Stadtrundgang in Sarajevo

Stadtrundgang in Sarajevo

Gestern Abend und heute vormittag ein kurzer Stadtrundgang durch die historische Altstadt Baščaršija mit Essensaufnahme heute früh (Schinken und Weintrauben) in einem der zahlreichen kleinen, schnuckligen Restaurants. Übrigens ist meine Vorliebe für einheimische Kost, sprich Cevapcici, hier gar nicht so ungewöhnlich. Denn schon heute früh um halb 9 habe ich die ersten Einheimischen frühstücken sehen, natürlich Cevapcici. Baščaršija ist übrigens aufgebaut wie ein offener Basar, teilweise enge Gassen und eine Unzahl an kleinen und kleinsten Läden, Cafés und Restaurants. Dazu wehte mir abwechselnd der Duft von frisch gegrilltem, undefinierbaren Gewürzen und an der ein oder anderen Ecke auch der fruchtige Tabakduft diverser Wasserpfeifen unter die Nase. Und einige Läden, wo ganz besondere Souvenirs hergestellt wurden. Aus verschossenen Projektilen unterschiedlicher Größen wurden Kugelschreiber gefertigt, aus Artellerie-Projektilen wurden z.B. Blumenvasen und Schirmständer geschmiedet. Der Vorrat an Munition scheint heute noch unerschöpflich… Einen sehr schön verarbeiteten Kugelschreiber habe ich mir auch gekauft, der wiegt zwar garantiert 400 Gramm, liegt aber gut in der Hand. Und schreibt sogar, das hatte ich nämlich beim Kauf überhaupt nicht gecheckt.

Sarajevo ist die Hauptstadt und gleichzeitig die größte Stadt von Bosnien und Herzegowina. Während des Jogoslawienkriegs in den 90er Jahren erlebte Sarajevo eine der längsten Belagerungen der modernen Geschichte und diverse Spuren der immensen Zerstörung der Stadt sind auch heute noch sichtbar. Die „Sarajevo Roses“ – Einschlagspuren von Granaten aus der Belagerung – wurden später mit rotem Harz ausgefüllt und sind über die ganze Stadt verteilt. Heute sieht man aber auch wieder Moscheen, Kirchen und Synagogen in der Stadt, viele davon wurde nach dem Krieg neu aufgebaut. Ich kenne Sarajewo noch aus den späten 80er Jahren und war bei meinem 2. Besuch vor ein paar Jahren schon erstaunt, wie sich die Stadt verändert hat.

Heute nach Mittag habe ich meinen Besichtigungstrip dann noch fortgesetzt. Zuerst einmal einen Gang durch die Tunnel von Sarajevo, die bei der Belagerung der Stadt eine entscheidende Rolle zur Lebensmittel- und Nachschubbeschaffung spielten. Später dann, an der Lateinerbrücke, bekannt als Ort des Attentats auf Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau, welches den 1. Weltkrieg auslöste, überkam mich dann ein seltsames Gefühl. Kennt ihr vielleicht auch, wenn man an einem Ort steht, an dem Geschichte geschrieben wurde. Und gleichzeitig anderen Touris dabei zusieht, wie sie Selfies machen. An der Sebilj-Brunnenanlage bin ich dann noch von einem Jagdgeschwader Tauben verfolgt worden. Eigentlich hatte ich mir kurz vorher gerade ein Eishörnchen gekauft, doch da hatten es die Flugratten wohl drauf abgesehen. Doch mein Eis habe ich tapfer verteidigt, auch mit der Hilfe einer älteren Frau. Die hatte den Angriff wohl beobachtet und hat dann mal ziemlich rigoros mit einem alten Besen dazwischen gefuchtelt. Und die Tauben haben sich gleich 5 Meter weiter auf einen Mann gestürzt, der gerade genüsslich ein Stück Pizza verdrücken wollte. Gemeingefährlich, diese Flugratten, habe ich so auch noch nicht erlebt.

