Mostar

Mostar

Mostar ist eine Stadt im Süden von Bosnien und Herzegowina, bekannt für ihre osmanische Architektur und die vor allem schon erwähnte Bogenbrücke Stari Most. Die ursprüngliche Brücke aus dem 15. Jahrhundert, die die Altstadt miteinander verbindet und im Krieg komplett zerstört wurde, ist im Jahr 2004 wieder neu aufgebaut worden. Und gerade ihr Aufbau war quasi das Symbol für den Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Bosnien-Krieges. Allerdings stehen auch heute noch viele der zerstörten Häuser noch und an einigen sieht man noch die Einschüsse. Heute lebt die multikonfessionelle Bevölkerung allerdings wieder friedlich zusammen und angesichts der momentanen Weltlage kann man nur hoffen, dass das auch so bleibt.

Ich bin dann gestern Abend und heute Vormittag nochmal durch die engen Gassen der Altstadt spaziert und ich hatte das Glück, dass der Menschenandrang noch überschaubar war. Weshalb ich auch froh bin, dass es für mich morgen schon wieder weiter geht. Im Moment wimmelt es hier nämlich gerade an vorwiegend jüngeren Besuchern der englischen Insel und die lassen sich gerne tagsüber ein paar Bierchen zu viel schmecken. Um die Mittagszeit habe ich mir dann heute etwas zu essen bestellt, Dolma. Das ist eine Spezialität der orientalischen Küche und ist mit Reis oder gehacktem Fleisch gefüllter Paprika. Sehr lecker übrigens und mal eine willkommene Abwechslung zu Cevapcici. Der Kellner, Edin, erzählte mir dann noch, dass die Neretva, der Fluss in den die Jungs von der Brücke hüpfen, einer der kältesten Flüsse Europas sei. Das wäre erst recht ein Grund für mich, nicht in den Bach zu springen. Und garantiert nicht aus knapp 20 Meter Höhe…

Die Zeit nach dem Essen habe ich damit verbracht, um bei meiner Vermieterin Zenaida erstmal meine bisherigen Fotos der Reise etwas zu sortieren und mir dann auf der Karte meine weitere Reiseroute anzusehen. Und während ich da eben im Hof sitze um diesen Beitrag zu schreiben, kam Zenaida dann und erzählte mir etwas das ich nicht verstand. Doch ihrer Handbewegung nach zu urteilen, musste es wohl wieder ums Essen gehen. Sie winkte mich ins Haus hinein, in ihre Küche. Und da standen 2 große Backbleche auf dem Küchentisch. Sie hielt schon einen Teller in der Hand und obwohl ich eigentlich von der Dolma noch satt war, kam ich nicht darum herum – probieren war angesagt.

Eine Art Blätterteig mit unterschiedlichen Füllungen, teilweise sehr herzhaft aber alles wirklich superlecker. Dazu gab es noch ein Käffchen nach Art des Hauses und nachdem ich ihr dann gestenreich versichert habe dass ich bald platzen würde, durfte ich auch aufhören zu essen. Das Abendessen kann ich mir zumindest heute sparen, ich werde dann später nur noch 1-2 Bierchen in der Nähe des Hauses trinken und falls noch einer der auffallend vielen Blumenläden auf hat, dann bringe ich ihr auf dem Rückweg auch nochn paar Blümchen mit als Dankeschön für das Essen. Auch wenn ich davon überzeugt bin dass sie mich, wenn ich länger in Mostar wäre, sicher noch ein paar Kilo hochmästen würde. Wobei, lecker war es ja… 🤔

Morgen fahre ich dann für einen kurzen Abstecher wieder nach Kroatien, nach Dubrovnik. Auf dem Weg dorthin werde ich mir aber noch die Kravice Wasserfälle und den Bunski Kanal ansehen. Zeit genug dafür habe ich, nach Dubrovnik sind es mit den beiden kleinen Umwegen lediglich 175 Kilometer. Eigentlich wollte ich Dubrovnik auf der Reise außen vor lassen. Wir haben uns vor 3 Jahren dort ein Haus gemietet und auch die Stadt schon ausgiebig erkundet. Allerdings hatte der Vermieter, Milan, bei Facebook von den Planungen zu meiner Reise gelesen und mir geschrieben, dass ich dann natürlich auch bei ihm vorbeikommen müsse. Also habe ich ihn gestern noch angerufen und mich für morgen angekündigt. Zumindest brauche ich mir dort kein Zimmer zu suchen, bei ihm wohne ich für umme. 👍

Meine gesammelten Werke von Fotos aus Mostar und der näheren Umgebung könnt ihr euch hier ansehen. Ich mache mir jetzt noch einen schönen Nachmittag, auch wenn ich mich vor lauter Fresserei kaum noch bewegen kann. Grüße aus Mostar.

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Von Sarajevo nach Mostar

Von Sarajevo nach Mostar

Nächster Tag, neues Ziel: Mostar. Die Strecke nach Konjic, zuerst durch die Berge, später fast immer entlang des Flusses Neretva, war wirklich traumhaft. Türkisfarbenes Wasser, steile Felsen und immer wieder kleine Haltebuchten, die zum Anhalten – und fotografieren – eingeladen haben. Aber diese Reise ist ja auch dazu geplant, etwas zu sehen. Und Zeit habe ich genug.

