Über Van-See, Dogubeyazit, Erzincan nach Kappadokien

Über Van-See, Dogubeyazit, Erzincan nach Kappadokien

Am Abend vor unsere Abfahrt aus Hakkari wurden wir noch von einer tschechisch/türkischen Gruppe Bergwanderer zum gemeinsamen Abendessen eingeladen und anschließend haben wir den Abend dann in der gemütlichen Runde bei Tee und Gesprächen ausklingen lassen. Wir hatten beschlossen, einen ‚kleinen‘ Umweg zu machen und sind dann am Van-See, dem größten See der Türkei vorbei bis ins Grenzgebiet zu Armenien und des Iran nach Dogubeyazit, in Sichtweite des Ararat, des höchsten Berges des Landes, gefahren. Die Strecke führte wieder wie zuvor durch teils wirklich traumhaft schöne Gebirgslandschaften, tolle Straßen, über 2000 Meter hohe Pässe, alles dabei was das Bikerherz begehrt. Bei unserer Ankunft in Dogubeyazit haben wir uns am späten Nachmittag noch den schön gelegenen İshak Paşa Sarayı angesehen, der nahe der Stadt auf einem Berg nahe der Grenze zum Irak thront, bevor wir zu einem Hostel/Autocamp mit toller Sicht auf den Ararat etwas außerhalb der Stadt gefahren sind. Dort haben wir uns dann ein Doppelzimmer genommen und uns den Zeltaufbau erspart. Kurz danach haben wir Ute kennengelernt, die mit ihren 2 Jungs im Sprinter die Türkei bereist. Nachdem wir in einem Lokal in der Nähe gegessen hatten, haben wir 3 dann danach noch den Abend gemeinsam verbracht.

Rama hatte noch vor dem Frühstück am nächsten Morgen, zu dem wir von Ute eingeladen waren, noch einen Flug mit der Drohne unternommen, um den Burgkomplex aus der Luft zu filmen. Und durfte danach seine Drohne suchen gehen. Denn da hatten scheinbar die Soldaten im Grenzgebiet etwas gegen, kurzerhand die Steuerung übernommen und die Drohne gelandet. Gott sei Dank war die Kamera noch an, so dass er zumindest ungefähr lokalisieren konnte, wo das Ding zu Boden gegangen war. Nach einer halben Stunde, in der er sich mit dem Motorrad auf die Suche gemacht hatte, kam er mit Puls 180 wieder zurück. Im Hof eines Hauses war er fündig geworden, alles unversehrt, Rama happy. Und zumindest ein paar tolle Aufnahmen waren auch gelungen. Nach dem Frühstück haben wir uns dann auf die nächste weitere Etappe auf dem Weg nach Kappadokien gemacht, 500 Kilometer waren das Tagesziel, weil mit Sicherheit auch wieder einige Fotostopps anstanden. Erzincan sollte das Tagesziel heißen, eine Stadt von der ich, wie einige andere auch in Anatolien, noch nie zuvor gehört hatte.

Wir hatten in den Tagen zuvor einige Kontrollstationen im Grenzgebiet zu Syrien, Irak, Iran und Armenien passiert, in den allermeisten Fällen wurden wir durchgewunken, ab und zu mal ein kurzer Smalltalk. Bei der 2. Kontrollstelle dieses Tages sollten wir nach einer kurzen Passkontrolle rechts ranfahren und die Motorräder abstellen. Ich fragte Rama ob es Schwierigkeiten gäbe, doch genau das Gegenteil war der Fall. Wir bekamen Wasser und Tee angeboten und wir sollten uns 10 Minuten ausruhen, weil Motorrad fahren anstrengend wäre. Der wachhabende Offizier unterhielt sich länger mit Rama und der übersetzte mir dann, was er gesagt hatte. Touristen die mit Auto oder Motorrad in der Türkei unterwegs wären, seien Gäste des Landes. Und man müsse dafür sorgen, dass es ihnen/uns gut gehe. Wir wurden dann freundlich mit Handschlag verabschiedet und auch im weiteren Verlauf des Tages bekamen wir noch eine Einladung. 50 Kilometer vor unserem Tagesziel Erzincan wurden wir an einer Tankstelle von einem türkischen Ehepaar auch zum Tee eingeladen und unterwegs gab es den Tag über auch wieder das ein oder andere Gespräch. Und mein persönliches Highlight war diese Tagestour von knapp über 500 Kilometern. die über fast die gesamte Strecke auf Höhen zwischen 1600 und 2400 Metern sehr kurvenreich durch eine tolle Gebirgslandschaft führte. Mir war völlig neu, dass Anatolien so tolle Strecken und auch überwiegend gute und gut ausgebaute Straßen hat!

