Von Banja Luka nach Sarajevo

Von Banja Luka nach Sarajevo

Ich bin heute schon wieder ziemlich früh losgefahren und für den Weg nach Sarajevo hatte ich mir eine südliche Route zusammengestellt, die zu großen Teilen durch das Vlašić-Massiv führte. Eine wunderschöne, kurvenreiche Strecke durchs Gebirge, toll zu fahren. 2 kleinere Städte lagen auf dem Weg und mehrere kleine Dörfer, die meisten sahen aber ziemlich verlassen aus. Verfallene oder mit Brettern vernagelte Häuser und auch einsamer gelegene Häuser, die noch deutliche Spuren des Krieges aufwiesen. Etwa auf halber Strecke der heutigen 220 Kilometer habe ich noch einen Abstecher in den Wald gemacht, weil ich mir noch den auf dem Weg liegenden Ilomska-Wasserfall ansehen wollte.

Ich bin dann bis zu einem kleinen Wasserkraftwerk gefahren, von dort aus ging es nicht mehr weiter. Ein Mann der dort mit seinem Auto parkte zeigte mir dann den Weg zum Wasserfall, denn ausgeschildert war nichts. Und der ‚Weg‘ dorthin erinnerte eher an eine Mutprobe als an einen Zugang zum Wasserfall aber nach etwa 20 Minuten Querfeldein habe ich mein Fotomotiv dann doch noch gefunden. Nichts los, keine Menschenseele, also noch eine kleine Zigarettenpause eingelegt und mich wieder auf den Rückweg gemacht.

Auch die 2. Hälfte der Strecke ließ sich toll fahren und so habe ich etwa 20 Kilometer vor Sarajevo nochmal in einem kleinen Dorf angehalten, um an einem Stand etwas zu trinken. Dort habe ich einen älteren Mann getroffen, der danach The Big 1 inspizierte, als wäre er TÜV-Prüfer im Ruhestand. Nach einer gefühlten Ewigkeit nickte er schließlich anerkennend, reckte den Daumen nach oben, spazierte die 3-4 Meter zu mir zurück und murmelte: „Bääemmwää gutt!“

Schon gegen 12 Uhr bin ich dann, fast pünktlich zum Ruf des Muezzins, in Sarajevo angekommen. Bei meinem letzten Stop hatte ich meiner Vermieterin Jasmin geschrieben, wann ich ungefähr eintreffen würde. Und sie erwartete mich schon am Haus und öffnete mir die Schranke zur Zufahrt. Die letzten etwa 500 Meter bis zur Schranke waren allerdings so ein Thema für sich, denn das Haus liegt auf dem Trebevic, dem Hausberg von Sarajevo, auf dem unweit von hier auch Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele 1984 ausgetragen wurden. Und der Weg führt mit 28%! Steigung zum Haus, garniert mit ein paar äußerst engen Kurven, in der man eventuellen Gegenverkehr nicht kommen sieht. Ziemlich tricky, da musste mein dickes Lastenpony richtig ackern. Aber Sarajevo ist, von der Innenstadt mal abgesehen, eben ziemlich hügelig, das wusste ich schon von meinem letzten Aufenthalt. Hier ein paar Fotos meiner derzeitigen Heimat.

Jasmin hat mir dann das Appartement gezeigt. Im Erdgeschoss, mit allem eingerichtet was man benötigt, Parkplatz im Hinterhof direkt unter meinem Balkon/Wintergarten und mit einem schönen Blick über die Stadt. 2 Übernachtungen kosten mich hier 72 Euro, perfekt! Da einige der ehemaligen Veranstaltungsstätten, die Bobbahn und die Skisprungschanzen der Olympiade, quasi hinter dem Haus liegen, habe ich, nachdem ich mich häuslich eingerichtet und in ein paar bequemere Klamotten gestiegen bin, gleich danach noch einen kleinen Abstecher dorthin gemacht und bin über das ziemlich weitläufige und ebenfalls ziemlich steile Gelände spaziert und gekraxelt. Uff, kein Terrain für alte Männer, zumindest an den Sprungschanzen nicht. 🥴 Die alten Sportanlagen, die seit Ende des Jugoslawien-Krieges verfallen, wurden während der Belagerung von Sarajevo von Scharfschützen und Artillerieeinheiten auch als befestigte Stellungen genutzt. Noch heute sind an einigen Stellen Einschusslöcher im Beton sichtbar. Einige Bilder der Anlagen, die heute angesagte Lost Places sind, habe ich auch gemacht, die könnt ihr euch hier ansehen. Zwischenzeitlich zogen da mal mächtig dunkle Wolken vorbei, es blieb aber trocken. Und heiß…