Konjic, mit diesem Städtchen konnte ich zuerst nicht wirklich etwas anfangen. Wenn man von Sarajevo nach Mostar fährt, kommt man allerdings zwangsläufig durch die Stadt. Doch nach kurzer Recherche Im Netz habe ich gelesen, dass man dort den Bunkerkomplex besichtigen kann, den einst ein gewisser Herr Tito für sich bauen ließ. Der Bunker liegt in einem Bergmassiv, 250 m unter der Erde versteckt. bis zur Fertigstellung dauerte es über 25 Jahre und sollte Tito im Falle eines Atomkriegs als Rückzugsort dienen. Allerdings fehlte mir bei diesem herrlichen Wetter etwas der Antrieb, mich für ein paar Stunden in einem unterirdischen Betonklotz umzusehen. Zumal die Bilder die ich im Internet gesehen hatte, jetzt auch nicht sonderlich spektakulär waren.

Deshalb habe ich den Bunker einen Bunker sein lassen und habe an einem Café direkt an der (wieder aufgebauten) osmanischen Steinbrücke, dem Wahrzeichen des Städtchens, angehalten und mir dort auf der Terrasse einen Kaffee bestellt. Der Plan war: Schnelles Käffchen und dann weiter nach Mostar. Das Ergebnis war: Ich blieb fast eine Stunde, weil ich mich mit dem Besitzer ziemlich ausgiebig über Motorräder unterhalten habe. Jossip ist bekennender Eisenhaufenchauffeur, also Harley-Fahrer. Aber er sprach außerdem sehr gut Deutsch und so verging die Zeit wie im Flug.

Die letzte Etappe, noch einmal etwa 70 Kilometer, führte dann weiter nach Mostar. Genau wie die erste Hälfte der Strecke, aber diesmal komplett an der Neretva entlang. Da ich aber noch viel zu früh war, bin ich kurzentschlossen noch etwa 15 Kilometer weiter gefahren, um mir noch das Derwisch-Kloster in Blagaj anzusehen. 2 Stunden sollten dafür locker reichen und es hat sich wirklich gelohnt, diesen außergewöhnlichen Ort zu besuchen. Einige Bilder habe ich dort auch gemacht, die könnt ihr euch hier ansehen. Gestern hatte ich mir mir in Mostar 2 Übernachtungen gebucht, das sollte reichen, um mich heute und morgen noch etwas im Städtchen umsehen zu können. Zwar bin ich vor 3 Jahren schon einmal in Mostar gewesen, damals allerdings nur für eine knappe Stunde „auf der Durchreise“. Und nicht nur für die Altstadt mit der berühmten Stari Most, der alten Brücke, die im Krieg ebenfalls komplett zerstört und wieder aufgebaut wurde, habe ich jetzt etwas mehr Zeit eingeplant. Die Brücke spannt sich übrigens auch über die Neretva, und auf der Brücke  tummeln sich zumindest in den Sommermonaten mutige (oder leicht verrückte) Springer, die sich für ein paar Euro in den Fluß stürzen.

Und keine 300 Meter von der Brücke entfernt habe ich ein kleines Appartement im Haus einer älteren Frau gefunden. Und die gute Zenaida, immerhin schon 83 Jahre alt aber fit wie ein jugendlicher Turnschuh, hat mich dann nach meiner Ankunft gleich mal etwas betüddelt. Ich hatte The Big 1 gerade in der alten Scheune neben dem Haus abgestellt, da bekam ich auf dem Tisch vor der Eingangstür gleich mal ein paar Begrüßungshäppchen aufgetischt. Ziegenkäse, Salami, Paprika, höllisch scharfe Pepperonis, ein Gläschen Wein und fast obligatorisch, ein Glas Slibowitz. Sie hat sogar einen mitgetrunken, ich hätte auch darauf verzichten können. Rachenputzer… 🥴 Und so haben wir dann noch gute 20 Minuten vor dem Haus gesessen und erzählt. Also mit Händen und Füßen erzählt, denn Olga spricht weder Englisch noch Deutsch und mein Bosnisch ist eher theoretischer Natur. Aber wir haben uns verstanden und Olga nickte immer wenn ich etwas sagte und lachte dabei. Nach dem ausgiebigen Begrüßungsritual habe ich dann erstmal meine nötigsten Sachen im Zimmer verstaut und mich aus den Motorradklamotten geschält. Und nach einer kurzen Dusche bin ich dann noch bis zur Stari Most gegangen, weil ich heute wenigstens noch ein Foto von der Brücke haben wollte.

