Unfall in Tbilisi/Tiflis

Unfall in Tbilisi/Tiflis

Eigentlich war das heute einer eher entspannte Etappe, wenn man mal davon absieht, dass es auf der Strecke von Kutaissi in den Bergen nur 3° C warm war. Da haben wir dann im Nebel und Nieselregen doch kalte Finger bekommen. Aber weiter unten, so ab Gori, der Geburtsstadt von Stalin, kam die Sonne wieder raus und in Richtung Tbilisi/Tiflis wurde es immer wärmer.

In Tbilisi erwarte und dann erstmal ein Mörderverkehr und wie schon mehrmals berichtet, bist du da auf einem Zweirad in Georgien fast vogelfrei. Und es ist genau das passiert, wovor ich auf der Tour den meisten Schiss hatte: Das einer von uns einen Unfall hat. A. hat es leider heute in Tbilisi erwischt, sie wurde knapp 3 km vor dem Hotel von einem noch recht jungen Typen, der meinte sich unbedingt noch zwischen uns quetschen zu müssen, einfach buchstäblich rücksichtslos abgeräumt.

Es gab erstmal diverse Diskussionen zwischen einigen Georgiern, während ich mich um A. gekümmert hab. Ich hab es ja nur im Spiegel mitbekommen, aber sie ist in einem ziemlich blöden Winkel gefallen und hat sich auf jeden Fall dabei verletzt. Sie konnte ihre Schulter nicht richtig bewegen und die linke Rippenseite hat auf jeden Fall auch etwas abbekommen. Wir kennen uns ja schon länger, ich hab sie noch nie weinen sehen, aber heute. Jetzt sind wir schon so viel Kilometer zusammen unterwegs und dann das.

Irgendjemand hat dann in dem Towubahohu auch die Polizei gerufen, die knapp 20 Minuten später bei uns stand. Der Typ der A. zu Sturz gebracht hatte wollte sich wohl zwischenzeitlich davon machen, wurde aber von anderen festgehalten. Die Polizei hat ihn dann zuerst mal mit Bewachung in den Streifenwagen gesetzt, während sein Kollege bei A. und mir war. Der sprach Gott sei Dank soviel Englisch, dass ich ihm zumindest den Unfallhergang erklären konnte und ihn gebeten hab, einen Krankenwagen für A. zu bestellen.

Etwas später hat mir dann ein freundlicher Mann geholfen, die Himalayan von A. mal auf die andere Straßenseite vor einen Laden zu schieben und dort zu parken. Die Frau aus dem Laden zeigte mir direkt per Zeichensprache an, dass sie einen Blick darauf wirft. Ich bin dann wieder hinüber gegangen und 10 Minuten später kam auch der Krankenwagen. Vor der Polizei bekam A. noch einen Zettel (Ich vermute Unfallanzeige oder so etwas, muss ich morgen mal übersetzen lassen) und ich hab mit ihr vereinbart, dass sie anruft wo sie hingebracht wird und ich mich um ihre Maschine und vor allem ihr Gepäck kümmere.

Als der Krankenwagen weg war, hab ich mich dann erstmal mit Hilfe eines Polizisten durch das Autogewirr gequetscht und meine BMW neben dem Moped von A. geparkt. Dort saß die Frau aus dem Laden mittlerweile auf einem Stuhl neben der Himalayan, eigentlich hätte ich lachen können, doch danach war mir überhaupt nicht. Erstmal mussten A.’s Sachen in Sicherheit, aber wie? Ich hab mich dann mit Händen und Füßen und der Übersetzungs-App mit der Frau verständigt, dass ich meine BMW erstmal bei ihr stehen lasse und zuerst mit der Himalayan ins Hotel fahre.

Hab ich dann auch gemacht. Eingecheckt, kurz dem Portier erklärt was passiert ist und gefragt, ob er mir ein Taxi bestellen kann. Konnte er, das kam auch schon relativ schnell und dann bin ich wieder zurück gefahren. Den genauen Standort hatte ich mir in Google Maps markiert. Eine dreiviertel Stunde später sind wir dann im Verkehrschaos doch noch angekommen, obwohl ich schon meine Zweifel hatte. Bei der netten Ladenbesitzerin hab ich mich nochmal herzlich bedankt und wollte ihr auch noch etwas Geld geben. Das hat sie aber ziemlich entrüstet abgelehnt.