Gegen 18.30 Uhr sind wir in Erzincan am Hotel angekommen, haben die Motorräder vor der Tür geparkt, die nötigsten Sachen mit aufs Zimmer genommen, kurz geduscht und danach noch einen kleinen abendlichen Stadtbummel gemacht. Und ich habe mir noch ein Bierchen als Schlummertrunk gegönnt, bevor es dann wieder zum Hotel ging. Am nächsten Tag standen dann nochmal gute 550 Kilometer auf dem Erfüllungsplan, Kappadokien war das Ziel, die Heimat von Rama. Unterwegs haben wir nur ein paar kurze Pausen gemacht, in Sivas einen kurzen Abstecher gemacht um uns die dortige Knickbrücke mal anzusehen und sind von dort aus erstmal nach Kayseri gefahren um Abdullah, einem Freund von Rama der auch in Frankfurt lebt und gerade Urlaub in der Heimat macht, noch einen kurzen Besuch abzustatten. Und danach haben wir dann die restlichen knapp 100 Kilometer unter die Reifen genommen und sind am späten Nachmittag bei Ramas Mutter in Sarilar, im nordwestlichen Kappadokien gelegen, angekommen. Auch die Strecke dieses Tages verlief wieder in weiten Teilen durch die Berge, gleich zu Beginn hinter Erzincan 2 Pässe über knapp 2200 Meter, auf denen sich The Big 1 und das gelbe Post-Moped wieder so richtig austoben konnten, traumhaft! Alleine wegen der tollen Strecken bin ich in den Tagen zum Anatolien-Fan mutiert. 👍

Wie sollte es auch anders sei, wurden wir bei Ramas Mama, einer sehr sympathischen Frau, mit der ich mich auch auf Deutsch unterhalten kann, erstmal ausgiebig beköstigt. Nach dem Essen war dann mal wieder Waschtag angesagt, von Rama befohlen und ausgeführt. Sogar meine Wäsche hat er anschließend aufgehängt und ich frage mich wirklich, wie ich in den letzten Reisewochen alleine klar kommen soll. Überhaupt Rama, er hat mir zu wirklich jeder Region und jeder Stadt wo wir waren etwas erzählt, Besonderheiten, Sehenswürdigkeiten, regionale Spezialitäten und, und, und… Einen besseren Landesführer hätte man sich nicht wünschen können. Dazu hat er bei vielen Unterhaltungen übersetzt, was natürlich vieles für mich einfacher machte, als erst umständlich mit einer Übersetzungs-App hantieren zu müssen. Die Gastfreundschaft in der Türkei ist ja bekannt, auch die habe ich in seinem Elternhaus in Kappadokien bei seiner Mutter und bei seinem Bruder Isa erfahren, wofür ich mich noch mal bei allen aufrichtig und ganz herzlich bedanken möchte.