Nachher werde ich noch etwas futtern gehen bzw. fahren. Denn diese Bergbesteigung zum Haus möchte ich mir ungern zu Fuß antun. Diese Kraxelei heute an den Sprungschanzen hat mir gereicht, alles hat seine Grenzen… 😎 Nach dem Futter fassen werde ich dann noch einen kleinen Gang durch die Stadt machen, der größere Stadtrundgang folgt aber morgen. Grüße aus Sarajevo.

Banja Luka zum zweiten

Banja Luka zum zweiten

Gestern Abend habe ich dann in der Stadt noch etwas gegessen, etwas kartoffliges, fleischiges und salatiges. War sehr lecker, allerdings bin ich danach etwas überfressen träge durch die Stadt geschlendert, habe es aber immerhin noch geschafft, wenigstens ein paar Fotos der beleuchteten Kathedrale, der Moschee und des Kastels zu machen. Nach einem kleinen Absacker in einem Lokal unweit meiner Unterkunft habe ich dann aber gegen 22 Uhr beschlossen, dass Liegen wohl die bessere Option wäre und mich deshalb auf den kurzen Heimweg gemacht.

Heute habe ich aber noch einen etwas ausgiebigeren Stadtbummel gemacht und ich muss sagen, Banja Luka hat mir wirklich gut gefallen. Zwar ist die Stadt relativ überschaubar was sehenswertes angeht, dafür aber nicht so überlaufen. Es gibt eine große Auswahl an Geschäften und Gastronomie, tolle Parks in denen ich einige Zeit verbracht habe, nur das Wetter hat nicht ganz gepasst: 32°. Für einen Kaltblüter wie mich eindeutig zu viel. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich vor 10 Tagen noch bei einem mickrigen Grad und Schnee am Felbertauerntunnel in Österreich stand. Naja, jammern zählt nicht, vergangenes Jahr in Kasachstan war es noch viel extremer.

Nikola (Jetzt weiß ich auch den Namen wieder), der Präsi des örtlichen Bikerclubs, in dessen Lokal ich gestern war, ist mir heute auch wieder begegnet. Und ich habe ihm gesagt, dass ich heute Abend für 1-2 Abschlussbierchen nochmals vorbeikommen würde. Er hat mich zwar wieder bequatscht, dass ich bis zum Motorradtreffen am Wochenende bleiben soll, ich habe mich aber heute schon in Sarajevo eingebucht. Aber ein bisschen Unterhaltung am Abend schadet ja nicht. Einige Fotos von gestern Abend und heute könnt ihr euch hier ansehen. Morgen geht es dann weiter nach Sarajevo, hier war ich allerdings schon zweimal, einmal vor und einmal nach dem Krieg. Weshalb eineinhalb Tage Aufenthalt wohl reichen werden, bevor ich dann nach Mostar fahre. Bis dahin, Grüße aus Banja Luka.

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Banja Luka

Banja Luka

Zuerst einmal: In meiner Dackelhütte am Bach habe ich geschlafen wie ein Stein. Heute morgen um halb 7 bin ich wach geworden und nach einem Käffchen habe ich mir noch etwas Wasser zum waschen auf dem Kocher heiß gemacht. Denn das Wasser aus dem Bach war mir eindeutig zu kalt, nichts für Weicheier. Mit einem Liter heißem Wasser zusätzlich war es erträglich. Nach einem zweiten Käffchen habe ich dann langsam meine Klamotten wieder zusammengepackt und mich gegen halb 9 auf den kurzen Weg nach Banja Luka gemacht. Die ersten 3-4 Kilometer ging es noch durch Wald und Wiesen, die letzten 30 waren dann wieder geteert. Und als ich durch das letzte Waldstück fuhr, könnte ich mein Ziel schon sehen.