Eine weitere dreiviertel Stunde später war ich auch mit der BMW wieder im Hotel, hab abgeladen, Zimmer bezogen und versucht, A. zu erreichen. Keine Chance… Und da fingen die Gedanken an zu tanzen, denn Tbilisi hat einige Krankenhäuser, aber wo hatte man A. hingebracht?? Erstmal im Internet recherchiert aber bei 16 Krankenhäusern in der unmittelbaren Umgebung würde das ewig dauern, bis ich A. finden würde. Eigentlich hab ich ein recht gutes Nervenkostüm, da begannen sie aber etwas zu flattern.

Gegen 15 Uhr Ortszeit (17 Uhr bei euch) hat A. mich dann erlöst. Erstmal bekam ich die Hiobsbotschaft, dass wahrscheinlich etwas gebrochen wäre, sie wäre schon geröntgt worden, müsste aber noch auf den Arzt warten. Der, dem Zufall sei Dank, ausgezeichnet Deutsch spricht, weil er in Dresden Medizin studiert hat. A. hörte sich ziemlich niedergeschlagen an, obwohl ich sie eigentlich als ziemlich toughe Frau kenne. Ich hab ihr dann gesagt, sie soll mir per WhatsApp die Adresse schicken, damit ich zu ihr kommen kann.

Eine halbe Stunde später hab ich mich dann auf den Weg gemacht, nachdem ich vorher noch ihre Versicherungsunterlagen und ein paar Klamotten von ihr rausgekramt habe. Die Klinik ist nicht so weit entfernt vom Hotel, das ist schon mal gut. Noch besser wäre es allerdings, wenn man sie nicht in Anspruch nehmen müsste. Sorry, meine Gedanken gehen gerade mal wieder etwas spazieren. Im Moment könnte ich echt heulen, obwohl das bei mir nicht so oft passiert.

Jetzt sitze ich hier seit einer Stunde vor der Klinik und warte auf eine Nachricht von A. Sie hat zwar zwischendurch mal geschrieben, hat aber immer noch keine Diagnose. Deshalb überbrücke ich die Zeit gerade mit diesem Text und hoffe das Beste. Vor 10 Minuten hab ich auch den Bernd, den Bruder von A., telefonisch erreicht und ihm gesagt was passiert ist. Er bekommt natürlich sobald ich näheres weiß auch die Info. Im Moment stehen wir also alle etwas auf dem Schlauch und können nur warten und hoffen.

Wenn es Neuigkeiten gibt, werde ich Bescheid geben.

Kutaissi/Georgien

Kutaissi/Georgien

Ein Paar Tage haben wir dann in Makhinjauri verbracht, wir konnten mal wieder – dank Waschmaschine – einen Waschtag einlegen und haben während dieser 3 Tage die Zeit überwiegend mit der georgischen Gastfamilie verbracht. Einen halben halbwegs trockenen Tag haben wir genutzt, um mal nach Batumi (Fotos) rüberzufahren. Batumi ist ja als Zockerparadies bekannt und die bei der Anzahl an Spielcasinos wird die Stadt ihrem Ruf auch durchaus gerecht. Über diesen halben Tag war ich persönlich auch schon ganz froh, denn der Opa hatte während dieser Tage sichtlich Spaß, bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Wein zu kredenzen, selbst zum Frühstück! Wie ich ja schon mal erwähnt hatte, bin ich nicht gerade ein Wein-Liebhaber, ein Bierchen wäre mir deutlich lieber gewesen. Aber man möchte seinen Gastgeber ja auch nicht vor den Kopf stoßen…

Nach unserem Aufenthalt in Makhinjauri sind wir dann am Donnerstag nach Kutaissi weiter gefahren, mit ein paar eingeplanten Umwegen eine relativ kurze Etappe von knapp 230 Kilometern. Wir haben uns dort bei Ana, die eine kleine Pension führt, eingemietet. Ich bin im Internet darüber gestolpert und mir hat direkt die große Terrasse des älteren Hauses gefallen. Also bei Ana angerufen, gefragt ob wir die Mopeds in der Hof stellen könnten und Buchung klargemacht. 3 Übernachtungen für 33 Lari pro Person, etwa 11 Euro. Verpflegen werden wir uns dort selbst, in Georgien überhaupt kein Problem, hier hast du zumindest in den Städten an jeder Ecke Geschäfte, Märkte und auch reichlich kleine Buden, wo man sich mit warmem Essen versorgen kann.

