Ein paar Gedanken zu einer Fernreise

Ein paar Gedanken zu einer Fernreise

So eine (lange) Fernreise ist ja nicht jedermanns Ding. Der eine schläft lieber im eigenen Bett, die andere bevorzugt lieber einen kürzeren Urlaub im Hotel, wo man sich zumindest zeitlich befristet häuslich einrichten kann. Jedem das seine… Mir hat schon immer gefallen, irgendwo in der Welt herum zu schaukeln. Ich bin kein Typ der sich 8 Stunden in die Sonne legt und dann freut, wenn er nach 14 Tagen maximal pigmentiert wieder daheim ankommt. Es hat Zeiten gegeben, da bin ich von einer Reise oder einem Urlaub nach Hause gekommen und Freunde haben dann gefragt, ob ich Urlaub in der Kneipe gemacht hätte…😎

Es ist auch nicht jedermanns Ding, auf gewisse Annehmlichkeiten im Urlaub oder auf einer längeren Reise zu verzichten. Und gerade bei Reisen mit dem Motorrad muss man, schon aus Platzgründen, auf einiges verzichten. Klamotten zum Beispiel habe ich maximal für eine Woche dabei. Mehr braucht man eigentlich auch nicht. Das tagsüber verschwitzte T-Shirt wird abends unter der Dusche gleich mit gewaschen und kann am nächsten Tag auch gleich wieder angezogen werden. Unterhosen, Socken, das gleiche System. Sollte sich mal keine Gelegenheit zur Dusche ergeben, muss eben gesammelt werden und bei nächster Gelegenheit der große Waschtag ausgerufen werden. Ansonsten reicht eine lange Funktionshose, wo man auch mal die Hosenbeine abnehmen kann und dann Bermudashorts hat. Hose, T-Shirts, alles wieder trocken bei einer Stunde Sonnenschein. Und Socken hatte ich bisher nur beim fahren an…

Zumindest die längeren Reisen habe ich bisher nur grob vorgeplant. Zu viel zu planen und dann nur nach Schema F weiterzufahren, da entgeht einem mit Sicherheit einiges. Ein kleines Beispiel: Als ich im vergangenen Jahr durch Russland und durchs Baltikum gefahren bin, bekam ich über Facebook einige Tipps, was man sich dort noch ansehen könnte. Und all die Orte, die ich dann auch angefahren habe, hatte ich vorher nicht auf dem Schirm. Hält man sich stur an einen Plan, verpasst man mit Sicherheit die ein oder andere Überraschung. Eine gewisse Spontanität sollte man schon an den Tag legen, habe ich natürlich nur einen begrenzten Zeitrahmen zur Verfügung, wird es mit der Spontanität schon schwieriger. Im Endeffekt muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er nun haarklein alles im Voraus plant oder sich lieber auch mal vom Zufall überraschen lässt.

Für mich wichtig bei der Mongoleireise im vergangenen Jahr war, dass ich mich schon im Vorfeld um die nötigen Visa gekümmert und mich auch schon vorher um eventuelle Vorschriften anderer Länder bei der Einfuhr gewisser Dinge (Drohne, Medikamente etc.) informiert habe. Das könnte ich mir in diesem Jahr alles sparen, da reichte der Reisepass. Und trotzdem habe ich noch einen Bock geschossen, denn meine grüne Versicherungskarte war nicht für die Türkei gültig. Ich bin zwar letztes Jahr auch durch das Land gefahren, da haben die Grenzer aber wohl nur halbherzig kontrolliert, weshalb es mir auch nicht aufgefallen ist. Kann aber blöd enden, denn als wir mit der Fähre aus Griechenland ankamen war es Wochenende, kein Versicherungsbüro auf, ich hatte noch keine türkische SIM-Karte und The Big 1 stand noch vor der Grenzstation, während ich schon in der Türkei war. Gerettet hat mich mein Freund Ramazan Ünlü, der die notwendigen Papiere per Telefonat mit einer türkischen Agentur dann orderte und per Mail erhielt.

