Pristina
Pristina ist die noch recht junge Hauptstadt des Kosovo, hier leben etwa 230.000 Menschen, wobei im Umland, also im Verwaltungsbezirk, etwa nochmal so viele leben. Schon als ich in Pristina angekommen bin ist mir aufgefallen, dass hier auffallend viele junge Leute leben. Und das Internet sagt mir, dass Pristina auch als die jüngste – nicht auf die Stadt bezogen – Hauptstadt Europas gilt. Und nicht nur das, die Stadt gilt auch als Ort mit einer der besten Espresso- und Kaffee-Kulturen in Europa. Hier bin ich also am richtigen Ort gelandet… ☕
Die gestrige Fahrt von Prizren nach Pristina war ziemlich kurz und ereignislos. Obwohl ich wieder Autobahnen und Schnellstraßen gemieden habe, waren die 80 Kilometer in knapp eineinhalb Stunden zurückgelegt. Erwähnenswert noch ein Erlebnis vom Morgen. Ich saß um 7 Uhr vor dem Hotel und habe mir ein Zigarettchen gequarzt, als mich ein älterer Mann per Zeichensprache ‚ansprach‘ und mir so andeutete, mit ihm einen Kaffee zu trinken. Es war der Nachbar, etwa in meinem Alter, dem der schon etwas in die Jahre gekommenen Tapetenladen neben dem Hotel gehörte. Da er kein Englisch sprach, habe ich dann mal wieder den albanischen Übersetzer bemüht und so haben wir da etwa eine halbe Stunde auf zwei niedrigen Schemeln gesessen. Er fragte einiges und ich antwortete. Ich habe mich dann mit den albanischen Worten bedankt und verabschiedet und er hat mir noch eine gute Reise gewünscht. Das ist wirkliche Gastfreundschaft, die ich auch im vergangenen Jahr und auf der aktuellen Reise mehrfach erlebt habe. Diese kleinen Dinge machen es aus…
Pristina und die nähere Umgebung habe ich mir gestern Nachmittag und heute ausgiebig angesehen und hier in der Hauptstadt herrscht wirklich ein pulsierendes Leben, nicht nur tagsüber. Gestern bin ich dann u.a. noch etwa 20 Kilometer außerhalb der Stadt gefahren, dort gibt es ein von der Organisation Vier Pfoten geführtes Reservat, die ehemals illegal privat gehaltene Braunbären ein neues und vor allem auch recht großes neues Zuhause bietet.


Pristina ist keine touristische Schönheit im eigentlichen Sinn, aber die Stadt lebt und blüht richtig. Es gibt eine Menge wirklich guter Restaurants, Bar’s und Café’s findet man in der ganzen Stadt verteilt und die sind oft schon morgens früh sehr gut besucht. Wer übrigens gedacht hat, im Kosovo wäre die momentan stattfindende Fußball-WM kein Thema – weit gefehlt. In jeder Bar, in jedem Café und jedem Restaurant läuft ununterbrochen der Fernseher und an der zentralen Fußgängerzone ist eine Fanzone mit Riesenleinwand eingerichtet, wo z. B. gestern Abend auch mächtig der Bär gesteppt hat. Obwohl der Kosovo die Qualifikation für die WM knapp verpasst hat. Viele der jungen Leute hier sprechen übrigens nicht nur Englisch, sondern auch Deutsch. Ich bin heute mehrfach auf Deutsch angesprochen worden und musste auch wieder reichlich Auskunft geben, hat aber immer Spaß gemacht, mich mit den Leuten zu unterhalten.


Überall in der Stadt wird gebaut und renoviert. So wird gerade etwa der Platz vor der zentralen christlichen Kirche neu gestaltet, die zweitwichtigste Moschee wird renoviert und diverse Straßen in der Innenstadt sind gesperrt, weil sie neu geteert werden. Dazu entstehen in den Außenbezirken neue moderne Hochhäuser, die hier generell das Stadtbild prägen. Aber es gibt trotzdem einiges zu sehen, wie etwa die Nationalbibliothek, die für ihre etwas martialisch anmutende Optik mit Kuppeln und Metallnetzen bekannt ist. Von weitem sieht sie spektakulär aus, steht man davor, empfindet man sie eher als hässlich. Ich jedenfalls… Das NEWBORN-Monument war gestern meine erste Anlaufstelle, ein Denkmal im Stadtzentrum, das jährlich neu gestaltet wird und die Unabhängigkeit des Landes symbolisiert.


Auf dem Mutter-Teresa-Boulevard gibt es nicht nur zahlreiche ebenfalls gut besuchte Cafés und Restaurants, auch Edelboutiquen und Geschäfte bekannter westlicher Luxusmarken. In den Seitenstraßen findet man dann die üblichen kleinen ‚Markets‘, Bäckereien, Obstläden, aber auch z.B. Filialen von Rossmann und DM. gesäumt wird. Dazu die erst 2023 eröffnete Mall, sie gehört zu den grössten Einkaufszentren Südosteuropas. Im Netz habe ich gelesen, dass dort auf rund 115’000 m² über 200 Geschäfte, Restaurants, Cafés und Freizeiteinrichtungen zu finden sind. Ich habe mir einen Besuch übrigens gekniffen, ich bin schließlich nicht zum Einkaufen hier. 😎 Wer also denkt, der Kosovo besteht nur aus Tradition, Geschichte und alten Häusern, der wird hier in Pristina überrascht werden. Aber der Kontrast zwischen den alten Gassen Pristinas, den historischen Gebäuden und dieser hochmodernen Einkaufswelt, der ist schon gut gelungen. Im übrigen kommt man sich hier vor wie auf einer großen Modenschau. Hauptsächlich die jungen Ladys hier sind alle gestylt, als würde an jeder Ecke ein Fotograf lauern.


Mein Lieblingsobjekt war übrigens im Bild hier drüber der Rohbau der serbisch-orthodoxen Kirche Christus der Erlöser. Die steht am Rande des Universitätsgeländes im Zentrum von Pristina, keine 100 Meter von der Nationalbibliothek entfernt. Gebaut wurde sie in den 1990er Jahren, aber nie fertiggestellt aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Serben und dem Kosovo. Morgen werde ich dann wieder weiterfahren, es geht zurück nach Nordmazedonien. Zuerst Skopje und dann Bitola im Süden werden für jeweils 2 Tage die Ziele sein, bevor ich dann weiter nach Griechenland fahre. Natürlich habe ich auch wieder einen Batzen Fotos in Pristina gemacht, die gibt es hier. Auch unterwegs im Kosovo habe ich häufiger mal angehalten um zu knipsen, davon gibt es auch noch eine kleine Sammlung. Genug gearbeitet für heute, ich mache mir jetzt noch einen schönen Nachmittag/Abend. Grüße aus Pristina.
4 Kommentare zu „Pristina“
@Hans Lurchi macht Urlaub im Kosovo 🤭
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@TRex @Hans Lurchi ist aber nur auf der Durchreise. 😏
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@mitgelesen @Hans
Nimmst Du ihn als Sozius/Sozia mit? 🤔 😎
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@TRex @Hans Der war schnell verschwunden. Aber für das Foto hat er stillgehalten. ☝️
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