Schon gegen 14 Uhr sind wir in Kutaissi (Fotos) eingetroffen und haben erstmal an einer der zahlreichen Buden Halt gemacht und eine kleine Mittagspause eingeschoben. Ein paar Würstchen, gemischter Salat, reichlich Brot, Wasser und Cola, für 2 Personen 12 Lari, etwa 4 Euro. Um 15 Uhr habe ich dann nochmal bei Ana angerufen, die mir danach eine genauere Wegbeschreibung geschickt hat. Mit Google Maps wären wir nämlich auf dem Schulhof der Schule Nr. 12 gelandet, die ein Stück hinter der Pension ist. Und diese kleine Zufahrtsstraße ist bei Maps nicht verzeichnet, aber schlussendlich sind wir dank Ana ja perfekt hingelotst worden.

Motorrad

Als wir ankamen, hatte sie uns schon das Hoftor geöffnet und stand winkend in der Einfahrt und wir konnten die beiden Motorräder im Hof direkt unter den Weinreben abstellen. Zur Begrüßung gab es erstmal kalten Früchtetee mit Eiswürfeln, der – zu meinem Erstaunen – überhaupt nicht schlecht schmeckte. Und der war bei 26° C auch genau richtig zur Abkühlung, denn zumindest ich war unter der dicken Motorradjacke schon etwas am dampfen. Nachdem sie uns unsere Zimmer gezeigt hatte – A. im Erdgeschoss mit Gemeinschaftsterrasse, meins im Obergeschoss mit Balkon, vernahmen wir plötzlich deutsche Töne. Auf der Terrasse hatten es sich nämlich Rainer und Burkhard, beide aus Berlin, haben sich aber hier erst kennengelernt, gemütlich gemacht. Und luden uns gleich mal zum Bierchen ein…

Motorrad

Nachdem uns Ana noch einen Kaffee danach serviert hatte, haben wir dann unsere nötigsten Klamotten ausgepackt, die Zimmer bezogen, geduscht und uns danach wieder zu den beiden Berlinern gesetzt. Nach einem zweiten Bierchen sind wir dann erstmal zur Hauptstraße gegangen und haben ein paar Lebensmittel und Getränke eingekauft. Da Bierchen immer geht, habe ich gleich ein paar Dosen mehr geordert, besser als zu vertrocknen. Nachdem wir zurück waren alles im Kühlschrank der geräumigen Gemeinschaftsküche eingeräumt und uns dann weiter mit Rainer und Burkhard unterhalten.

Burkhard ist Ende 30 und gehört zu den Digital Nomads, die von unterwegs arbeiten. Er übersetzt für eine große deutsche Software-Firma die Computerspiele entwickelt, diese Spiele auf russisch, polnisch und türkisch. Rainer (72), seit 15 Jahren Rentner wegen eines Schlaganfalls, reist seit 10 Jahren immer mal wieder mit dem Rucksack und einer kleinen Reisetasche für 2-3 Monate in der Weltgeschichte herum. Weil er wegen seiner Krankheitsgeschichte immer zwischendurch zu einem Arzt muss, macht er dann wieder für ein paar Wochen einen Zwischenstopp in Berlin. Und wie er uns abends noch erzählte, hat er mittlerweile 89 Länder bereist, das musst du auch erstmal schaffen.

Dazu gab er uns am Abend eine ganze Menge Anekdoten und Erlebnisse zum Besten und wir haben viel gelacht. Und das alles mit dieser berühmten Berliner Kodderschnauze, herrlich! Burkhard ist am nächsten Morgen mit der Bahn weiter nach Tiflis (Tbilisi) gefahren und da dass auch unser nächster Zwischenstopp werden soll, haben wir gleich mal die Telefonnummern ausgetauscht, um uns dort nochmal zu treffen. Rainer ist gestern dann früh um 2 Uhr mit dem Taxi zum Flughafen in Kutaissi gefahren, weil er wieder mal nach Berlin zum Arzt muss.

Wir haben dann gestern noch einen „Spaziergang“ durch Kutaissi gemacht, der am Ende auch wieder – dank Frollein A. – zu einem 7-km-Leistungsmarsch ausgeartet ist. Naja, ich hab es überlebt nur wenn das so weitergeht, dann muss ich bald neue Sohlen unter den Schuhen haben. In der Stadt hat uns übrigens noch ein Georgier angesprochen, der zufällig mit dem Auto an der Straße stand und hörte, dass wir uns auf Deutsch unterhielten. „Woher aus Deutschland kommen sie“ schallte es plötzlich aus dem neben uns stehenden Auto. So haben wir Albert kennengelernt, der in München studiert hat und uns, nachdem wir uns an seinem Auto etwas unterhalten haben, gleich noch auf einen Kaffee eingeladen hat.

