Von Pamukkale nach Erdemli
Für die Fahrt von Pamukkale zu unserem nächsten Stop in Aspendos hatten wir uns eine schöne Strecke durch das Taurus-Gebirge ausgesucht, durch schöne aber auch sehr abgelegene Dörfer und über mehrere Gebirgspässe. In der Nähe von Aspendos hatten wir uns einen Campingplatz ausgesucht, an dem sind wir allerdings erstmal vorbei gefahren. Denn die Ausschilderung bestand lediglich aus einem roten Smiley auf einem Stein. Rama hatte dann bei dem Besitzer angerufen, allerdings meldete sich niemand. Wir haben uns dann auf die Suche nach einem anderen Platz gemacht und sind fast 20 Kilometer weiter gefahren. Außer diversen Rafting-Camps war allerdings nichts zu finden. Als wir uns schon wieder auf den Rückweg gemacht hatten, meldete sich Tom, der Betreiber des Campingplatzes bei uns, erklärte uns den Weg und schickte auch Fotos. Da haben wir auch wenig später die Zufahrt gefunden, allerdings war der Stein mit dem Smiley halb zugewuchert, weshalb wir auch daran vorbei gepfeffert sind. In der Beschreibung des Platzes stand ‚Die letzten 400 m Schotterpiste‘, allerdings stellten sich diese 400 Meter als über 2 Kilometer und teilweise auch recht anspruchsvoll heraus. Für Motorräder machbar, für Autos ohne Allradantrieb auch wegen steilerer Passagen und ein paar dicken Wackermännern auf dem Weg schon schwieriger.

Am Tor begrüßte uns Tom, gebürtiger Holländer, als wir am späten Nachmittag eintrudelten. Und ich habe ihn direkt mal gefragt, weshalb der Platz so schlecht ausgeschildert ist. Das wäre mir Absicht erwiderte er, er wolle dort keine ‚Pauschaltouristen‘ sondern sich sein seit etwa 5 Jahren erschaffenes Refugium weitestgehend erhalten. Er beherbergt dort überwiegend Jugendliche aus verschiedenen Nationen, die dort eine Art Ferienlager verbringen. Ab und zu ein paar Biker wie wir, ein paar ‚Wiederholungstäter‘ oder Gäste die mehr oder weniger zufällig dort gelandet sind. Im Winter ist er ca. 4 Monate daheim in Holland um etwas Geld zu verdienen, da der Platz nicht genügend abwirft. Wir haben uns am Abend noch lange mit ihm unterhalten, ein teilweise etwas schrullig wirkender Typ, allerdings mit gesunden Ansichten. So dürfen die Jugendlichen z. B. beim gemeinsamen Essen kein Handy benutzen, da die Kids verschiedene Sprachen sprechen ist bei Spieleabenden ausschließlich Konversation auf Englisch erlaubt. Ansonsten unternimmt er mit ihnen Ausflüge, Raftingtouren und ähnliches. Wäre für manche Jugendliche bei uns auch mal das richtige Trainingslager…

Am nächsten Morgen hatten wir dann wieder ein Aha-Erlebnis. Nachdem wir uns verabschiedet hatten sagte Rama zu mir, ich sollte schon mal vorfahren. Und dabei habe ich auf etwa der halben Strecke wohl eine falsche ‚Straße‘ erwischt. Es wurde steiler, es wurde felsiger und ziemlich dicke und vor allem spitze Wackermänner lagen da herum. Mir war klar dass ich mich verfahren hatte, allerdings ging es so steil bergab und war ziemlich eng, das keine Möglichkeit zum wenden bestand. Also Augen zu, irgendwie da hinunter kommen und hoffen, dass es einen Ausweg gibt. Als ich ziemlich unten angekommen war meldete sich Rama per Telefon und fragte wo ich gelandet wäre. Keine Ahnung, mein Navi zeigte nur Niemandsland und keinen Weg oder Straße an. Er hat sich dann auf die Suche gemacht und stand 10 Minuten später oben am Weg. Und weil er nur normale Straßenbereifung aufgezogen hat, kam er erstmal zu Fuß da hinunter gestiefelt. Als wir dann feststellten dass wenden wirklich unmöglich war, hat er sein gelbes Pony dann auch den Weg hinunter gewürgt und war danach ebenso schweißnass wie ich. Adventure eben… 🙄 Danach hat er noch die weitere Wegführung erkundet und festgestellt, dass wir eigentlich wieder bei Tom’s Lager herauskommen müssten. Kamen wir dann auch später, nahmen den richtigen Weg und haben uns dann ein paar Kilometer weiter erstmal an einem Restaurant etwas kaltes zu trinken genehmigt. Immer noch patschnass geschwitzt…

Als wir eine halbe Stunde später Aspendos erreichten, wo u.a. ein altes Amphitheater zu besichtigen ist, war ich immer noch fertig mit der Welt. Zudem brannte uns die Sonne auch schon wieder, trotz der noch frühen Stunde, mächtig auf den Pelz, Ich habe mir nur kurz das Theater angesehen und als Rama dann mit mir noch einen Berg hinauf wollte, um mir dort oben noch weitere Anlagen zu zeigen, habe ich dankend abgelehnt und hatte für den Tag die Schnauze voll von alten Steinen. Und mir statt dessen ein schattiges Plätzchen unter einem Baum gesucht… Rama hat sich noch das volle Programm gegeben und gegen Mittag haben wir uns dann auf den weiteren Weg gemacht. Der führte fast durchgehend an der Küste vorbei, durch mehrere bekannte türkische Urlaubsorte, die mit zumeist ziemlich großen Hotelbunkern zugepflastert sind. Die Geschmäcker sind ja verschieden, allerdings müsste man mir da schon viel Geld bieten, um dort einen Urlaub zu verbringen. Es wurde schon langsam dunkel, als wir noch einen Campingplatz direkt neben einer imposanten Burg fanden. Schnell die Zelte aufgebaut, geduscht und danach noch mit dem 88-jährigen Besitzer des schön gelegenen Platzes, der dazu noch deutsch sprach, länger unterhalten.