Bei Tagesetappen habe ich zwar zumeist ein grobes Ziel, dass sich aber im Verlauf des Tages auch ändern kann. Oder gleich am Abend vorher schon über den Haufen geworfen wird. Das ist dieses Jahr auch mehrmals vorgekommen. Was ich allerdings mache, ist mir eventuelle Besichtigungspunkte oder sonstige Highlights vorher mal im Netz anzusehen. Alles anzusehen was es unterwegs gibt, würde wahrscheinlich den Zeitplan jedes Reisenden sprengen, deshalb suche ich mir immer nur ein paar Sachen aus, die ich mir unbedingt ansehen möchte. Wenn es denn welche gibt…😏 Das ist auch der Grund, weshalb ich nur Landstraße fahre, abgesehen von der ersten Etappe in Deutschland. Ich habe unterwegs auch Leute kennengelernt, die weniger scharf auf schöne Landschaften oder Sehenswürdigkeiten waren, sondern nur möglichst schnell von Stadt X zu Stadt Y. Das muss natürlich auch jeder für sich entscheiden, hängt aber manchmal auch mit dem schon angesprochenen Zeitrahmen zusammen.

Übernachtungen, auch so ein Thema. Ich kenne viele Leute, für die ist Camping ein No Go und die geraten in Panik, wenn mal eine Ameise an der Kaffeetasse hoch krabbelt. Ich liebe es, weil man auf Campingplätzen in der Regel viel einfacher mit anderen Leuten ins Gespräch kommt. Wild campen ist ja in Europa oft verboten, aber wenn man irgendwo und nicht einsehbar sein Zelt aufbaut, muss einen auch erstmal einer erwischen. 😎 Im vergangenen Jahr zum Beispiel in Kirgistan oder auch in der Mongolei war das überhaupt kein Problem, dass sind alles ehemalige Reitervölker und Nomaden, da gibt es keine Vorschriften oder Verbote. Natürlich sollte man in dem Fall auch Wasser dabei oder einen Bach oder Fluss in der Nähe haben und Proviant wäre auch keine schlechte Idee. Womit wir beim Thema Essen wären. Wenn ich jeden Abend in einem Restaurant essen gehe, ist das natürlich – je nach Land – ein teilweise nicht unerheblicher Kostenfaktor auf so einer Reise. Ebenso, ob ich jetzt ausschließlich in einer Pension oder einem Hotel oder im Zelt übernachte. Ich habe mir auch bei dieser Reise häufig mal etwas selbst gebrutzelt, bin aber auch oft essen gewesen. Genauso sieht es bei den Übernachtungen aus, ich würde grob schätzen je 50% Zelt und 50% Pension/Hotel.

Was ich in diesem Jahr fast komplett, abgesehen von ein paar Schrauben, Dichtungen, Kabelbindern etc., vernachlässigt habe ist die Mitnahme von Ersatzteilen. Letztes Jahr hatte ich da einiges verpackt und was ist kaputt gegangen: Ein Kugellager+Wellendichtring und der Anlasser, hatte ich alles nicht dabei. In diesem Jahr habe ich mich überwiegend auf unserem Kontinent bewegt und darauf vertraut, dass wenn etwas kaputt gehen sollte, hoffentlich auch eine Werkstatt in der Nähe ist. Bisher ist nach nun knapp 14500 Kilometern alles heil geblieben, ich hoffe dass es auch noch bis heil bleibt und mich The Big 1 ohne Panne wieder nach Hause bringt. Ein letztes Thema möchte ich noch ansprechen, das betrifft die Sicherheit. Ich bin gerade im Freundeskreis häufiger darauf angesprochen worden, ob ich unterwegs auch mal Angst gehabt hätte. Kurze Antwort: Nein. Etwas ausführlicher: Wenn ich mir womöglich schon bei der Planung einer Reise Gedanken darüber mache, ob ich eventuell unterwegs etwas gefährliches erleben könnte, was mir Angst machen könnte, dann fahre ich erst überhaupt nicht los. Speziell im vergangenen Jahr haben viele mit dem Kopf geschüttelt, wie man bei der derzeitigen Weltlage durch Russland fahren kann. Man konnte es und ich war bestimmt nicht der einzige, der alleine durch Russland gefahren ist. Zugegeben waren die Grenzer bei allen Ein- und Ausreisen in Russland sehr „speziell“, aber Angst hatte ich deshalb nie. Und die Menschen die ich dort getroffen habe, waren ausnahmslos sehr freundlich und hilfsbereit!