Da ich ja im vergangenen Jahr schon mit Frollein A. auf dem Weg in die Mongolei Kappadokien besucht habe, haben wir uns gestern nur auf eine Besichtigung einer der größten und tiefsten unterirdischen Städte der Welt in Derinkuju verständigt. Sie liegt bis zu 85 Meter unter der Erde und es sind 8 Ebenen für Besucher zugänglich. Der gesamte Komplex erstreckt sich wahrscheinlich über 12 bis 18 Ebenen, ist wegen Einsturzgefahr aber nicht vollständig erschlossen. Schätzungen zufolge konnten hier bis zu 20000 Menschen leben. Es war schon eine kleine Kletterpartie durch die sehr schmalen und oft nur 1,40 Meter hohen Gänge, durch die in den meisten Fällen nur eine Person passt. Ich musste beim Aufstieg beispielweise fast 15 Minuten unten warten, weil ununterbrochen Menschen nach unten strömten. Für Menschen mit Klaustrophobie eher nicht zu empfehlen, aber sehr interessant. Und zudem eine mordsmäßige Leistung, so etwas vor hunderten von Jahren ohne technische Hilfsmittel ins Gestein zu buddeln. Ein paar Fotos der unterirdischen Stadt und dem Dorf darüber gibt es hier, wer mehr Fotos aus Kappadokien sehen möchte, der kann sich ja mal hier und hier umsehen, da gibt es Fotos vom vergangenen Jahr. Und es gibt noch mehr Fotos, ich habe mal eine Auswahl von Bildchen in eine Galerie gepackt, die unterwegs entstanden sind, die gibt es hier.

Den heutigen Tag werden wir noch bei Ramas Mama zusammen verbringen, doch morgen werden sich unsere Wege wieder trennen. Rama wird auf dem kürzesten Weg zurück nach Frankfurt fahren, weil er am Monatsende umzieht. Das werden wohl 3 stramme Tagesetappen für ihn und ihr dürft mit mir alle mal die Däumchen drücken, dass er gesund und munter und eventuell auch trocken wieder daheim ankommt. Ich fahre morgen zuerst mal nach Ankara, die Hauptstadt von der man sagt, dass das schönste an ihr die Autobahn nach Istanbul wäre. Aber vielleicht entdecke ich ja doch etwas schönes… Der weitere Weg ist aktuell über Bursa nach Istanbul geplant und dann sehen wir weiter. So, damit seid ihr wieder auf dem aktuellen Stand, Grüße aus der Türkei. 👋

Von Erdemli nach Hakkari

Von Erdemli nach Hakkari

Unser erstes Etappenziel am Freitag war Gaziantep, knapp 330 Kilometer von Erdemli entfernt. Am späten Vormittag haben wir uns von Ramas Bruder Isa verabschiedet und dann führte uns die Fahrt zuerst noch an der Küste entlang, später ging es dann ins Landesinnere. Städte schienen fließend ineinander überzugehen und oft genug hingen wir im Verkehr fest oder wurden durch Ampeln ausgebremst. Es zog sich, dazu Temperaturen bei den selbst Motorrad fahren nicht wirklich Spaß macht. Wir haben dann häufiger mal Pause gemacht um etwas zu trinken und nach knapp 8 Stunden Fahrt haben wir Gaziantep erreicht. Der angepeilte Campingplatz erwies sich allerdings als reiner WoMo-Park, auch nach kurzer Verhandlung von Rama ließ man uns nicht hinein. Beim örtlichen Fußballverein gab man uns dann den Tipp, es mal in einem Hotel für Lehrer zu versuchen. Erfolgreich. 👍

Gaziantep liegt ca. 50 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Bis vor wenigen Jahren hatte hier die kurdische Untergrundorganisation PKK das Sagen. So wurde neben vielen anderen Opfern auch türkisches Lehrpersonal erschossen, um den Bildungsgrad der überwiegend kurdischen Bevölkerung zu unterdrücken. So weigerten sich viele Lehrer, in dieses Gebiet versetzt zu werden. Die die versetzt wurden, konnten dann in diesen Hotels ermäßigt wohnen. Heute ist dieses Hotel auch für andere Gäste verfügbar. Kämpfe gibt es in dem gesamten Gebiet in dem wir uns befinden schon länger nicht mehr, zumindest im Moment hat man sich auf politische Lösungen geeinigt. Auffällig sind aber die vielen militärischen Kontrollstellen mit schwer bewaffneten Fahrzeugen und viele Wachtürme auf den Bergen. So ganz scheinen sich Türken und Kurden immer noch nicht zu trauen.

