Prizren im Kosovo

Prizren im Kosovo

Gestern bin ich ich auch wieder ziemlich früh von Ohrid losgefahren. Auch der Weg von dort nach Prizren im Kosovo führte fast durchgehend durch die Berge und in Nordmazedonien auch lange Zeit durch den Mavrovo-Nationalpark. Auch so ein schönes Fleckchen Erde, noch dazu mit einer tollen und sehr kurvenreichen Straße ‚gesegnet‘, bei der man allerdings etwas auf der Hut sein musste, denn nicht nur die Mazedonier schneiden sehr gerne Kurven, besonders gerne die, die man nicht einsehen kann. Und so landeten auch dort wieder einige teils knappe Situationen im Sammelalbum mit dem Titel: Ist ja noch mal gut gegangen. 🙄

An der Grenze, irgendwo in der Höhe zwischen einigen Gipfeln des Šar-Gebirges, ziemlich einsam gelegen, wurde ich gleich mal 10 € ärmer, Motorradversicherung für The Big 1. Ging aber schnell, auch der Grenzübertritt in den Kosovo dauerte gerade einmal 5 Minuten. Von der Höhe des Grenzpostens geht es eigentlich ca. 50 Kilometer nach Prizren immer nur bergab. Die ersten 20 km waren aber wieder von der gemeineren Sorte, denn die Passstraße wird gerade neu gemacht. Und die Kosovaren fräsen hier den alten Teer auf, dass es eine wahre Freude ist. Ich hatte teilweise das Gefühl, auf einem nach allen Seiten schaukelnden Pony zu sitzen. Wobei, mit knapp 40 km/h ging es trotzdem weiter. Zwischendrin musste man häufiger mal aufpassen, denn dort gab es ein paar Sprungchancen, bei denen man dann etwa 30 cm tiefer im Kies oder im festgefahrenen Sand landete. Und auf der anderen Seite hatte ich dann immer das Glück, dass man an den Straßenrändern irgendwie wieder auf das ursprüngliche Niveau fahren konnte.

Der Kracher kam dann zum Ende der Baustelle, der eigentlich eher der Anfang der neuen Straße werden sollte. Dort wurde ich dann angehalten, weil dort gerade frisch asphaltiert wurde. Und ein Männlein mir mit den Händen wedelnd sagte: „No traffic!“ Nach kurzer Diskussion ließ er sich aber darauf ein, dass ich mich links auf einem ziemlich groben Schotterstreifen an den Baufahrzeugen vorbei würgen durfte. Nachdem ich ihm zuvor halbwegs glaubhaft versichert habe, dass ich da oben kein Schild oder ähnliches gesehen habe. Hatte ich wirklich nicht… Naja, das ‚GS‘ der Typenbezeichnung von The Big 1 ist schließlich die Abkürzung für ‚Gelände Sport‘, da muss man auch mal über nicht so glattes Geläuf. Und ich wäre auch zum Verrecken nicht wieder den Berg hochgefahren, um dann Gott weiß wo heraus zu kommen.

In Prizren bin ich dann kurz nach Mittag angekommen und da ich ein Hotel außerhalb der ‚Touristenzone‘ direkt in der Altstadt gebucht habe, bekam ich auch gleich eine Vorführung des örtlichen Straßenverkehrs, wenn man ihn dann so nennen kann. Alleine für den letzten Kilometer habe ich ca. 40 Minuten benötigt und mehr gestanden als gefahren. Um mich herum ein munteres Hupkonzert in diversen Klangfarben, häufiger auch mal kleinere Schimpftiraden und es war kein Durchkommen. Noch nicht einmal die einheimischen Künstler, die sich mit ihren Motorrollern eigentlich überall durchquetschen, kamen weiter. Auch über den Gehweg war kein Fluchtausgang zu entdecken, weil dort diverse Händler saßen, deren Obst- und Gemüsestände quasi im Weg waren. Irgendwann einmal ging es dann weiter und ich gelangte tatsächlich noch bis zum Hotel. Und ganz ehrlich, ich hatte ’schlimmeres‘ erwartet.

