Von Sarajevo nach Mostar
Nächster Tag, neues Ziel: Mostar. Die Strecke nach Konjic, zuerst durch die Berge, später fast immer entlang des Flusses Neretva, war wirklich traumhaft. Türkisfarbenes Wasser, steile Felsen und immer wieder kleine Haltebuchten, die zum Anhalten – und fotografieren – eingeladen haben. Aber diese Reise ist ja auch dazu geplant, etwas zu sehen. Und Zeit habe ich genug.

Konjic, mit diesem Städtchen konnte ich zuerst nicht wirklich etwas anfangen. Wenn man von Sarajevo nach Mostar fährt, kommt man allerdings zwangsläufig durch die Stadt. Doch nach kurzer Recherche Im Netz habe ich gelesen, dass man dort den Bunkerkomplex besichtigen kann, den einst ein gewisser Herr Tito für sich bauen ließ. Der Bunker liegt in einem Bergmassiv, 250 m unter der Erde versteckt. bis zur Fertigstellung dauerte es über 25 Jahre und sollte Tito im Falle eines Atomkriegs als Rückzugsort dienen. Allerdings fehlte mir bei diesem herrlichen Wetter etwas der Antrieb, mich für ein paar Stunden in einem unterirdischen Betonklotz umzusehen. Zumal die Bilder die ich im Internet gesehen hatte, jetzt auch nicht sonderlich spektakulär waren.
Deshalb habe ich den Bunker einen Bunker sein lassen und habe an einem Café direkt an der (wieder aufgebauten) osmanischen Steinbrücke, dem Wahrzeichen des Städtchens, angehalten und mir dort auf der Terrasse einen Kaffee bestellt. Der Plan war: Schnelles Käffchen und dann weiter nach Mostar. Das Ergebnis war: Ich blieb fast eine Stunde, weil ich mich mit dem Besitzer ziemlich ausgiebig über Motorräder unterhalten habe. Jossip ist bekennender Eisenhaufenchauffeur, also Harley-Fahrer. Aber er sprach außerdem sehr gut Deutsch und so verging die Zeit wie im Flug.

Die letzte Etappe, noch einmal etwa 70 Kilometer, führte dann weiter nach Mostar. Genau wie die erste Hälfte der Strecke, aber diesmal komplett an der Neretva entlang. Da ich aber noch viel zu früh war, bin ich kurzentschlossen noch etwa 15 Kilometer weiter gefahren, um mir noch das Derwisch-Kloster in Blagaj anzusehen. 2 Stunden sollten dafür locker reichen und es hat sich wirklich gelohnt, diesen außergewöhnlichen Ort zu besuchen. Einige Bilder habe ich dort auch gemacht, die könnt ihr euch hier ansehen. Gestern hatte ich mir mir in Mostar 2 Übernachtungen gebucht, das sollte reichen, um mich heute und morgen noch etwas im Städtchen umsehen zu können. Zwar bin ich vor 3 Jahren schon einmal in Mostar gewesen, damals allerdings nur für eine knappe Stunde „auf der Durchreise“. Und nicht nur für die Altstadt mit der berühmten Stari Most, der alten Brücke, die im Krieg ebenfalls komplett zerstört und wieder aufgebaut wurde, habe ich jetzt etwas mehr Zeit eingeplant. Die Brücke spannt sich übrigens auch über die Neretva, und auf der Brücke tummeln sich zumindest in den Sommermonaten mutige (oder leicht verrückte) Springer, die sich für ein paar Euro in den Fluß stürzen.
Und keine 300 Meter von der Brücke entfernt habe ich ein kleines Appartement im Haus einer älteren Frau gefunden. Und die gute Zenaida, immerhin schon 83 Jahre alt aber fit wie ein jugendlicher Turnschuh, hat mich dann nach meiner Ankunft gleich mal etwas betüddelt. Ich hatte The Big 1 gerade in der alten Scheune neben dem Haus abgestellt, da bekam ich auf dem Tisch vor der Eingangstür gleich mal ein paar Begrüßungshäppchen aufgetischt. Ziegenkäse, Salami, Paprika, höllisch scharfe Pepperonis, ein Gläschen Wein und fast obligatorisch, ein Glas Slibowitz. Sie hat sogar einen mitgetrunken, ich hätte auch darauf verzichten können. Rachenputzer… 🥴 Und so haben wir dann noch gute 20 Minuten vor dem Haus gesessen und erzählt. Also mit Händen und Füßen erzählt, denn Olga spricht weder Englisch noch Deutsch und mein Bosnisch ist eher theoretischer Natur. Aber wir haben uns verstanden und Olga nickte immer wenn ich etwas sagte und lachte dabei. Nach dem ausgiebigen Begrüßungsritual habe ich dann erstmal meine nötigsten Sachen im Zimmer verstaut und mich aus den Motorradklamotten geschält. Und nach einer kurzen Dusche bin ich dann noch bis zur Stari Most gegangen, weil ich heute wenigstens noch ein Foto von der Brücke haben wollte.

Mein Zimmer mit kleiner Küche und Bad ist recht einfach gehalten, aber es ist alles da was man benötigt. Und für umgerechnet 46 € für 2 Übernachtungen bei der zentralen Lage sehr preiswert. Geschäfte und Restaurants gibt es im Umkreis reichlich, was will der Mensch noch mehr. Heute Abend und morgen werde ich dann noch eine etwas ausgiebigere Erkundungstour starten, davon gibt es dann wieder Fotos. So, jetzt habe ich hier in Hyper-Schallgeschwindigkeit noch diesen kleinen Beitrag verfasst, genug Arbeit für heute. Bis dahin, schönes Wochenende und Grüße aus Mostar.