Gegen halb 10 bin ich dann in der Stadt angekommen und mir fiel mir sofort auf, wie grün die Stadt ist. Zudem erstreckt sich Banja Luka überwiegend am Fluß Vrbas entlang, und ist eingerahmt von Bergen. Offensichtlich bekam die Stadt ihren Beinamen „Stadt des Grüns“ nicht umsonst verliehen. Ich bin dann auf der Hauptstraße, die zu großen Teilen immer parallel zum Fluß vorbei führt, direkt geradewegs zu meiner gebuchten Unterkunft gefahren. Gut, geradewegs ist etwas geschmeichelt, denn auf den letzten etwa 200 Metern wurde die Straße enger und führte durch einen kleinen Tunnel zwischen einem Häuserblock. Und etwa 100 Meter vor meinem Ziel hätte ich dann noch etwa 10 Treppenstufen hoch fahren müssen. Ohne Gepäck wäre ich da hochgedengelt, aber mit dem vollgepackten Lastenpony war mir das etwas zu tricky und ich habe mir einen Schleichweg, der über einen kurzen Fußweg und eine Rasenfläche hinter dem Häuserblock entlang führte, gesucht und gefunden. Man muss manchmal eben flexibel sein…

Von meinen Gastgebern Branka und Pavle wurde ich gleich sehr herzlich empfangen und Pavle öffnete auch gleich die Tür zur sehr geräumigen Garage. Ich bekam mein Zimmer gezeigt, dass der nächste Supermarkt gleich 50 Meter um die Ecke ‚entfernt‘ ist und wenn ich etwas benötigen würde, sollte ich ruhig fragen. Danach habe ich dann meine Sachen mal aufs Zimmer geholt und mich erstmal eingerichtet. Zimmer mit kleiner Küche und Bad, dazu ein geräumiger Garagenstellplatz für The Big 1, 2 Übernachtungen für 46 Euro. Na das entlastet doch die Reisekasse… Nachfolgend Fotos von meiner Unterkunft.

Bei einer Kippe auf dem Balkon habe ich mir dann den Stadtplan mal zu Gemüte geführt und eine halbe Stunde später habe ich dann die nähere Umgebung etwas erkundet. In einer Kneipe am Fluß habe ich dann erstmal Rast gemacht und mir ein Bierchen bestellt. Und kam dort gleich mit 2 örtlichen Bikern ins Gespräch. Also mit den beiden etwas gequatscht und als ich dann zahlen wollte hieß es: Geht auf’s Haus. 👍 Es stellte sich dann heraus, dass einer der beiden, habe leider seinen Namen vergessen, nicht nur der Besitzer der Bar war, sondern auch der Präsi des örtlichen Motorradclubs. Am kommenden Wochenende ist wohl hier großes Motorradtreffen, zu dem jährlich über 1000 Fahrer und Maschinen erwartet werden. Mit Paradefahrt durch die Stadt… Dazu lud er mich ein, allerdings werde ich mir das nicht ansehen, ich fahre übermorgen schon weiter nach Sarajevo.

Banja Luka ist mit seinen ca. 190.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt von Bosnien und Herzegowina. Ein schweres Erdbeben im Jahr 1969 zerstörte große Teile der Stadt, die danach modern wiederaufgebaut wurde. Wirklich groß ist das Stadtzentrum nicht, etwa einen Kilometer von meiner Unterkunft liegt direkt eines der Wahrzeichen der Stadt, die Kastel-Festung, die ebenfalls direkt am Fluß gebaut wurde. Nicht weit entfernt davon die Ferhadija-Moschee und die orthodoxe Christus-Erlöser-Kathedrale. Banja Luca hat ja im Anschluss an den Krieg einen relativ radikalen Wandel erlebt. Lebten früher hier vorwiegend Muslime (Bosniaken) und Christen, sind es heute zu über 80% orthodoxe Serben. Ich hatte aber bei meinem Spaziergang heute das Gefühl, dass es sich in der Stadt sicher ganz gut leben lässt. Und man kann nur hoffen, dass es auch zukünftig auf dem Balkan ruhig bleibt.

Ein paar Fotos habe ich heute auch gemacht, die könnt ihr euch hier ansehen. Morgen gibt es sicher noch etwas Nachschub aber für heute muss das reichen. Grüße aus Bosnien und Herzegowina.

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