Am nächsten Morgen sind wir schon früh zum Halfeti-Stausee aufgebrochen, etwa 1,5 Stunden Fahrt oder 90 Kilometer entfernt. Unterwegs noch eine kurze Führerscheinkontrolle durch die türkische Polizei, kamen wir um kurz nach 9 an dem Stausee an. Und dort haben wir uns dann eine einstündige Schiffstour gegönnt. Bei einem kurzen Zwischenstopp noch etwas kaltes getrunken und eigentlich wollte ich mir noch eine Zigarette dazu paffen. Hatte ich aber im Tankrucksack vergessen… Dort kaufen konnte man keine aber Mahmut, der Betreiber des Ladens, bot mir eine Zigarette von sich an und fragte dann auf Deutsch, wo wir herkommen würden. Auf meine Nachfrage woher er so gut Deutsch konnte bekam ich dann zu hören: „Icke war lange in Berlin, wa.“ Fotos von unserer kleinen Schiffstour gibt es hier. Die weiteren 300 Kilometer bis nach Mardin waren dann weniger heiter, wieder Bullenhitze und ein kräftiger Seitenwind, der uns nach jedem Überholmanöver in Schräglage brachte. Am frühen Abend erreichten wir Mardin und konnten uns noch 2 Plätze in einem Autopark sichern. Rama hat dann noch seine Drohne über der Stadt kreisen lassen und der Betreiber bestellte uns per Telefon noch etwas zu futtern. Und dann sind wir auch relativ schnell in unseren Zelten verschwunden…

Vorgestern dann noch einmal knapp 360 Kilometer bis nach Hakkari. Und diese Strecke erwies sich dann auch als die schönste. Der Start, sprich die ersten etwa 130 Kilometer waren allerdings eher stupides Geradeausfahren, erneut bei ziemlich hohen Temperaturen, dafür aber ohne diesen fiesen Seitenwind. Der Weg führte über weite Strecken direkt an der syrischen Grenze vorbei, später an der irakischen Grenze. Dann aber ging es in die Berge und das entlohnte für einiges. Fast 180 Kilometer fast ausnahmslos Kurven, tolle Landschaften, Passstraßen über 2000 Meter Höhe, traumhaft. Wie schon vorher erwähnt traute sich zu Zeiten der PKK hier niemand durch, Leute wurden ausgeraubt, entführt oder erschossen. Häufig waren auch wieder Wachtürme der türkischen Armee und Kontrollposten zu sehen, ein etwas beklemmendes Gefühl. Dafür wurde aber die Straße offensichtlich in den vergangenen Jahren neu gemacht und war, abgesehen von ein paar etwas ruppigeren Stellen, überwiegend in einem guten Zustand. Unterwegs trafen wir viele nette Leute, bekamen Getränke angeboten, Autofahrer fragen wo wir hin wollen, Gespräche an der Tankstelle und von einem Geistlichen bekamen wir noch gute Wünsche und als Glücksbringer eine Süre aus dem Koran. Und ich musste mehrmals wieder als Fotomodell dienen…

In Hakkari trafen wir am frühen Abend ein. Unser „Campingplatz“ ist eigentlich nur ein terrassenförmig am Hang liegender Garten, der auf knapp 1800 Meter Höhe einen schönen Blick über die Stadt bietet. @hakkari_camping existiert wegen der geschilderten Probleme der Vergangenheit erst seit 5 Jahren, überhaupt steckt der Tourismus hier noch in den Kinderschuhen. Schön für uns, ich bezweifle aber, dass das noch lange so bleibt. Gestern wollten wir eigentlich hoch bis auf 3000 Metern etwas wandern gehen, dass habe ich aber dann Rama überlassen. Schon die Zufahrt in der Stadt durch enge Gassen mit noch engeren Kurven, in denen selbst Motorräder kaum mit ihrem Wendekreis herum kamen, war gewöhnungsbedürftig. Schon nach kurzer Zeit gab’s dann Gravelroads vom allerfeinsten, teilweise mit Steigungen die die Reifen durchdrehen ließen. Bei knapp über 2400 Metern wurde mir das dann zu tricky und ich habe die Segel gestrichen. Mir zu viel Risiko, ich möchte gerne noch nach Hause kommen… Und so hatte ich, während Rama weiter den Weg nach oben nahm, den Rückzug angetreten und bei @hakkari_camping Fotos sortiert. Da bin ich nämlich in den letzten Tagen nicht zu gekommen.