Während ringsherum eigentlich nur kleine und überwiegend auch ziemlich abgerockte Häuser stehen, stand ich da vor einem Neubau. Wie ich wenig später von Amar, dem noch jungen Besitzer des Hotels, der dies seit einem Jahr mit seiner Frau und seiner Schwester betreibt erfuhr, nur eines von 2 wirklich neuen Häusern im Viertel. Im eher touristischen Teil von Prizren stehen natürlich auch meist viel größere Hotels, allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass man in den eher ursprünglichen Stadtteilen eher auch mit den Einheimischen in Kontakt kommt. Sollte sich bewahrheiten, um es gleich vorweg zu nehmen. Prizren ist ansonsten schon eine moderne Stadt und man sieht hier in den Wohngebieten außerhalb des Stadtkerns vorrangig viele moderne Hochhäuser, die auch noch nicht so lange dort stehen dürften. Denn die Stadt wächst immer weiter, bei Wikipedia werden ca. 85000 Einwohner angegeben, Amar sagte mir, hier leben zur Zeit 120.000 Menschen. Und da Prizren auch in einem Talkessel liegt, ist Platz hier wahrscheinlich das größte Problem.

Noch ein paar kleine Infos zu Prizren. Hier leben auch (wieder) sehr viele Religionen zusammen, die Stadt ist allerdings überwiegend muslimisch geprägt, wie man an vielen Moscheen und auch einzelnen Minaretten sehen kann. Der Euro ist übrigens das offizielle Zahlungsmittel hier, wobei das Land keine eigenen Geldscheine und Münzen in Umlauf bringen darf. Gezahlt wird meist mit Karte, bei kleineren Läden sollte man aber auch etwas Bargeld dabei haben. Wie in anderen Städten auch, gibt es auch in Prizren ein großes Angebot an Geschäften, vom Souvenirshop bis zur Edel-Boutique ist alles vertreten. Aber auch viele kleine, oft versteckte Läden, in denen Gold- und Silberschmuck hergestellt wird. Denn auch dafür ist Prizren bekannt. Und auch Fans von Fastfood kommen auf ihre Kosten, Filialen von Burger King und KFC habe ich gestern Abend gesehen und Dönerläden gibt es an jeder Ecke. Was auch kein Wunder ist, Döner wird hier schon gefrühstückt. 🥴

Was für mich neu war: Auf dem Weg nach Prizren bin ich offenbar durch ein Wintersportgebiet gefahren. Gesehen habe ich einige Lifte, Amar hat mir gestern Abend bestätigt, dass im Winter in den Bergen mächtig der Bär los sein muss. Hätte ich persönlich jetzt nicht unbedingt im Kosovo erwartet. An einem dieser Hänge habe ich gestern eine kleine Pause gemacht, dort saßen um die Mittagszeit eine ganze Menge Leute auf dem Hang verteilt. Teil mit Sonnenschirmen, sah aus wie ein Riesen-Picknick. Als ich Amar gestern Abend das Foto gezeigt habe meinte er nur: „Only have a good time.“ Im Kosovo lässt es sich offensichtlich gut leben…

Was mir unterwegs aufgefallen ist: Mehrere teils riesige Denkmäler für die UCK. Das Kürzel UCK steht für die albanische Befreiungsarmee des Kosovo. Sie war eine paramilitärische Organisation, die in den 1990er-Jahren für die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien kämpfte und deren Mitglieder – so erzählte mir Amar – heute noch sehr angesehene Leute sind. Mit Amar habe ich mich übrigens gestern Abend noch lange beim Bierchen vor dem Hotel unterhalten. Er ist auch großer Motorradfan und möchte in der Zukunft mal gerne zum Nordkap fahren. Für heute Abend habe ich mich dann noch mit den Jungs der Schweizer KFOR-Truppe, die ich heute Vormittag kennengelernt habe, zum Bierchen verabredet und für euch gibt es noch einen Batzen Fotos aus Prizren, u.a. auch mit der Stadtfestung, an der auch ein Schriftzug der UCK prangt, der Sinan-Pascha-Moschee und der alten Steinbrücke Ura e Gurit. Ich fahre morgen weiter in die Hauptstadt Pristina, auch dort bleibe ich 2 Nächte. Bis dahin, Grüße aus dem Kosovo.

Ohrid am Ohridsee

Ohrid am Ohridsee

So, damit ich mit meinen Berichten und Fotos mal wieder aufholen kann, hier also noch aktuelles von heute. Im Gegensatz zu gestern war heute relativ wenig in der Stadt los. Der Menschenauflauf von gestern war wohl nur dem Sonntag geschuldet, wo natürlich auch viele Einheimische zum Ohridsee strömen. Deutschen Touristen läuft man hier, so zumindest mein Eindruck, sehr wenig über den Weg. Zumeist Engländer und die meisten aus dem nahen Griechenland. Keine Ahnung ob das in den Sommermonaten mehr werden, heute war es auf der Festung und in der Altstadt aber sehr überschaubar.

