Ankara, Bursa und Cumalikizik

Ankara, Bursa und Cumalikizik

Am Sonntagmorgen haben Rama und ich uns schon früh um halb 6 von seiner Mutter verabschiedet und uns auf den Weg nach Ankara gemacht. Für knapp 250 Kilometer haben wir mit einer Tankpause gute 3 Stunden benötigt, für türkische Verhältnisse eine passable Zeit. Etwa 20 Kilometer vor der Stadt haben wir noch zusammen gefrühstückt, wenig später ist Rama dann auf die Autobahn abgebogen und ich bin nach Ankara weitergefahren. Ankara ist nach Istanbul die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie liegt auf etwa 900 Meter Höhe und in Ankara wird entschieden, was im Land passiert, denn seit knapp über 100 Jahren ist Ankara die Hauptstadt der modernen Türkei. Abgesehen von Anıtkabir, das Mausoleum des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk und der Ankara Kalesi, einer alten Burg mit tollem Blick über die Stadt, hat Ankara im Gegensatz zu Istanbul jetzt nicht so wirklich viel zu bieten. Spötter behaupten, das schönste an Ankara sei die Autobahn nach Istanbul.

Mein erster Weg führte zur Burg von Ankara, später bin ich dann noch 2 Stunden in der Stadt herum gefahren, hier und da ein paar Fotos geknipst und gegen 14 Uhr habe ich mich dann auf den Weg nach Bursa, weitere etwa 350 Kilometer entfernt, gemacht. Da rings um Bursa allerdings weder ein Hotel noch ein Campingplatz zu finden war, bin ich zum Iznik-See ausgewichen, nordöstlich von Bursa gelegen. Dort habe ich einen sehr feinen Campingplatz direkt am See gefunden, Restaurant mit großem Außenbereich angeschlossen und mit einem äußerst freundlichen und hilfsbereiten Personal. Sie wollten mir sogar beim Zeltaufbau behilflich sein, was ich allerdings dankend ablehnen konnte, denn die Dackelhütte ist in einer Minute aufgebaut. Was 2 Männer des Personals staunend zur Kenntnis nahmen und anschließend wortreich auf türkisch diskutierten. Und nach dem Abendessen gab es dann auch wieder ein Portiönchen Romantik, ohne passenden Sonnenuntergang macht es die Türkei nicht. 😏

Heute früh bin ich dann nach Bursa gefahren, etwa 60 Kilometer oder eine Stunde entfernt. Bursa ist die viertgrößte Stadt der Türkei und liegt im nordwestlichen Teil des Landes in der Marmara-Region. Die Stadt ist bekannt für ihre osmanische Geschichte und war im 13. Jahrhundert die erste bedeutende Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Es gibt hier noch einige Moscheen, Mausoleen und Karawansereien, die aus dieser Zeit stammen. Als Wegbereiter des bei uns bekannten Döner Kebabs gilt übrigens Iskender Kebab und der wurde in Bursa ‚erfunden‘. Eine schöne Stadt mit viel grünem und hügeligem Umland, in das ich am Mittag auch noch gefahren bin. Denn nicht weit entfernt, etwa 10 Kilometer, liegt Cumalikizik. Eines der am besten erhaltenen osmanischen Dörfer in der Türkei, es wurde vor rund 700 Jahren in der frühen osmanischen Zeit gegründet. Besonders markant sind die teilweise sehr engen Kopfsteinpflastergassen und die farbenfrohen, meist in Blautönen gestrichenen Fachwerkhäuser. Es gibt dort viele kleine Läden, die hausgemachte Marmeladen, lokalen Honig, handgefertigte Kunsthandwerksartikel und Souvenirs verkaufen. Auch im Dorf habe ich einen kleinen Rundgang gemacht. Die Fotos aus Bursa und Cumalikizik, übrigens als besonders erhaltenswert von der UNESCO eingestuft, habe ich in einer Galerie zusammengefasst, die gibt es hier. Auch für Ankara habe ich eine Galerie angelegt, dazu müsst ihr hier entlang.