Aber zumindest Rama hat sein gelbes Post-Moped noch bis nach oben geprügelt. Einschließlich mehrmaligem Verfahren, weil das GPS nicht mehr funktionierte. Und nach einer ausgiebigen Wanderung in der Höhe kam er gegen 19 Uhr reichlich platt wieder an. Gestern sind wir dann etwa 400 Kilometer weiter bis nach Dogubeyazit in Sichtweite des Ararat, des höchsten Berges der Türkei, gefahren. Vorbei am Van-See, dem größten Sees des Landes. Und die komplette Strecke führte ausnahmslos durch Höhen zwischen 1600 und 2600 Metern Höhe. Ab heute geht es dann wieder in Richtung Westen und es werden wohl wieder ein paar lange Tage, denn bis nach Kappadokien sind es auch noch – je nach Strecke – mindestens 1000 Kilometer.

Von Pamukkale nach Erdemli

Von Pamukkale nach Erdemli

Für die Fahrt von Pamukkale zu unserem nächsten Stop in Aspendos hatten wir uns eine schöne Strecke durch das Taurus-Gebirge ausgesucht, durch schöne aber auch sehr abgelegene Dörfer und über mehrere Gebirgspässe. In der Nähe von Aspendos hatten wir uns einen Campingplatz ausgesucht, an dem sind wir allerdings erstmal vorbei gefahren. Denn die Ausschilderung bestand lediglich aus einem roten Smiley auf einem Stein. Rama hatte dann bei dem Besitzer angerufen, allerdings meldete sich niemand. Wir haben uns dann auf die Suche nach einem anderen Platz gemacht und sind fast 20 Kilometer weiter gefahren. Außer diversen Rafting-Camps war allerdings nichts zu finden. Als wir uns schon wieder auf den Rückweg gemacht hatten, meldete sich Tom, der Betreiber des Campingplatzes bei uns, erklärte uns den Weg und schickte auch Fotos. Da haben wir auch wenig später die Zufahrt gefunden, allerdings war der Stein mit dem Smiley halb zugewuchert, weshalb wir auch daran vorbei gepfeffert sind. In der Beschreibung des Platzes stand ‚Die letzten 400 m Schotterpiste‘, allerdings stellten sich diese 400 Meter als über 2 Kilometer und teilweise auch recht anspruchsvoll heraus. Für Motorräder machbar, für Autos ohne Allradantrieb auch wegen steilerer Passagen und ein paar dicken Wackermännern auf dem Weg schon schwieriger.

Am Tor begrüßte uns Tom, gebürtiger Holländer, als wir am späten Nachmittag eintrudelten. Und ich habe ihn direkt mal gefragt, weshalb der Platz so schlecht ausgeschildert ist. Das wäre mir Absicht erwiderte er, er wolle dort keine ‚Pauschaltouristen‘ sondern sich sein seit etwa 5 Jahren erschaffenes Refugium weitestgehend erhalten. Er beherbergt dort überwiegend Jugendliche aus verschiedenen Nationen, die dort eine Art Ferienlager verbringen. Ab und zu ein paar Biker wie wir, ein paar ‚Wiederholungstäter‘ oder Gäste die mehr oder weniger zufällig dort gelandet sind. Im Winter ist er ca. 4 Monate daheim in Holland um etwas Geld zu verdienen, da der Platz nicht genügend abwirft. Wir haben uns am Abend noch lange mit ihm unterhalten, ein teilweise etwas schrullig wirkender Typ, allerdings mit gesunden Ansichten. So dürfen die Jugendlichen z. B. beim gemeinsamen Essen kein Handy benutzen, da die Kids verschiedene Sprachen sprechen ist bei Spieleabenden ausschließlich Konversation auf Englisch erlaubt. Ansonsten unternimmt er mit ihnen Ausflüge, Raftingtouren und ähnliches. Wäre für manche Jugendliche bei uns auch mal das richtige Trainingslager…