Mein Zimmer mit kleiner Küche und Bad ist recht einfach gehalten, aber es ist alles da was man benötigt. Und für umgerechnet 46 € für 2 Übernachtungen bei der zentralen Lage sehr preiswert. Geschäfte und Restaurants gibt es im Umkreis reichlich, was will der Mensch noch mehr. Heute Abend und morgen werde ich dann noch eine etwas ausgiebigere Erkundungstour starten, davon gibt es dann wieder Fotos. So, jetzt habe ich hier in Hyper-Schallgeschwindigkeit noch diesen kleinen Beitrag verfasst, genug Arbeit für heute. Bis dahin, schönes Wochenende und Grüße aus Mostar.

Stadtrundgang in Sarajevo

Stadtrundgang in Sarajevo

Gestern Abend und heute vormittag ein kurzer Stadtrundgang durch die historische Altstadt Baščaršija mit Essensaufnahme heute früh (Schinken und Weintrauben) in einem der zahlreichen kleinen, schnuckligen Restaurants. Übrigens ist meine Vorliebe für einheimische Kost, sprich Cevapcici, hier gar nicht so ungewöhnlich. Denn schon heute früh um halb 9 habe ich die ersten Einheimischen frühstücken sehen, natürlich Cevapcici. Baščaršija ist übrigens aufgebaut wie ein offener Basar, teilweise enge Gassen und eine Unzahl an kleinen und kleinsten Läden, Cafés und Restaurants. Dazu wehte mir abwechselnd der Duft von frisch gegrilltem, undefinierbaren Gewürzen und an der ein oder anderen Ecke auch der fruchtige Tabakduft diverser Wasserpfeifen unter die Nase. Und einige Läden, wo ganz besondere Souvenirs hergestellt wurden. Aus verschossenen Projektilen unterschiedlicher Größen wurden Kugelschreiber gefertigt, aus Artellerie-Projektilen wurden z.B. Blumenvasen und Schirmständer geschmiedet. Der Vorrat an Munition scheint heute noch unerschöpflich… Einen sehr schön verarbeiteten Kugelschreiber habe ich mir auch gekauft, der wiegt zwar garantiert 400 Gramm, liegt aber gut in der Hand. Und schreibt sogar, das hatte ich nämlich beim Kauf überhaupt nicht gecheckt.

Sarajevo ist die Hauptstadt und gleichzeitig die größte Stadt von Bosnien und Herzegowina. Während des Jogoslawienkriegs in den 90er Jahren erlebte Sarajevo eine der längsten Belagerungen der modernen Geschichte und diverse Spuren der immensen Zerstörung der Stadt sind auch heute noch sichtbar. Die „Sarajevo Roses“ – Einschlagspuren von Granaten aus der Belagerung – wurden später mit rotem Harz ausgefüllt und sind über die ganze Stadt verteilt. Heute sieht man aber auch wieder Moscheen, Kirchen und Synagogen in der Stadt, viele davon wurde nach dem Krieg neu aufgebaut. Ich kenne Sarajewo noch aus den späten 80er Jahren und war bei meinem 2. Besuch vor ein paar Jahren schon erstaunt, wie sich die Stadt verändert hat.

Heute nach Mittag habe ich meinen Besichtigungstrip dann noch fortgesetzt. Zuerst einmal einen Gang durch die Tunnel von Sarajevo, die bei der Belagerung der Stadt eine entscheidende Rolle zur Lebensmittel- und Nachschubbeschaffung spielten. Später dann, an der Lateinerbrücke, bekannt als Ort des Attentats auf Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau, welches den 1. Weltkrieg auslöste, überkam mich dann ein seltsames Gefühl. Kennt ihr vielleicht auch, wenn man an einem Ort steht, an dem Geschichte geschrieben wurde. Und gleichzeitig anderen Touris dabei zusieht, wie sie Selfies machen. An der Sebilj-Brunnenanlage bin ich dann noch von einem Jagdgeschwader Tauben verfolgt worden. Eigentlich hatte ich mir kurz vorher gerade ein Eishörnchen gekauft, doch da hatten es die Flugratten wohl drauf abgesehen. Doch mein Eis habe ich tapfer verteidigt, auch mit der Hilfe einer älteren Frau. Die hatte den Angriff wohl beobachtet und hat dann mal ziemlich rigoros mit einem alten Besen dazwischen gefuchtelt. Und die Tauben haben sich gleich 5 Meter weiter auf einen Mann gestürzt, der gerade genüsslich ein Stück Pizza verdrücken wollte. Gemeingefährlich, diese Flugratten, habe ich so auch noch nicht erlebt.

Nach einem Tag voller vieler, schöner Eindrücke habe ich mich dann am frühen Nachmittag wieder in meine Behausung verdrückt. Gerade eben habe ich ein paar Fotos sortiert, die könnt ihr euch hier ansehen. Nachher werde ich in einem Restaurant in der Nähe noch etwas essen gehen und mich schon mal schlau machen, was ich mir in meinem nächsten Ziel Mostar und Umgebung noch ansehen kann. Und einen Schlafplatz muss ich mir auch noch besorgen. Reisen kann ziemlich anstrengend sein… 🙄 Grüße aus Sarajevo.

Ein paar Fotos habe ich heute Mittag schon auf meinem Instagram-Account veröffentlicht und bei Facebook könnt ihr euch bei Interesse die Fotos von heute morgen auch ansehen.