Ohrid ist die größte Stadt am Ohridsee im Südwesten Nordmazedoniens. Viele nennen sie die ‚Perle des Balkans‘ und das Städtchen hat sich noch vieles von seiner Ursprünglichkeit erhalten. Zwar gibt es auch im Bereich der Altstadt viele Läden die Souvenirs verkaufen aber das gehört nun einmal auch zum Tourismus dazu. Jeder möchte eben auch ein paar Denar verdienen. Im Hafen liegt eine wahre Armada von Booten, die Touren auf den See anbieten, die weitaus meisten davon hatten heute keine Kundschaft. In der Stadt kann man die Kirche Sveti Jovan Kaneo besichtigen, die auf einer Klippe direkt über dem See thront und die – wie man hört – eines der beliebtesten Fotomotive des Balkans ist und die ich gestern Abend und heute auch mehrmals im Sucher hatte.

Außerdem gibt es hier noch ein antikes Theater dass, wie mir meine Vermieterin erzählte, oft als Open-Air-Bühne für Festivals dient. Zur Festung des Zaren Samuil, von dem gleich mehrere Statuen in der Stadt verteilt sind, muss man etwas ‚klettern‘, wird dafür aber wenigstens mit einem schönen Panoramablick über die Stadt und den See belohnt. Die Altstadt von Ohrid hat, wie viele alte Städte auf dem Balkan, viele verwinkelte kleine Gassen und man kann dort immer noch traditionelle mazedonische Architektur und kleine, versteckte Kapellen entdecken, die keinem Neubau weichen mussten. Der Ohridsee selbst ist fast 3 Millionen Jahre alt (sagt Wikipedia) und gehört zu den ältesten und tiefsten Seen Europas und sein Wasser ist wirklich klar. Auf dem Weg von der albanischen Grenze bis hierher nach Ohrid bin ich übrigens noch in der ‚Bucht der Knochen‘ vorbei gefahren, wo ein prähistorisches Pfahlbaudorf nachgebaut ist. Die Besichtigung habe ich mir allerdings nicht gegeben, weil es dort vor Reisebussen nur so gewimmelt hat.

Allgemein kann man sagen, dass sich ein Besuch von Ohrid sicher lohnt. Für Aktivurlauber werden auch Dinge wie Reiten, Wandertouren, Paragliding und Tauchen angeboten, und das noch zu zivilen Preisen. Ich hatte hier 2 Übernachtungen in Ohrid gebucht, für 18 € die Nacht. Das Haus wurde erst vor 2 Jahren gebaut und liegt etwa einen Kilometer vom Stadtplatz an Hafen und Altstadt entfernt, also fußläufig bequem zu erreichen. Ein wirklich tolles Appartement mit Balkon und kleiner Küche, im Umkreis mehrere Restaurants, die hier sowieso reichlich vorhanden sind und auch sehr zivile Preise aufrufen. Obwohl hier schon deutlich mehr los ist wie an meinem letzten Aufenthaltsort Pogradec auf der albanischen Seite des Sees, ist der Ort bei weitem nicht so überlaufen wie z.B. bekannte Urlaubsorte an der Adria. Nachfolgend ein paar Fotos meines Appartements.

Falls mal jemand mit dem eigenen Fahrzeug hierher oder an einen anderen Urlaubsort in Nordmazedonien kommen sollte, unbedingt die internationale Versicherungskarte (früher Grüne Karte) mitführen! An der albanisch- mazedonischen Grenze war ein Schweizer Pärchen mit dem Wohnmobil vor mir, die wurden nicht durchgelassen. Ansonsten verlief die Abwicklung an der Grenze für mich easy, kein Betrieb, 2 Minuten und durch. Fotos habe ich gestern und heute reichlich gemacht, die gibt es hier. Ich werde nachher noch etwas ins Städtchen gehen und mir u.a. noch ein paar Infos zu Prizren, meinem nächsten Ziel im Kosovo, zu Gemüte führen. Dort habe ich mir auch schon ein Hotelzimmer im Zentrum für 2 Übernachtungen gebucht. Kostenpunkt für die 2 Nächte 58 €, das schont die Urlaubskasse. Das soll es für heute gewesen sein, Grüße aus Nordmazedonien.