Natürlich gab es die ein oder andere Situation im Straßenverkehr, die etwas haarig war. Oder die ein oder andere „Straße“ wo ich dachte: „Na ob das mal gut geht?“ Aber keine die mir Angst gemacht hätte. Manchmal nach dem Motto: Augen zu und durch. Ich könnte sicher noch einiges zu dem Thema Fernreise schreiben aber wenn sich jemand dafür interessiert würde ich einfach sagen: „Hör auf keine gut gemeinten Ratschläge und erst recht nicht auf die Bedenken anderer, fahr einfach los.

Von Wien über Linz bis zum Irrsee

Von Wien über Linz bis zum Irrsee

Gestern bin ich von Wien aus über Linz bis an den Irrsee in der Nähe von Salzburg gefahren, lange Zeit immer schön an der Donau entlang und wieder mal bei Kaiserwetter. Bisher habe ich auf der Tour mächtig Glück mit dem Wetter gehabt, ich bin am 14. Mai losgefahren, bin also jetzt knappe 3 Monate unterwegs und in dieser Zeit gab es einen Regenschauer am Abend in Montenegro. Gut, teilweise auch Affenhitze, da hat das Motorradfahren oder die ein oder andere Besichtigungstour nicht wirklich Spaß gemacht. Deshalb lasse ich es auch auf den letzten Tagen der Reise ziemlich ruhig angehen. Hier am Irrsee habe ich heute noch einen zusätzlichen Tag verbracht, nach einer morgendlichen Schwimmtrunde im See bin ich danach mal nach Salzburg gefahren, ein paar Fotos gemacht und ein Eis verputzt. Danach bin ich noch eine schöne Runde um Traunsee, Wolfgangsee, Mondsee und Attersee gefahren, ungefähr 150 Kilometer, diesmal nicht so viele Fotostopps, einfach nur fahren. Ein paar Fotos aus Salzburg gibt es hier noch und ein paar Bildchen von meiner Seenrunde hänge ich an den Beitrag dran.

Morgen werde ich nach Bayern fahren und noch einen Tag bei meinem Kumpel Beppi in Taufkirchen bleiben. Und wenn das Wetter weiter passt, bestimmt mit ihm noch ein Ründchen über die bayrischen Berge blasen. Und für Freitag ist dann die letzte Etappe nach Köln vorgesehen. Wenn das Wetter auch da weiter mitspielt, werde ich auch auf der Heimfahrt zumindest einen großen Teil weiter Landstraße fahren, das macht einfach mehr Spaß als auf der Autobahn nur stur Kilometer zu bolzen. Grüße aus Österreich. 👋

Transfăgărășan, Transalpina, Budapest und Wien oder Von Rumänien über Ungarn nach Österreich

Transfăgărășan, Transalpina, Budapest und Wien oder Von Rumänien über Ungarn nach Österreich

In Pitesti habe ich am Dienstag dann nochmal übernachtet und dort noch einen Begleiter gefunden, der mit mir die Transfăgărășan und die Transalpina gemeinsam fahren wollte. Seinen Namen will er nicht genannt haben, auch kein Foto von sich im Netz. Da kamen bei mir gleich wieder Erinnerungen an das Frollein A. hoch, ihr erinnert euch sicher auch. Genauso fotoscheu… Aber mein bulgarischer Begleiter nennt sich bei Facebook Anotherbrick Inthewall und immerhin konnte ich ihn dazu bewegen, dann doch ein gemeinsames Foto zu machen und ich habe ihm versprochen, ihn im Netz unkenntlich zu machen. Wie ihr auf dem nachfolgenden Bildchen seht, habe ich mein Versprechen gehalten.

Am nächsten Morgen bin ich also mit Anotherbrick zuerst die Transfăgărășan gefahren, sie gilt als eine der berühmtesten, kurvenreichsten und schönsten Straßen Europas. Sie führt quasi durch/über die Karpaten und in unzähligen Kurven und Kehren ging es rauf auf knapp 2100 Meter. Weil im Bâlea-Tal gelegentlich tiefhängende Wolken die Sicht behindern, wird die Transfăgărășan auch als Straße in den Wolken bezeichnet. Wir aber hatten Glück, Traumwetter abgesehen von einem etwas stärkeren Wind in den Höhenlagen. Die Transfăgărășan war lange Zeit die höchstgelegene Nationalstraße Rumäniens, bis sie durch die 148 Kilometer lange DN 67C, die sogenannte Transalpina, abgelöst wurde. Die Straße ist meistens nur vier Monate im Jahr komplett befahrbar und von November bis Juni wegen Schnee beim Bâlea-Pass unpassierbar. Ein paar Fotos von unserer Fahrt gibt es hier.

