Über Tirana nach Berat
Die Fahrt mit der Fähre von Koman nach Fierze hat mich ja schon begeistert, der für mich noch schönere Teil des Tages folgte aber noch. Ich hatte mir von Fierze aus eine schöne Strecke durch die Berge zum Zielort Velipoja an der Küste Albaniens ausgesucht, zwar ein ‚kleiner‘ Umweg, doch ich sollte nicht enttäuscht werden. Streckenlänge ca. 215 Kilometer, die meisten davon wirklich grotteneinsam. Alle 20 Kilometer war mal ein verstecktes Haus zu sehen und zweimal bin ich durch eine Ansammlung von ein paar Häusern gefahren, die man mit viel gutem Willen als Dorf bezeichnen könnte. Aber dafür eine supergeile Strecke. Bis auf die letzten knapp 15 Kilometer nur Kurven, Kurven, Kurven. Dazu ging es mal wieder über 1000 Meter Höhe und dann wieder abwärts. Gut, bei den Straßen musste man etwas aufpassen, teilweise tiefe Verwerfungen im Teer, das waren kleine Sprungchancen. In einer engen Rechtskurve habe ich fast den Sittich gemacht, weil mir auf der Hinterlassenschaft tierischen Nutzviehs das Hinterrad etwas weggerutscht ist und vielleicht 10 Kilometer weiter hätte ich, diesmal nach einer engen Linkskurve, fast ein paar Nachzügler einer Ziegenherde gemetzelt. Aber bis auf diese beiden etwas heiklen Momente hatte ich ein fettes Dauergrinsen im Gesicht. Ich fahre ja nun auch schon ein paar Tage Motorrad, aber so eine lange Kurvenstrecke hatte ich noch nie unter den Reifen. Insgesamt habe ich viermal eine kurze Pause eingelegt und war jedesmal klatschnass geschwitzt. Aber es war es wert! Der erste Screenshot zeigt ungefähr 20 Kilometer der Strecke, den Rest der genau so aussah müsst ihr euch dazu denken.


Gegen 17.30 Uhr bin ich im Autocamp Familija in Velipoja, etwa 30 km südlich von Shkoder an der Küste angekommen. Zwischenzeitlich hatte sich Toni Brey bei mir gemeldet und mir geschrieben, dass er auf dem Weg vom Kosovo nach Albanien sei und sich mit mir treffen wollte. Es könnte aber etwas später werden… Den Toni habe ich vergangenes Jahr in der Mongolei kennengelernt, wir waren im gleichen Hostel in Ulaanbataar. Im Januar haben wir uns während der Motorradmesse in Köln nochmals getroffen und u.a. beim Lommi noch ein paar Bierchen zusammen getrunken. Gegen 20.30 Uhr kam Toni an und wie man es nicht anders kennt, ist er wieder durch sämtliche Schlammlöcher des Balkans gefegt. Natürlich haben wir dann erstmal ein paar Bierchen und ein paar Raki zusammen genommen, die man übrigens aus Fässern am Empfang selbst zapfen konnte. Zettel lag auf dem Tisch, aufgeschrieben, Vertrauen gegen Vertrauen. 👍


Es wurde dann auch etwas länger und Toni hat sich später kurzentschlossen im Schlafsack neben den Billardtisch gebettet, was Jehona, eines der Mädels am Empfang, am nächsten Morgen fast fassungslos mit einem „Oh my god!“ zur Kenntnis nahm. Nachdem Toni am Morgen noch seine Drohnenaufnahmen und Fotos gesichert hatte, ist er nach 9 Uhr auch schon wieder abgerauscht, weil er am Samstag daheim in Bayern noch einen Termin hat. Auch wenn es nur ein kurzer Besuch war, hab ich mich wirklich gefreut, dass Urviech mal wieder zu treffen. Tja, und ich habe mir gestern mal einen ‚faulen‘ Tag gemacht. Fotos gesichert, bisschen was geschrieben usw. Der Campingplatz war im übrigen wirklich erste Sahne, der beste den ich bisher auf dem Balkan erlebt habe. Blitzsauber, was man leider von vielen Gegenden – gerade hier in Albanien – nicht wirklich behaupten kann. Aber über das offensichtliche Müllproblem des Landes hatte ich bei Facebook schon geschrieben, das Fass muss ich hier nicht noch einmal aufmachen. Ein an das Camp angeschlossenes Restaurant und ein Markt rundeten im übrigen das Angebot ab, das ganze zu sehr zuvilen Preisen. Top!

Gestern morgen bin ich dann zuerst mal nach Tirana gefahren und habe mich dort etwas umgesehen. Nun, Tirana ist eher eine moderne Stadt, mit schönen und weniger schönen Ecken, genau wie bei uns auch. Die Temperaturen (34°) haben mich jetzt nicht gerade ermutigt, einen besonders ausschweifenden Stadtrundgang zu machen, aber wenigstens für ein paar Fotos hat es gereicht. Die könnt ihr euch hier ansehen. In der nächsten Kreisstadt Elbasan wollte ich mich dann mal nach einer neuen Gaskartusche umsehen, allerdings verstanden die örtlichen Gemischtwarenhändler wohl meine albanischen Ausführungen nicht und wollten mir immer große Propangasflaschen verkaufen. Beim dritten Händler habe ich dann aufgegeben, wobei das Angebot an sich sehr umfangreich ist.



Nachmittags bin ich dann weiter nach Süden gefahren und gegen 17 Uhr in Berat angekommen. Auch hier habe ich ein nettes Autocamp gefunden, am Rande eines Weinbergs. Und wie im letzten Camp eine sehr saubere Anlage mit einem sehr umtriebigen Gastgeber. Begrüßt wurde ich mit einer Schale Weintrauben und dem allgegenwärtigen Raki. Wobei der von vielen selbst gebrannt wird und der Rachenputzer gestern ließ mich dann schon mal leicht hüsteln. Gestern Abend habe ich in dem kleinen angrenzenden Restaurant im Camp noch gegessen, diesmal mal wieder fleischlos. Gegrillte Auberginen, sehr lecker. Dazu noch etwas gemischtes Gemüse und leider gab es nach dem Essen noch einen Rachenputzer. Ich hoffe nur, dass ich gleich zum Käffchen nicht noch einen trinken muss… 🙄 Nachher werde ich mich hier noch etwas umsehen und u.a. noch zur Festung hochfahren, bevor ich mich dann auf den Weg noch weiter südlich, nach Gjirokastra, mache. Eventuell mache ich vorher noch einen Abstecher an die Küste nach Vlore, dass entscheide ich kurzfristig. Das war es dann erstmal, Grüße aus Albanien.