Am nächsten Morgen passierte etwas, dass zuvor noch nie geschehen war: Rama war vor mir aufgestanden und ich entdeckte ihn am Strand, von wo er seine Drohne mal über das Areal fliegen ließ. Als er zurückkehrte, zeigte er mir auch den Grund für sein frühes Aufstehen. Er ist wach geworden, weil sich unter seinem Zelt etwas bewegte und er dachte zuerst, es sei eine Schlange. Die Schlange stellte sich dann aber als Schildkröte heraus, die sich wohl ein kuscheliges Plätzchen gesucht hatte. Wenig später trieb der Schwiegersohn des Betreibers dann noch die Ziegenherde der Familie über den Platz, vorbei an unseren Zelten, zum grasen. Camping auf türkisch… 😏 Als wir dann unsere Sachen wieder zusammengepackt hatten, haben wir uns auf die vorerst letzten 170 Kilometer bis nach Erdemli, wo wir 2 Übernachtungen bei Ramas Bruder Isa vereinbart hatten. Dort kamen wir am frühen Nachmittag an, es war heiß, schwül und als wir unsere nötigsten Sachen abgeladen hatten, galt mein erster, zweiter, dritter und vierter Gedanke nur noch der Klimaanlage. Zu einem fünften Gedanken war ich nicht mehr fähig…

Und Rama hatte von seiner Mutter in Kappadokien den Auftrag bekommen, sich gut um seinen Gast zu kümmern. Über die tolle Gastfreundschaft unterwegs hatte ich ja schon geschrieben und auch Rama hat mich umsorgt wie eine Amme. Die Wäsche wurde gewaschen und aufgehängt, Kaffee gekocht, Essen serviert, mein Bett gemacht, ich kam mir schon fast vor wie im Luxushotel. Auch mit seinem Bruder Isa habe ich mich gleich gut verstanden, er fährt übrigens auch Motorrad. Am Donnerstag früh sind wir dann erstmal zu einem der zahlreichen Friseure gefahren. Wir hätten auch zu Fuß hingehen können, hatten aber im Anschluss noch einen Ölwechsel in der Werkstatt von Ali, Isas bestem Kumpel, geplant. Beim Friseur gab es erstmal Cay, anschließend das volle Programm mit Kopfmassage, jedes kleinste überflüssige Haar wurde abgeflämmt, die geschnittenen Haare mit einer kühlendem Mentholschaum eingepappt und was weiß ich nicht noch alles. Zum Abschluss gab es noch ein wenig Smalltalk, einen weiteren Cay und für jeden einen Teller mit kalter Wassermelone. Fehlte eigentlich nur noch die Zigarette danach… 😎


Anschließend sind wir dann zu Ali gefahren, wo es auch erstmal einen türkischen Kaffee gab. Wenig später haben wir dann die Mopeds vor der Werkstatt platziert, ich habe meine Motorschutz demontiert und das Öl abgelassen. Während der Herr Ünlü es vorzog, sich lieber nicht die Finger schmutzig zu machen. Während das Altöl in die Wannen plätscherte wurde dann entschieden, dass ich unbedingt eine lokale Spezialität probieren müsste. Kurzerhand wurde einer der Lehrjungen beauftragt, Futter und etwas zu trinken zu besorgen. Um es kurz zu machen, es hat geschmeckt, der Ölwechsel war erfolgreich und ich war öliger als vorher. Musste dafür aber auch nur das neue Motoröl bezahlen, während der Herr Ünlü auch noch Arbeitskosten berappen musste. Danach haben wir noch eine ganze Zeit zusammen gesessen und geredet, zwischenzeitlich hatten sich noch Isa und ein alter Freund von Rama zu uns gesellt, noch einen Cay und noch einen Cay getrunken und urplötzlich war es fast Nachmittag. Hier in der Türkei läuft eben alles ein bisschen anders ab, in jeder Beziehung. Und offensichtlich stressfreier… Rama muss ja leider schon Ende des Monats wieder daheim in Frankfurt sein, weil er eine neue Wohnung bezieht und noch einiges zu erledigen ist. Ansonsten wären wir mit Sicherheit noch etwas länger in Erdemli geblieben.
In der Zwischenzeit sind wir schon wieder knapp 1200 Kilometer weiter bis nach Hakkari gefahren. wo wir noch etwas durch die Berge fahren wollen. Von Hakkari hatte ich zuvor noch niemals gehört, die Stadt liegt im Grenzgebiet zu Syrien und dem Iran auf etwa 1800 Meter Höhe und galt bis vor 5 Jahren als kurdische PKK-Hochburg. Da hätte sich weder ein Türke und erst recht kein Tourist hierher getraut. Wegen Ramas Zeitdruck müssen wir allerdings buchstäblich etwas Gas geben, dementsprechend gibt es im Moment auch nicht so viele Fotos. Ein paar Bilder der letzten Tage habe ich noch in eine Galerie gepackt, die könnt ihr euch hier ansehen. Von unserer Fahrt nach Hakkari erzähle ich dann im nächsten Beitrag. Das soll es erstmal gewesen sein, Grüße aus der Türkei.