Morgen werde ich dann nach Istanbul fahren und dort bis Freitag bleiben, Hotelzimmer ist gebucht und war gar nicht so einfach zu bekommen. Scheint voll zu sein in Istanbul. Die Fahrt nach Istanbul werde ich etwas abkürzen, denn von Yavolo fährt eine Fähre nach Istanbul, so brauche ich mich nicht wie vergangenes Jahr durch die Stadt bis ins Zentrum zu quälen. Freitag fahre ich dann nach Edirne und anschließend nach Bulgarien. Wo der gute Rama heute übrigens ziemlich nass geworden ist, wie er mir heute Mittag geschrieben hat. In der Zwischenzeit, Stand 16.30 Uhr Ortszeit, ist er in Rumänien angekommen und will heute noch die Transalpina unter die Räder nehmen und dann dort übernachten. Das war es wieder in Kürze, Grüße aus der Türkei. 👋

Über Van-See, Dogubeyazit, Erzincan nach Kappadokien

Über Van-See, Dogubeyazit, Erzincan nach Kappadokien

Am Abend vor unsere Abfahrt aus Hakkari wurden wir noch von einer tschechisch/türkischen Gruppe Bergwanderer zum gemeinsamen Abendessen eingeladen und anschließend haben wir den Abend dann in der gemütlichen Runde bei Tee und Gesprächen ausklingen lassen. Wir hatten beschlossen, einen ‚kleinen‘ Umweg zu machen und sind dann am Van-See, dem größten See der Türkei vorbei bis ins Grenzgebiet zu Armenien und des Iran nach Dogubeyazit, in Sichtweite des Ararat, des höchsten Berges des Landes, gefahren. Die Strecke führte wieder wie zuvor durch teils wirklich traumhaft schöne Gebirgslandschaften, tolle Straßen, über 2000 Meter hohe Pässe, alles dabei was das Bikerherz begehrt. Bei unserer Ankunft in Dogubeyazit haben wir uns am späten Nachmittag noch den schön gelegenen İshak Paşa Sarayı angesehen, der nahe der Stadt auf einem Berg nahe der Grenze zum Irak thront, bevor wir zu einem Hostel/Autocamp mit toller Sicht auf den Ararat etwas außerhalb der Stadt gefahren sind. Dort haben wir uns dann ein Doppelzimmer genommen und uns den Zeltaufbau erspart. Kurz danach haben wir Ute kennengelernt, die mit ihren 2 Jungs im Sprinter die Türkei bereist. Nachdem wir in einem Lokal in der Nähe gegessen hatten, haben wir 3 dann danach noch den Abend gemeinsam verbracht.

Rama hatte noch vor dem Frühstück am nächsten Morgen, zu dem wir von Ute eingeladen waren, noch einen Flug mit der Drohne unternommen, um den Burgkomplex aus der Luft zu filmen. Und durfte danach seine Drohne suchen gehen. Denn da hatten scheinbar die Soldaten im Grenzgebiet etwas gegen, kurzerhand die Steuerung übernommen und die Drohne gelandet. Gott sei Dank war die Kamera noch an, so dass er zumindest ungefähr lokalisieren konnte, wo das Ding zu Boden gegangen war. Nach einer halben Stunde, in der er sich mit dem Motorrad auf die Suche gemacht hatte, kam er mit Puls 180 wieder zurück. Im Hof eines Hauses war er fündig geworden, alles unversehrt, Rama happy. Und zumindest ein paar tolle Aufnahmen waren auch gelungen. Nach dem Frühstück haben wir uns dann auf die nächste weitere Etappe auf dem Weg nach Kappadokien gemacht, 500 Kilometer waren das Tagesziel, weil mit Sicherheit auch wieder einige Fotostopps anstanden. Erzincan sollte das Tagesziel heißen, eine Stadt von der ich, wie einige andere auch in Anatolien, noch nie zuvor gehört hatte.

Wir hatten in den Tagen zuvor einige Kontrollstationen im Grenzgebiet zu Syrien, Irak, Iran und Armenien passiert, in den allermeisten Fällen wurden wir durchgewunken, ab und zu mal ein kurzer Smalltalk. Bei der 2. Kontrollstelle dieses Tages sollten wir nach einer kurzen Passkontrolle rechts ranfahren und die Motorräder abstellen. Ich fragte Rama ob es Schwierigkeiten gäbe, doch genau das Gegenteil war der Fall. Wir bekamen Wasser und Tee angeboten und wir sollten uns 10 Minuten ausruhen, weil Motorrad fahren anstrengend wäre. Der wachhabende Offizier unterhielt sich länger mit Rama und der übersetzte mir dann, was er gesagt hatte. Touristen die mit Auto oder Motorrad in der Türkei unterwegs wären, seien Gäste des Landes. Und man müsse dafür sorgen, dass es ihnen/uns gut gehe. Wir wurden dann freundlich mit Handschlag verabschiedet und auch im weiteren Verlauf des Tages bekamen wir noch eine Einladung. 50 Kilometer vor unserem Tagesziel Erzincan wurden wir an einer Tankstelle von einem türkischen Ehepaar auch zum Tee eingeladen und unterwegs gab es den Tag über auch wieder das ein oder andere Gespräch. Und mein persönliches Highlight war diese Tagestour von knapp über 500 Kilometern. die über fast die gesamte Strecke auf Höhen zwischen 1600 und 2400 Metern sehr kurvenreich durch eine tolle Gebirgslandschaft führte. Mir war völlig neu, dass Anatolien so tolle Strecken und auch überwiegend gute und gut ausgebaute Straßen hat!