Nach einem Tag voller vieler, schöner Eindrücke habe ich mich dann am frühen Nachmittag wieder in meine Behausung verdrückt. Gerade eben habe ich ein paar Fotos sortiert, die könnt ihr euch hier ansehen. Nachher werde ich in einem Restaurant in der Nähe noch etwas essen gehen und mich schon mal schlau machen, was ich mir in meinem nächsten Ziel Mostar und Umgebung noch ansehen kann. Und einen Schlafplatz muss ich mir auch noch besorgen. Reisen kann ziemlich anstrengend sein… 🙄 Grüße aus Sarajevo.

Ein paar Fotos habe ich heute Mittag schon auf meinem Instagram-Account veröffentlicht und bei Facebook könnt ihr euch bei Interesse die Fotos von heute morgen auch ansehen.

Von Banja Luka nach Sarajevo

Von Banja Luka nach Sarajevo

Ich bin heute schon wieder ziemlich früh losgefahren und für den Weg nach Sarajevo hatte ich mir eine südliche Route zusammengestellt, die zu großen Teilen durch das Vlašić-Massiv führte. Eine wunderschöne, kurvenreiche Strecke durchs Gebirge, toll zu fahren. 2 kleinere Städte lagen auf dem Weg und mehrere kleine Dörfer, die meisten sahen aber ziemlich verlassen aus. Verfallene oder mit Brettern vernagelte Häuser und auch einsamer gelegene Häuser, die noch deutliche Spuren des Krieges aufwiesen. Etwa auf halber Strecke der heutigen 220 Kilometer habe ich noch einen Abstecher in den Wald gemacht, weil ich mir noch den auf dem Weg liegenden Ilomska-Wasserfall ansehen wollte.

Ich bin dann bis zu einem kleinen Wasserkraftwerk gefahren, von dort aus ging es nicht mehr weiter. Ein Mann der dort mit seinem Auto parkte zeigte mir dann den Weg zum Wasserfall, denn ausgeschildert war nichts. Und der ‚Weg‘ dorthin erinnerte eher an eine Mutprobe als an einen Zugang zum Wasserfall aber nach etwa 20 Minuten Querfeldein habe ich mein Fotomotiv dann doch noch gefunden. Nichts los, keine Menschenseele, also noch eine kleine Zigarettenpause eingelegt und mich wieder auf den Rückweg gemacht.

Auch die 2. Hälfte der Strecke ließ sich toll fahren und so habe ich etwa 20 Kilometer vor Sarajevo nochmal in einem kleinen Dorf angehalten, um an einem Stand etwas zu trinken. Dort habe ich einen älteren Mann getroffen, der danach The Big 1 inspizierte, als wäre er TÜV-Prüfer im Ruhestand. Nach einer gefühlten Ewigkeit nickte er schließlich anerkennend, reckte den Daumen nach oben, spazierte die 3-4 Meter zu mir zurück und murmelte: „Bääemmwää gutt!“

Schon gegen 12 Uhr bin ich dann, fast pünktlich zum Ruf des Muezzins, in Sarajevo angekommen. Bei meinem letzten Stop hatte ich meiner Vermieterin Jasmin geschrieben, wann ich ungefähr eintreffen würde. Und sie erwartete mich schon am Haus und öffnete mir die Schranke zur Zufahrt. Die letzten etwa 500 Meter bis zur Schranke waren allerdings so ein Thema für sich, denn das Haus liegt auf dem Trebevic, dem Hausberg von Sarajevo, auf dem unweit von hier auch Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele 1984 ausgetragen wurden. Und der Weg führt mit 28%! Steigung zum Haus, garniert mit ein paar äußerst engen Kurven, in der man eventuellen Gegenverkehr nicht kommen sieht. Ziemlich tricky, da musste mein dickes Lastenpony richtig ackern. Aber Sarajevo ist, von der Innenstadt mal abgesehen, eben ziemlich hügelig, das wusste ich schon von meinem letzten Aufenthalt. Hier ein paar Fotos meiner derzeitigen Heimat.