Von Gjirokaster zum Ohridsee

Von Gjirokaster zum Ohridsee

In Gjirokaster habe ich abends und am Samstagmorgen noch eine kleine Besichtigungsrunde gemacht, immer genau richtig nach und vor dem großen Touristenstrom, der dort täglich mit Reisebussen angekarrt wird und durch die engen Gassen strömt. Gjirokaster oder auch Gjirokastra ist eine historische Stadt im Süden Albaniens. Sie ist als „Stadt der Steine“ bekannt und gehört aufgrund ihrer außergewöhnlichen osmanischen Architektur seit 2005 zum UNESCO-Welterbe. Überragt wird die Stadt von einer imposanten Festung aus dem 12. Jahrhundert, sehenswert sind aber auch einige osmanische Herrenhäuser. Etwas außerhalb der Stadt liegt in einem Tal die Ali-Pascha-Brücke, die ich mir auch von unten und oben angesehen habe. Und mein Highlight war ein giftgrüner alter Mercedes, der zu einem etwas ungewöhnlichen Cabrio umgebaut wurde, über den sich sicher jeder deutsche TÜV-Ingenieur freuen würde. Den findet ihr auch auf den Bildern aus der Stadt.

Gegen 10 Uhr habe ich mich dann auf den Weg zum Ohridsee im Osten Albaniens, an der Grenze zu Nordmazedonien, gemacht. Zuerst einmal bin ich ganz in den Süden des Landes, bis an die griechische Grenze gefahren, wo ich dann auch einige Male die ’normalen‘ Straßen verlassen habe und mir einen Weg ‚durch die Büsche‘ gesucht habe. In Albanien sieht es nämlich häufig so aus, dass die Verbindungsstraßen zwischen größeren Ortschaften asphaltiert sind, die Abzweige zu den kleinen Dörfern aber zumeist nur aus Feldwegen oder Schotterpisten bestehen. Und da war es unterwegs gar nicht so einfach, sich mal etwas zu trinken zu besorgen. Auch Tankstellen sind dort eher weitläufig verteilt und ich wundere mich immer, wie die Bewohner dieser Dörfer auch an Benzin oder Diesel kommen, um Fahrzeuge und Traktoren zu betanken.

In einem kleinen Ort am Ufer eines abgelegenen kleinen Sees, der noch nicht einmal bei Google Maps verzeichnet ist, saßen 2 Männer vor einem Haus und tranken Kaffee. Ich hätte es jetzt nicht unbedingt für einen Laden gehalten, trotzdem habe ich mal dort angehalten und mich zu den Männern gesetzt. Eine ältere Frau kam heraus, musterte meine Motorradjacke und sagte zu meinem Erstaunen auf Englisch: „To hot today!“ Ich nickte, und sie stellte mir ohne ein weiteres Wort ein Glas kaltes Wasser hin und ich bestellte noch einen Espresso bei ihr. Und während ich so da sitze kommt ein weiterer Mann vorbei, der einen Korb mit frischem Fisch, offenbar für das Restaurant, trägt. Er grinste mich an: „You take fish? Good for moto-driver.“ Ich überlegte kurz, wieso hier in der Pampa alle Englisch sprechen und wie genau Fisch gut für Motorradfahrer sein soll. Lehne dann aber höflich ab und bleibe bei der sicheren Variante Espresso.

Als ich später weitergefahren bin habe ich noch eine ganze Zeit überlegt, wie die Leute in dem wirklich ziemlich abgelegenen Dorf an ihre Sprachkenntnisse gelangt sind. Da war kein Tourismus erkennbar, nichts was auf Fremde hingewiesen hätte. Naja egal.. Der Espresso hat mich übrigens umgerechnet 20 Cent gekostet, in größeren Städten kostet er meist einen €. Am frühen Nachmittag bin ich dann am Südufer des Ohridsees, in Pogradec, angekommen. Auch hier habe ich mich wieder in einem noch relativ neuen Autocamp direkt am See eingemietet. Es war nicht viel los dort, der Fremdenverkehr in Albanien ist noch sehr nur auf die Küste ausgelegt. Gut für mich… Allerdings wird es nicht mehr lange dauern, bis auch hier an diesem wunderschön gelegenen See der Tourismus ausbricht. Die Grundlagen werden gerade gelegt, so ist gerade auf etwa 120 Kilometer Länge die Hauptstraße südlich und westlich des Sees in Teilen neu durch die Berge gesprengt und komplett neu asphaltiert worden. Es ist also nur eine Frage der Zeit…

Im Anschluss gibt verschiedene noch ein paar Fotos von unterwegs. Auch bei Instagram habe ich noch ein paar Fotos der Fahrt hochgeladen. In der Zwischenzeit bin ich ja schon auf der mazedonischen Seite des Ohridsees angelangt, darüber berichte ich dann im nächsten Beitrag.