Gegen 18.30 Uhr sind wir in Erzincan am Hotel angekommen, haben die Motorräder vor der Tür geparkt, die nötigsten Sachen mit aufs Zimmer genommen, kurz geduscht und danach noch einen kleinen abendlichen Stadtbummel gemacht. Und ich habe mir noch ein Bierchen als Schlummertrunk gegönnt, bevor es dann wieder zum Hotel ging. Am nächsten Tag standen dann nochmal gute 550 Kilometer auf dem Erfüllungsplan, Kappadokien war das Ziel, die Heimat von Rama. Unterwegs haben wir nur ein paar kurze Pausen gemacht, in Sivas einen kurzen Abstecher gemacht um uns die dortige Knickbrücke mal anzusehen und sind von dort aus erstmal nach Kayseri gefahren um Abdullah, einem Freund von Rama der auch in Frankfurt lebt und gerade Urlaub in der Heimat macht, noch einen kurzen Besuch abzustatten. Und danach haben wir dann die restlichen knapp 100 Kilometer unter die Reifen genommen und sind am späten Nachmittag bei Ramas Mutter in Sarilar, im nordwestlichen Kappadokien gelegen, angekommen. Auch die Strecke dieses Tages verlief wieder in weiten Teilen durch die Berge, gleich zu Beginn hinter Erzincan 2 Pässe über knapp 2200 Meter, auf denen sich The Big 1 und das gelbe Post-Moped wieder so richtig austoben konnten, traumhaft! Alleine wegen der tollen Strecken bin ich in den Tagen zum Anatolien-Fan mutiert. 👍

Wie sollte es auch anders sei, wurden wir bei Ramas Mama, einer sehr sympathischen Frau, mit der ich mich auch auf Deutsch unterhalten kann, erstmal ausgiebig beköstigt. Nach dem Essen war dann mal wieder Waschtag angesagt, von Rama befohlen und ausgeführt. Sogar meine Wäsche hat er anschließend aufgehängt und ich frage mich wirklich, wie ich in den letzten Reisewochen alleine klar kommen soll. Überhaupt Rama, er hat mir zu wirklich jeder Region und jeder Stadt wo wir waren etwas erzählt, Besonderheiten, Sehenswürdigkeiten, regionale Spezialitäten und, und, und… Einen besseren Landesführer hätte man sich nicht wünschen können. Dazu hat er bei vielen Unterhaltungen übersetzt, was natürlich vieles für mich einfacher machte, als erst umständlich mit einer Übersetzungs-App hantieren zu müssen. Die Gastfreundschaft in der Türkei ist ja bekannt, auch die habe ich in seinem Elternhaus in Kappadokien bei seiner Mutter und bei seinem Bruder Isa erfahren, wofür ich mich noch mal bei allen aufrichtig und ganz herzlich bedanken möchte.

Da ich ja im vergangenen Jahr schon mit Frollein A. auf dem Weg in die Mongolei Kappadokien besucht habe, haben wir uns gestern nur auf eine Besichtigung einer der größten und tiefsten unterirdischen Städte der Welt in Derinkuju verständigt. Sie liegt bis zu 85 Meter unter der Erde und es sind 8 Ebenen für Besucher zugänglich. Der gesamte Komplex erstreckt sich wahrscheinlich über 12 bis 18 Ebenen, ist wegen Einsturzgefahr aber nicht vollständig erschlossen. Schätzungen zufolge konnten hier bis zu 20000 Menschen leben. Es war schon eine kleine Kletterpartie durch die sehr schmalen und oft nur 1,40 Meter hohen Gänge, durch die in den meisten Fällen nur eine Person passt. Ich musste beim Aufstieg beispielweise fast 15 Minuten unten warten, weil ununterbrochen Menschen nach unten strömten. Für Menschen mit Klaustrophobie eher nicht zu empfehlen, aber sehr interessant. Und zudem eine mordsmäßige Leistung, so etwas vor hunderten von Jahren ohne technische Hilfsmittel ins Gestein zu buddeln. Ein paar Fotos der unterirdischen Stadt und dem Dorf darüber gibt es hier, wer mehr Fotos aus Kappadokien sehen möchte, der kann sich ja mal hier und hier umsehen, da gibt es Fotos vom vergangenen Jahr. Und es gibt noch mehr Fotos, ich habe mal eine Auswahl von Bildchen in eine Galerie gepackt, die unterwegs entstanden sind, die gibt es hier.

