Über das Marmarameer nach Istanbul
Am Dienstag morgen bin ich gegen 9 Uhr von Iznik am gleichnamigen sehr schönen See abgefahren. Die ersten 30 Kilometer führten immer am See entlang, später dann durch ein Gebirge bis in die Hafenstadt Yalova, wo ich gegen 11 Uhr ankam. Um die Strecke nach Istanbul entscheidend abzukürzen, fahren von Yalova aus Fähren über das Marmarameer zu verschiedenen Orten in Istanbul. Da die Fähre zur Istanbuler Innenstadt erst am späten Nachmittag ablegte, habe ich mir ein Ticket für die Überfahrt nach Pendik, einem Stadtbezirk auf der asiatischen Seite Istanbuls, gebucht und von dort hatte ich noch knappe 25 Kilometer zu fahren. Die Überfahrt dauerte ziemlich genau eine Stunde und die umgerechnet 12 € habe ich gerne investiert, weil ich so fast zweieinhalb Stunden Fahrt gespart habe. Alleine für die letzten 25 Kilometer bis zum Hotel in der Altstadt Sultanahmet habe ich dann nochmal eineinhalb Stunden benötigt. Istanbul eben…


Mit dem Hotel habe ich wirklich Glück gehabt. Obwohl das Haus keine 200 Meter von der imposanten Blauen Moschee und keine 500 Meter von Hagia Sophia und dem Topcapi-Palast entfernt liegt, war es ruhig und kein Tourist kam daran vorbei. Sackgasse heißt das Zauberwort. 😏 Die zudem ziemlich eng war/ist, dort passen keine 2 Autos aneinander vorbei. Gut für mich und The Big 1, Parkplatz gleich vor dem Hoteleingang und die 24 Stunden besetzte Rezeption hatte immer ein Auge drauf. Nach meiner Ankunft bin ich dann nach einer kurzen Dusche gleich mal zu den nachbarschaftlichen Sehenswürdigkeiten spaziert. Während Rama mir am Nachmittag schrieb, dass er gerade in Bulgarien ziemlich nass geworden war. Am ersten Abend habe ich dann meinen Spaziergang in einem der zahlreichen Restaurants der näheren Umgebung ausklingen lassen. Ich hatte mir eigentlich auch vorgenommen, es in diesen zweieinhalb Tagen in der Stadt etwas ruhiger angehen zu lassen, da ich ja im vergangenen Jahr schon 5 Tage mit Frollein A. hier verbracht hatte und die Umgebung mir deshalb nicht unbekannt war. Funktionierte allerdings nur bedingt…

Denn gleich am nächsten Morgen bin ich wieder um das halbe Goldene Horn und etwa 5 Kilometer, immer schön Seaside, bis zur Galatabrücke gewandert. Ein paar Fotos gemacht, ein kleines Gespräch am Fähranleger mit einem älteren türkischen Mann, der mich dort angesprochen hatte und der länger in Mannheim gelebt hat und anschließend wieder Seaside zurück, diesmal allerdings schweißtreibender, denn der Planet brannte und auf der gesamten Strecke gibt es keinen Schatten. Ich weiß, Mimimi… Nach der Rückkehr ins Hotel nochmal kurz geduscht und dann bin ich mit The Big 1 durch den Eurasiatunnel, dessen Einfahrt gleich in Höhe des Hotels beginnt, hinüber nach Fenerbahce in den asiatischen Teil Istanbuls gefahren, um mich nach dem letzten Jahr auch dieses Mal wieder mit meinem Freund Levent Baki zu treffen. Und beim Essen gab es wieder viel zu erzählen. Es waren zwar ’nur‘ ein paar Stunden in Fenerbahce, doch ich habe mich wirklich gefreut, Levent wieder zu treffen. Als Gastgeschenk bekam ich noch ein T-Shirt und ein Basecap von Goldwing Turkiye, wieder etwas für meine Sammlung. Auf dem Rückweg zum Eurasiatunnel haben wir dann unterwegs nochmal angehalten um einen Kaffee zu trinken und wenig später habe ich mich dann wieder auf den Weg zum Hotel gemacht.