Am nächsten Morgen hatten wir dann wieder ein Aha-Erlebnis. Nachdem wir uns verabschiedet hatten sagte Rama zu mir, ich sollte schon mal vorfahren. Und dabei habe ich auf etwa der halben Strecke wohl eine falsche ‚Straße‘ erwischt. Es wurde steiler, es wurde felsiger und ziemlich dicke und vor allem spitze Wackermänner lagen da herum. Mir war klar dass ich mich verfahren hatte, allerdings ging es so steil bergab und war ziemlich eng, das keine Möglichkeit zum wenden bestand. Also Augen zu, irgendwie da hinunter kommen und hoffen, dass es einen Ausweg gibt. Als ich ziemlich unten angekommen war meldete sich Rama per Telefon und fragte wo ich gelandet wäre. Keine Ahnung, mein Navi zeigte nur Niemandsland und keinen Weg oder Straße an. Er hat sich dann auf die Suche gemacht und stand 10 Minuten später oben am Weg. Und weil er nur normale Straßenbereifung aufgezogen hat, kam er erstmal zu Fuß da hinunter gestiefelt. Als wir dann feststellten dass wenden wirklich unmöglich war, hat er sein gelbes Pony dann auch den Weg hinunter gewürgt und war danach ebenso schweißnass wie ich. Adventure eben… 🙄 Danach hat er noch die weitere Wegführung erkundet und festgestellt, dass wir eigentlich wieder bei Tom’s Lager herauskommen müssten. Kamen wir dann auch später, nahmen den richtigen Weg und haben uns dann ein paar Kilometer weiter erstmal an einem Restaurant etwas kaltes zu trinken genehmigt. Immer noch patschnass geschwitzt…

Als wir eine halbe Stunde später Aspendos erreichten, wo u.a. ein altes Amphitheater zu besichtigen ist, war ich immer noch fertig mit der Welt. Zudem brannte uns die Sonne auch schon wieder, trotz der noch frühen Stunde, mächtig auf den Pelz, Ich habe mir nur kurz das Theater angesehen und als Rama dann mit mir noch einen Berg hinauf wollte, um mir dort oben noch weitere Anlagen zu zeigen, habe ich dankend abgelehnt und hatte für den Tag die Schnauze voll von alten Steinen. Und mir statt dessen ein schattiges Plätzchen unter einem Baum gesucht… Rama hat sich noch das volle Programm gegeben und gegen Mittag haben wir uns dann auf den weiteren Weg gemacht. Der führte fast durchgehend an der Küste vorbei, durch mehrere bekannte türkische Urlaubsorte, die mit zumeist ziemlich großen Hotelbunkern zugepflastert sind. Die Geschmäcker sind ja verschieden, allerdings müsste man mir da schon viel Geld bieten, um dort einen Urlaub zu verbringen. Es wurde schon langsam dunkel, als wir noch einen Campingplatz direkt neben einer imposanten Burg fanden. Schnell die Zelte aufgebaut, geduscht und danach noch mit dem 88-jährigen Besitzer des schön gelegenen Platzes, der dazu noch deutsch sprach, länger unterhalten.

Am nächsten Morgen passierte etwas, dass zuvor noch nie geschehen war: Rama war vor mir aufgestanden und ich entdeckte ihn am Strand, von wo er seine Drohne mal über das Areal fliegen ließ. Als er zurückkehrte, zeigte er mir auch den Grund für sein frühes Aufstehen. Er ist wach geworden, weil sich unter seinem Zelt etwas bewegte und er dachte zuerst, es sei eine Schlange. Die Schlange stellte sich dann aber als Schildkröte heraus, die sich wohl ein kuscheliges Plätzchen gesucht hatte. Wenig später trieb der Schwiegersohn des Betreibers dann noch die Ziegenherde der Familie über den Platz, vorbei an unseren Zelten, zum grasen. Camping auf türkisch… 😏 Als wir dann unsere Sachen wieder zusammengepackt hatten, haben wir uns auf die vorerst letzten 170 Kilometer bis nach Erdemli, wo wir 2 Übernachtungen bei Ramas Bruder Isa vereinbart hatten. Dort kamen wir am frühen Nachmittag an, es war heiß, schwül und als wir unsere nötigsten Sachen abgeladen hatten, galt mein erster, zweiter, dritter und vierter Gedanke nur noch der Klimaanlage. Zu einem fünften Gedanken war ich nicht mehr fähig…