Jasmin hat mir dann das Appartement gezeigt. Im Erdgeschoss, mit allem eingerichtet was man benötigt, Parkplatz im Hinterhof direkt unter meinem Balkon/Wintergarten und mit einem schönen Blick über die Stadt. 2 Übernachtungen kosten mich hier 72 Euro, perfekt! Da einige der ehemaligen Veranstaltungsstätten, die Bobbahn und die Skisprungschanzen der Olympiade, quasi hinter dem Haus liegen, habe ich, nachdem ich mich häuslich eingerichtet und in ein paar bequemere Klamotten gestiegen bin, gleich danach noch einen kleinen Abstecher dorthin gemacht und bin über das ziemlich weitläufige und ebenfalls ziemlich steile Gelände spaziert und gekraxelt. Uff, kein Terrain für alte Männer, zumindest an den Sprungschanzen nicht. 🥴 Die alten Sportanlagen, die seit Ende des Jugoslawien-Krieges verfallen, wurden während der Belagerung von Sarajevo von Scharfschützen und Artillerieeinheiten auch als befestigte Stellungen genutzt. Noch heute sind an einigen Stellen Einschusslöcher im Beton sichtbar. Einige Bilder der Anlagen, die heute angesagte Lost Places sind, habe ich auch gemacht, die könnt ihr euch hier ansehen. Zwischenzeitlich zogen da mal mächtig dunkle Wolken vorbei, es blieb aber trocken. Und heiß…

Nachher werde ich noch etwas futtern gehen bzw. fahren. Denn diese Bergbesteigung zum Haus möchte ich mir ungern zu Fuß antun. Diese Kraxelei heute an den Sprungschanzen hat mir gereicht, alles hat seine Grenzen… 😎 Nach dem Futter fassen werde ich dann noch einen kleinen Gang durch die Stadt machen, der größere Stadtrundgang folgt aber morgen. Grüße aus Sarajevo.

Banja Luka zum zweiten

Banja Luka zum zweiten

Gestern Abend habe ich dann in der Stadt noch etwas gegessen, etwas kartoffliges, fleischiges und salatiges. War sehr lecker, allerdings bin ich danach etwas überfressen träge durch die Stadt geschlendert, habe es aber immerhin noch geschafft, wenigstens ein paar Fotos der beleuchteten Kathedrale, der Moschee und des Kastels zu machen. Nach einem kleinen Absacker in einem Lokal unweit meiner Unterkunft habe ich dann aber gegen 22 Uhr beschlossen, dass Liegen wohl die bessere Option wäre und mich deshalb auf den kurzen Heimweg gemacht.

Heute habe ich aber noch einen etwas ausgiebigeren Stadtbummel gemacht und ich muss sagen, Banja Luka hat mir wirklich gut gefallen. Zwar ist die Stadt relativ überschaubar was sehenswertes angeht, dafür aber nicht so überlaufen. Es gibt eine große Auswahl an Geschäften und Gastronomie, tolle Parks in denen ich einige Zeit verbracht habe, nur das Wetter hat nicht ganz gepasst: 32°. Für einen Kaltblüter wie mich eindeutig zu viel. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich vor 10 Tagen noch bei einem mickrigen Grad und Schnee am Felbertauerntunnel in Österreich stand. Naja, jammern zählt nicht, vergangenes Jahr in Kasachstan war es noch viel extremer.

Nikola (Jetzt weiß ich auch den Namen wieder), der Präsi des örtlichen Bikerclubs, in dessen Lokal ich gestern war, ist mir heute auch wieder begegnet. Und ich habe ihm gesagt, dass ich heute Abend für 1-2 Abschlussbierchen nochmals vorbeikommen würde. Er hat mich zwar wieder bequatscht, dass ich bis zum Motorradtreffen am Wochenende bleiben soll, ich habe mich aber heute schon in Sarajevo eingebucht. Aber ein bisschen Unterhaltung am Abend schadet ja nicht. Einige Fotos von gestern Abend und heute könnt ihr euch hier ansehen. Morgen geht es dann weiter nach Sarajevo, hier war ich allerdings schon zweimal, einmal vor und einmal nach dem Krieg. Weshalb eineinhalb Tage Aufenthalt wohl reichen werden, bevor ich dann nach Mostar fahre. Bis dahin, Grüße aus Banja Luka.

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