Den heutigen Tag werden wir noch bei Ramas Mama zusammen verbringen, doch morgen werden sich unsere Wege wieder trennen. Rama wird auf dem kürzesten Weg zurück nach Frankfurt fahren, weil er am Monatsende umzieht. Das werden wohl 3 stramme Tagesetappen für ihn und ihr dürft mit mir alle mal die Däumchen drücken, dass er gesund und munter und eventuell auch trocken wieder daheim ankommt. Ich fahre morgen zuerst mal nach Ankara, die Hauptstadt von der man sagt, dass das schönste an ihr die Autobahn nach Istanbul wäre. Aber vielleicht entdecke ich ja doch etwas schönes… Der weitere Weg ist aktuell über Bursa nach Istanbul geplant und dann sehen wir weiter. So, damit seid ihr wieder auf dem aktuellen Stand, Grüße aus der Türkei. 👋

Von Erdemli nach Hakkari

Von Erdemli nach Hakkari

Unser erstes Etappenziel am Freitag war Gaziantep, knapp 330 Kilometer von Erdemli entfernt. Am späten Vormittag haben wir uns von Ramas Bruder Isa verabschiedet und dann führte uns die Fahrt zuerst noch an der Küste entlang, später ging es dann ins Landesinnere. Städte schienen fließend ineinander überzugehen und oft genug hingen wir im Verkehr fest oder wurden durch Ampeln ausgebremst. Es zog sich, dazu Temperaturen bei den selbst Motorrad fahren nicht wirklich Spaß macht. Wir haben dann häufiger mal Pause gemacht um etwas zu trinken und nach knapp 8 Stunden Fahrt haben wir Gaziantep erreicht. Der angepeilte Campingplatz erwies sich allerdings als reiner WoMo-Park, auch nach kurzer Verhandlung von Rama ließ man uns nicht hinein. Beim örtlichen Fußballverein gab man uns dann den Tipp, es mal in einem Hotel für Lehrer zu versuchen. Erfolgreich. 👍

Gaziantep liegt ca. 50 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Bis vor wenigen Jahren hatte hier die kurdische Untergrundorganisation PKK das Sagen. So wurde neben vielen anderen Opfern auch türkisches Lehrpersonal erschossen, um den Bildungsgrad der überwiegend kurdischen Bevölkerung zu unterdrücken. So weigerten sich viele Lehrer, in dieses Gebiet versetzt zu werden. Die die versetzt wurden, konnten dann in diesen Hotels ermäßigt wohnen. Heute ist dieses Hotel auch für andere Gäste verfügbar. Kämpfe gibt es in dem gesamten Gebiet in dem wir uns befinden schon länger nicht mehr, zumindest im Moment hat man sich auf politische Lösungen geeinigt. Auffällig sind aber die vielen militärischen Kontrollstellen mit schwer bewaffneten Fahrzeugen und viele Wachtürme auf den Bergen. So ganz scheinen sich Türken und Kurden immer noch nicht zu trauen.

Am nächsten Morgen sind wir schon früh zum Halfeti-Stausee aufgebrochen, etwa 1,5 Stunden Fahrt oder 90 Kilometer entfernt. Unterwegs noch eine kurze Führerscheinkontrolle durch die türkische Polizei, kamen wir um kurz nach 9 an dem Stausee an. Und dort haben wir uns dann eine einstündige Schiffstour gegönnt. Bei einem kurzen Zwischenstopp noch etwas kaltes getrunken und eigentlich wollte ich mir noch eine Zigarette dazu paffen. Hatte ich aber im Tankrucksack vergessen… Dort kaufen konnte man keine aber Mahmut, der Betreiber des Ladens, bot mir eine Zigarette von sich an und fragte dann auf Deutsch, wo wir herkommen würden. Auf meine Nachfrage woher er so gut Deutsch konnte bekam ich dann zu hören: „Icke war lange in Berlin, wa.“ Fotos von unserer kleinen Schiffstour gibt es hier. Die weiteren 300 Kilometer bis nach Mardin waren dann weniger heiter, wieder Bullenhitze und ein kräftiger Seitenwind, der uns nach jedem Überholmanöver in Schräglage brachte. Am frühen Abend erreichten wir Mardin und konnten uns noch 2 Plätze in einem Autopark sichern. Rama hat dann noch seine Drohne über der Stadt kreisen lassen und der Betreiber bestellte uns per Telefon noch etwas zu futtern. Und dann sind wir auch relativ schnell in unseren Zelten verschwunden…