Am Nachmittag sind wir dann vom Zielort der Transfăgărășan gleich zum Start der Transalpina nach Sebes weitergefahren und haben dort auf einem kleinen aber feinen Campingplatz übernachtet. Schon ziemlich früh am nächsten Morgen haben wir dann die Transalpina unter die Räder genommen und das zahlte sich aus. Kaum Verkehr, traumhaftes Wetter, mehr konnte man sich nicht wünschen. Nach einem gemeinsamen Kaffee am Mittag habe ich mich dann von meinem zweitägigen Begleiter Anotherbrick Inthewall verabschiedet, der sich von dort auf den Weg nach Hause gemacht hat. Hier gibt es ein paar Fotos von der Transalpina. Ich bin danach noch 270 Kilometer quer durch Rumänien gefahren und habe kurz vor Timisoara wieder einen kleinen, aber sehr schönen und gepflegten Campingplatz gefunden.

Am Freitag gab es dann mal wieder eine etwas längere Etappe über knapp 360 Kilometer von Timisoara/Rumänien bis Budapest. Ewig lange und flache Landstraßen, eigentlich hätte ich dort freihändig fahren und während der Fahrt noch ein Nickerchen machen können. 🙄 Selten mal eine Ortschaft durchquert und noch seltener zumindest mal der Ansatz einer Kurve. Dafür links und rechts abgeerntete Getreidefelder und riesige Flächen mit verblühten Sonnenblumen. Ich war froh als ich in Budapest angekommen bin und habe dann gleich noch eine kleine Rundfahrt durch Budapest gemacht, eine sehr schöne Stadt. Wir sind ja im vergangenen Jahr schon in Budapest gewesen und die Stadt hat schon einiges an Sehenswertem zu bieten. Nachdem ich meine Dackelhütte auf einem Campingplatz direkt an der Donau etwas außerhalb der Stadt aufgebaut hatte, bin ich abends nochmal kurz zum Essen in die Stadt gefahren und eigentlich wollte ich da auch noch einen längeren Gang durch Budapest machen. Allerdings hatte mich die öde Fahrerei durch Ungarn mehr geschlaucht als doppelt so lange Tagesetappen im vergangenen Jahr. Fotos aus Budapest gibt es hier.

Gestern morgen habe ich mich dann auf den Weg zum Goldwing-Kollegen Manfred Galeta gemacht. Eigentlich wollte ich eine andere Strecke fahren, da es dort unterwegs allerdings großflächig brannte, bin ich über die Slowakei zu Manfred (auf dem Foto hinten rechts) in die Nähe von Györ gefahren. Dort haben wir dann ein paar Stündchen im Kreis seiner Familie gesessen, getrunken, gegessen, gequatscht, was man halt so macht wenn man sich trifft. Gegen 15 Uhr bin ich dann in Richtung Wien gefahren und gegen 18 Uhr bin ich in Sulz im Wienerwald angekommen, etwa 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Und wieder einen tollen Campingplatz auf einem alten Bauernhof mit angeschlossenem Reiterhof gefunden. Sehr idyllisch gelegen in toller Umgebung. Heute habe ich dann noch einen kleinen Ausflug in die Stadt gemacht und heute Nachmittag noch bei Klaus Hübner vorbei geschaut. Bisher kannten wir uns nur virtuell, aber Klaus ist schon mehrmals mit dem Motorrad in der Mongolei gewesen und hat mir im vergangenen Jahr auch einige gute Tipps für die Reise gegeben. Mit ihm habe ich mich dann auch länger unterhalten und mich auch gefreut, dass wir uns endlich mal persönlich kennenlernen konnten. Nur das gemeinsame Abschiedsfoto haben wir nach all der Quatscherei glatt vergessen. 🙄 Aber zumindest in Wien habe ich noch ein paar Bilder gemacht, die gibt es hier.

Wahrscheinlich werde ich morgen zuerst einmal immer schön an der Donau entlang in Richtung Linz fahren und dann noch ein paar Tage in Bayern bleiben. Schaun mer mal… Grüße aus Österreich. 👋