Und Rama hatte von seiner Mutter in Kappadokien den Auftrag bekommen, sich gut um seinen Gast zu kümmern. Über die tolle Gastfreundschaft unterwegs hatte ich ja schon geschrieben und auch Rama hat mich umsorgt wie eine Amme. Die Wäsche wurde gewaschen und aufgehängt, Kaffee gekocht, Essen serviert, mein Bett gemacht, ich kam mir schon fast vor wie im Luxushotel. Auch mit seinem Bruder Isa habe ich mich gleich gut verstanden, er fährt übrigens auch Motorrad. Am Donnerstag früh sind wir dann erstmal zu einem der zahlreichen Friseure gefahren. Wir hätten auch zu Fuß hingehen können, hatten aber im Anschluss noch einen Ölwechsel in der Werkstatt von Ali, Isas bestem Kumpel, geplant. Beim Friseur gab es erstmal Cay, anschließend das volle Programm mit Kopfmassage, jedes kleinste überflüssige Haar wurde abgeflämmt, die geschnittenen Haare mit einer kühlendem Mentholschaum eingepappt und was weiß ich nicht noch alles. Zum Abschluss gab es noch ein wenig Smalltalk, einen weiteren Cay und für jeden einen Teller mit kalter Wassermelone. Fehlte eigentlich nur noch die Zigarette danach… 😎

Anschließend sind wir dann zu Ali gefahren, wo es auch erstmal einen türkischen Kaffee gab. Wenig später haben wir dann die Mopeds vor der Werkstatt platziert, ich habe meine Motorschutz demontiert und das Öl abgelassen. Während der Herr Ünlü es vorzog, sich lieber nicht die Finger schmutzig zu machen. Während das Altöl in die Wannen plätscherte wurde dann entschieden, dass ich unbedingt eine lokale Spezialität probieren müsste. Kurzerhand wurde einer der Lehrjungen beauftragt, Futter und etwas zu trinken zu besorgen. Um es kurz zu machen, es hat geschmeckt, der Ölwechsel war erfolgreich und ich war öliger als vorher. Musste dafür aber auch nur das neue Motoröl bezahlen, während der Herr Ünlü auch noch Arbeitskosten berappen musste. Danach haben wir noch eine ganze Zeit zusammen gesessen und geredet, zwischenzeitlich hatten sich noch Isa und ein alter Freund von Rama zu uns gesellt, noch einen Cay und noch einen Cay getrunken und urplötzlich war es fast Nachmittag. Hier in der Türkei läuft eben alles ein bisschen anders ab, in jeder Beziehung. Und offensichtlich stressfreier… Rama muss ja leider schon Ende des Monats wieder daheim in Frankfurt sein, weil er eine neue Wohnung bezieht und noch einiges zu erledigen ist. Ansonsten wären wir mit Sicherheit noch etwas länger in Erdemli geblieben.

In der Zwischenzeit sind wir schon wieder knapp 1200 Kilometer weiter bis nach Hakkari gefahren. wo wir noch etwas durch die Berge fahren wollen. Von Hakkari hatte ich zuvor noch niemals gehört, die Stadt liegt im Grenzgebiet zu Syrien und dem Iran auf etwa 1800 Meter Höhe und galt bis vor 5 Jahren als kurdische PKK-Hochburg. Da hätte sich weder ein Türke und erst recht kein Tourist hierher getraut. Wegen Ramas Zeitdruck müssen wir allerdings buchstäblich etwas Gas geben, dementsprechend gibt es im Moment auch nicht so viele Fotos. Ein paar Bilder der letzten Tage habe ich noch in eine Galerie gepackt, die könnt ihr euch hier ansehen. Von unserer Fahrt nach Hakkari erzähle ich dann im nächsten Beitrag. Das soll es erstmal gewesen sein, Grüße aus der Türkei.