Am Abend habe ich mich dann nochmal auf The Big 1 geschwungen und bin über die Galatabrücke hinüber nach Asien gefahren. Für 9 Kilometer fast eine Stunde Fahrzeit, zudem waren in Galatabrücke im Stadtteil Beyoğlu so viele Leute unterwegs, dass ich mich nach ein paar schnellen Fotos am Galataturm schnell wieder aus dem Staub gemacht und wieder nach Europa gefahren bin. Dieses Mal sogar in 20 Minuten, für Istanbuler Verhältnisse eine akzeptable Zeit. Später bin ich dann, nach einem Tipp von Levent, in Sultanahmet noch essen gewesen und danach noch etwas zwischen der momentanen Riesenbaustelle Hagia Sophia und der abends beleuchteten und dann noch imposanter wirkenden Blauen Moschee geschlendert. Und später, bei meiner Rückkehr zum Hotel, habe ich mit dem Nachtportier Hassan noch ein Stündchen beim Tee vor dem Hotel gesessen und über Gott und die Welt gequatscht.

Heute Vormittag gab es dann auch wieder einige Begegnungen. Ich hatte eigentlich nur einen Gang zum und durch den etwa 10 Minuten entfernt liegenden Großen Basar geplant. Meine Bilanz nach knapp 4 Stunden: 5 x wollte man mir einen Teppich verkaufen, 3 x Schmuck und 2 x eine Lederjacke. Auf dem Weg hatte ich noch ein nettes Gespräch mit einem älteren Ladenbesitzer, der mir keine Süßigkeiten verkaufen wollte, dafür aber einen Cay anbot. Ein anderer lobte meinen ‚türkischen Bart‘ 😎 und dann habe ich noch Emre an seinem Teeladen getroffen und der sprach fast perfekt Kölsch. Er hat 22 Jahre in Köln- Gremberg gelebt und er hat mir gleich diverse verschiedene Tees serviert. Nach einer Stunde musste ich mich allerdings loseisen, sonst säße ich wahrscheinlich heute Abend noch bei ihm. Er hat mir zum Abschied noch einige verschiedene Teesorten-Proben als Geschenk mitgegeben und zum Abschied bekam ich zu hören: „Maach er joot Jung un kumm joot widder no Hus.“ 😂 Für Nicht-Kölner: „Mach’s gut Junge und komm gut wieder nach Hause.“
Später dann, auf dem Rückweg zum Hotel habe ich dann unmittelbar an der Hagia Sophia, noch einen kölschen Türken kennengelernt, Alparslan, ehemals aus Köln-Ehrenfeld. „Und du bist mit dem Motorrad durch ganz Anatolien gefahren? Da kenne ich ja nicht mal alles…“ Da habe ich ihm dann mal ein paar Fotos vom Osten gezeigt und ihm erzählt, was für schöne Landschaften und Motorradstrecken es dort gibt. Von ihm gab es dann in seinem kleinen Café noch einen Kaffee und Baklava spendiert. So etwas von zuckersüß, das musste ich mir wirklich runterzwingen… 🥴 Heute Nachmittag habe ich mir dann mal die nächsten Tage meiner Reise zusammengeklöppelt. Ich werde morgen schon ziemlich früh losfahren, um dem morgendlichen Berufsverkehr in Istanbul zu entgehen. Als Abfahrtszeit ist 5.30 Uhr geplant und wenn alles gut geht, laufe ich dann schon spätestens um 9 Uhr in Edirne unweit der bulgarischen Grenze ein. Eigentlich wollte ich hier noch übernachten, wenn ich allerdings so früh bin, sollte die Zeit für einen kleinen Stadtrundgang reichen, um noch am gleichen Tag nach Bulgarien einreisen zu können.

Der weitere Tagesplan hängt dann davon ab, wieviel Zeit ich an der Grenze verbringe. Nächstes Ziel ist dann die bulgarische Hauptstadt Sofia, anschließend will ich noch einen Abstecher zum Motocamp Bulgaria machen, bevor es dann weiter nach Rumänien geht. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, wenig Fotos in Istanbul zu machen. Es sind dann doch wieder ein paar mehr geworden, allerdings hauptsächlich hier aus Sultanahmet. Diese fotografischen Ergüsse gibt es hier. Wem das noch nicht reicht, für den gibt es noch einen Satz Fotos vom vergangenen Jahr in dieser Galerie. Während ich dann gleich noch etwas schnäbeln gehe, dürft ihr dann mal raten, wie oft ich in den vergangenen 3 Tagen den Kontinent gewechselt habe. Ergebnisse gerne in die Kommentare. Grüße aus der Türkei. 👋


