Vorgestern dann noch einmal knapp 360 Kilometer bis nach Hakkari. Und diese Strecke erwies sich dann auch als die schönste. Der Start, sprich die ersten etwa 130 Kilometer waren allerdings eher stupides Geradeausfahren, erneut bei ziemlich hohen Temperaturen, dafür aber ohne diesen fiesen Seitenwind. Der Weg führte über weite Strecken direkt an der syrischen Grenze vorbei, später an der irakischen Grenze. Dann aber ging es in die Berge und das entlohnte für einiges. Fast 180 Kilometer fast ausnahmslos Kurven, tolle Landschaften, Passstraßen über 2000 Meter Höhe, traumhaft. Wie schon vorher erwähnt traute sich zu Zeiten der PKK hier niemand durch, Leute wurden ausgeraubt, entführt oder erschossen. Häufig waren auch wieder Wachtürme der türkischen Armee und Kontrollposten zu sehen, ein etwas beklemmendes Gefühl. Dafür wurde aber die Straße offensichtlich in den vergangenen Jahren neu gemacht und war, abgesehen von ein paar etwas ruppigeren Stellen, überwiegend in einem guten Zustand. Unterwegs trafen wir viele nette Leute, bekamen Getränke angeboten, Autofahrer fragen wo wir hin wollen, Gespräche an der Tankstelle und von einem Geistlichen bekamen wir noch gute Wünsche und als Glücksbringer eine Süre aus dem Koran. Und ich musste mehrmals wieder als Fotomodell dienen…

In Hakkari trafen wir am frühen Abend ein. Unser „Campingplatz“ ist eigentlich nur ein terrassenförmig am Hang liegender Garten, der auf knapp 1800 Meter Höhe einen schönen Blick über die Stadt bietet. @hakkari_camping existiert wegen der geschilderten Probleme der Vergangenheit erst seit 5 Jahren, überhaupt steckt der Tourismus hier noch in den Kinderschuhen. Schön für uns, ich bezweifle aber, dass das noch lange so bleibt. Gestern wollten wir eigentlich hoch bis auf 3000 Metern etwas wandern gehen, dass habe ich aber dann Rama überlassen. Schon die Zufahrt in der Stadt durch enge Gassen mit noch engeren Kurven, in denen selbst Motorräder kaum mit ihrem Wendekreis herum kamen, war gewöhnungsbedürftig. Schon nach kurzer Zeit gab’s dann Gravelroads vom allerfeinsten, teilweise mit Steigungen die die Reifen durchdrehen ließen. Bei knapp über 2400 Metern wurde mir das dann zu tricky und ich habe die Segel gestrichen. Mir zu viel Risiko, ich möchte gerne noch nach Hause kommen… Und so hatte ich, während Rama weiter den Weg nach oben nahm, den Rückzug angetreten und bei @hakkari_camping Fotos sortiert. Da bin ich nämlich in den letzten Tagen nicht zu gekommen.

Aber zumindest Rama hat sein gelbes Post-Moped noch bis nach oben geprügelt. Einschließlich mehrmaligem Verfahren, weil das GPS nicht mehr funktionierte. Und nach einer ausgiebigen Wanderung in der Höhe kam er gegen 19 Uhr reichlich platt wieder an. Gestern sind wir dann etwa 400 Kilometer weiter bis nach Dogubeyazit in Sichtweite des Ararat, des höchsten Berges der Türkei, gefahren. Vorbei am Van-See, dem größten Sees des Landes. Und die komplette Strecke führte ausnahmslos durch Höhen zwischen 1600 und 2600 Metern Höhe. Ab heute geht es dann wieder in Richtung Westen und es werden wohl wieder ein paar lange Tage, denn bis nach Kappadokien sind es auch noch – je nach Strecke – mindestens 1000 Kilometer.