Duo. Die beiden ungleichen Riesen prägen quasi die Skyline der nordmazedonischen Hauptstadt. Das Millenniumskreuz wurde im Jahr 2002 erbaut und soll mit seinen 66 Metern Höhe an zwei Jahrtausende Christentum erinnern. Nachts wird es im übrigen – wie einiges andere auch in Skopje – erleuchtet und ist dann von fast jedem Punkt der Stadt aus sichtbar. In unmittelbarer Nachbarschaft ragt der noch relativ neue, 155 Meter hohe Telekommunikationsturm in den Himmel, ein ziemlich futuristisches Bauwerk. Allerdings war der Weg zu den beiden Riesen nicht einfach…

Denn die Straße die dort hochführt, die wird gerade neu gemacht. Und da muss ich doch tatsächlich irgendwo ein Schild übersehen haben 😎, dass die Straße im Moment gesperrt ist. Ich habe mich dann mal zwischen Baufahrzeugen und Material nach oben durchgewühlt und als ich dort ankam, gab es erstmal Mecker. Da stand nämlich so ein Männlein mit Schutzhelm und Warnweste und der notierte sich gerade etwas. Dann hat er mich erstmal ernst angeguckt und mir irgendetwas mazedonisch -vermutlich unfreundliches – um die Ohren gepfeffert und dazu wild mit den Händen gerudert. Ich habe mich dann mal blöd gestellt, mit den Schultern gezuckt und ‚Germania‘ gesagt, was ihn dann dazu bewegte auf mein Nummernschild zu sehen und auch wieder ruhiger zu werden.
Ich habe ihm dann auf Englisch gesagt, dass ich nur ein paar Fotos machen wollte und dann würde ich wieder verschwinden. Zuerst wollte er mich gleich wieder zurückschicken, ohne Fotos. Also mal den treuen Dackelblick aufgesetzt und ihm erzählt, dass ich extra aus Deutschland angereist wäre, um das Metallkreuz und den Turm zu fotografieren. Keine Ahnung ob es der Dackelblick war, jedenfalls hat er mir dann Fotos erlaubt. Als ich ihn dann noch gefragt habe, ob ich – eventuell – The Big 1 mal vor dem Kreuz postieren dürfte, da wurde er wieder lauter. Ich habe mich dann trotzdem bedankt und mich lieber mal vom Acker gemacht. Bevor er noch Polizei oder gleich die Armee benachrichtigen würde. Ich sollte aber auch in Zukunft besser aufpassen, nicht dass ich nochmal ein Schild übersehe… Übrigens fährt dort normal auch eine Seilbahn hinauf, allerdings ist die im Moment auch außer Betrieb, Bauarbeiten.
Ein Stückchen weiter habe ich an einem Bistro angehalten und erstmal etwas kaltes zu trinken bestellt, denn gestern zeigte das Thermometer dann doch deutlich über 30° an. Und mich dann mit Mario, meinem Vermieter, in Verbindung gesetzt. Und schon eine halbe Stunde später trafen wir uns, ich konnte mit dem Motorrad gleich in die Tiefgarage fahren und wir fuhren mit dem Aufzug hoch in meine neue Unterkunft. Übergabe ging fix und das Appartement ist wirklich sehr gut ausgestattet. Die Waschmaschine habe ich wenig später gleich mal angeworfen und selbst Zahnpasta hätte ich hier nicht mitbringen müssen. Erste Sahne! Dazu reichlich Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe und nur knappe 10 Minuten Fußweg bis zum Zentrum. Beim einem kurzen Einkauf habe ich dann Els kennengelernt, Holländerin aus Eindhoven. Und mit ihr habe ich gestern Abend gleich mal eine kleine Besichtigungsrunde gestartet, hier gibt es ein paar Fotos aus dem abendlichen Skopje.

Gestern Abend und auch heute habe ich so bei mir gedacht: „Hat hier ein Architekt etwas falsches geraucht oder eingeworfen?“ Die Innenstadt ist wirklich wie ein wilder Mix aus antiken Göttern, sozialistischen Betonklötzen und osmanischen Basaren, so als hätte jemand im Geschichtsbuch wild herumgeblättert, auf die Bilder gezeigt und gesagt: „Ja, gib mir alles davon! Reichlich! Und vor allem mehr Statuen und Springbrunnen!“ Es wirkt auf einen, als würde man im Bühnenbild einer Oper spazieren, wobei der größte Umbau erst im Jahr 2014 erfolgte, sehr teuer war und selbst bei den Einheimischen nicht unumstritten. Wenn man dann z.B. aus der Innenstadt nur knappe 2 Kilometer weiter geht, sieht man den Kontrast besonders deutlich. Leer stehende Bauruinen, teils alte verfallene Häuser, daneben mal wieder ein modernerer Betonklotz, das genaue Gegenteil der Innenstadt. Passt irgendwie nicht wirklich und man fühlt sich von den ganzen Statuen förmlich erschlagen. Zumindest der auf dem ganzen Balkan verehrten und aus Skopje stammenden Mutter Theresa hat man im ganzen Bühnenbild auch eine kleine Kirche gebaut, Statuen von ihr stehen in fast jeder größeren Stadt des Balkans.


Ich habe heute auch länger mit Mario und seinem Vater darüber gesprochen. Gerade der Vater vertritt die Meinung, dass man für das Geld das investiert wurde, besser die alten osmanischen Stadthäuser saniert und nicht abgerissen hätte, was dann auch besser zum Charakter und der Geschichte der Stadt gepasst hätte. Da ist wohl noch reichlich Dampf auf dem Kessel… Nichts desto trotz habe ich natürlich auch heute am Tag noch Fotos gemacht, damit ihr mal einen Eindruck von Skopje gewinnen könnt, hier geht’s lang. Nachdem ich über die Mittagszeit jetzt mächtig ins Schwitzen gekommen bin, werde ich mir nach einer kurzen Notwasserung des Astralkörpers noch irgendwo ein schattiges Plätzchen in der Nähe suchen und sehen, was die Getränkekarte so hergibt. Auch jetzt wieder 34°, der Fotoausflug muss heute als Arbeitsnachweis reichen. Morgen fahre ich dann weiter nach Bitola, meinem letzten Ziel in Nordmazedonien. Grüße aus Skopje.