Heute saßen wir beim gemeinsamen Frühstück auf der Terrasse mit Yuri aus Russland, Allister aus Schottland und Eva aus Potsdam zusammen, die alle am späten Abend noch angekommen sind. Yuri und Allister reisen noch etwas durch Georgien. Sehr interessant übrigens, mal so die einzelnen Reisegeschichten auszutauschen!

Wir sind nach dem Frühstück mal hoch in die Berge gefahren. Erstes Ziel war das alte Kloster Gelati, dass wegen seiner alten Fresken und Mosaike zu den bedeutendsten Bauwerken georgischer Geschichte gehört zählt auch zum Weltkulturerbe der UNESCO. Weil das Kloster stark vom Verfall bedroht ist, wird es im Moment umfassend saniert und ist von Baugerüsten umgeben. Leider sind auch innen umfangreiche Stützpfosten und Gerüste aufgebaut, so dass man nur einige der Fresken erkennen konnte.

Vom Kloster sind wir dann über eine bis auf ein paar Wellen erstaunlich gute Straße bis nach Tkibuli gefahren und haben leider von dort aus schon erkannt, dass es etwas schwierig würde, unseren Zielort – den Shaori-Stausee auf 1200 Meter Höhe – trocken zu erreichen. Die Passstraße des Nakerala-Passes, wunderschön kurvenreich, lag im dichten Nebel und die Straße vor uns war schon nass. Doch wo Frollein A. hin möchte, da muss ich auch hin. Also Arschbacken zusammen gekniffen und nach einer kleinen Wette, wer zuerst oben ankommen würde, die Kurven trotz Nässe unter die Räder genommen. Das mag ich ja an A. sie jammert nicht, sondern macht!

Ich muss zwar zugeben, dass wir unterwegs doch ein paar brenzlige Situationen überstehen mussten, weil uns zweimal ein Auto in einer Kehre auf unserer Spur entgegen kam, wir einmal plötzlich 5 Kühe auf der Fahrbahn stehen hatten und hurtig mitten durch geflogen sind und ein Wildschwein hat mich nur um Schamhaaresbreite verfehlt, was mir dann doch etwas den Schweiß in die Motorradstiefel getrieben hat. Auf den knapp 12 Kilometern begann es dann noch gut der halben Strecke mächtig an zu regnen und nachdem der Nebel auch immer dichter wurde, bin ich dann nach einer erneuten Kehre mal zügig an Frollein A. vorbei und hab sie etwas abgebremst, bevor sich noch jemand von uns in den Wald gewickelt hätte.

landkarte

Die Wette hab ich dann freiwillig verloren, weil Frollein A. mit ihrem royalen Kleinkraftrad wirklich geglaubt hat, sie könnte mich verblasen! Aber der Kavalier lächelt sich einen und bezahlt heute Abend das Essen. Aber das nur nebenbei… Oben am See war leider, wie schon vermutet, von dem vielgepriesenen Panoramablick nichts, aber auch absolut überhaupt nichts, zu sehen. Selbst unsere Mopeds in etwa 50 Meter Entfernung haben wir im Nebel und Regen bei 12° C kaum noch erkannt. Schade aber nicht zu ändern, wenigstens das Kurvenräubern hat aber uns beiden richtig Laune gemacht.

Für den Rückweg haben wir uns vorsichtshalber mal die Regenklamotten übergezogen, diese aber nach der Passstrasse, auf der wie er dann etwas ruhiger angehen ließen, wieder ausgezogen haben. Denn unten in Tkibuli schien wieder die Sonne und es wurde auch wieder deutlich wärmer. Und als wir eben wieder in der Pension in Kutaissi angekommen sind, hab ich mich bei 25° C gleich wieder ins kurze Höschen gezwängt. Frollein A. übrigens auch, also nicht in meine, sie hat eine eigene Hose.

Als nächstes steht jetzt noch eine Fahrt nach Mestia (Fotos) in Swanetien auf dem Plan, wahrscheinlich mit einer Übernachtung. Denn Maps zeig uns für die knapp 230 km eine Fahrzeit von über 5 Stunden an und ich möchte nur ungern diese strecke auch bei Dunkelheit fahren. Weiter geht es anschließend über Gori (Fotos) für ein paar Tage nach Tiflis (Tbilisi), weil ich unter anderem mit meiner BMW mal in die Werkstatt muss, weil mein ABS mal wieder rumzickt. Ich hab gestern noch mit den Jungs telefoniert und kann auch ohne Termin kurzfristig vorbeikommen. Kundenservice in Georgien! Das soll es mal wieder in aller Kürze gewesen sein. Und während ich diese letzten Zeilen schreibe, ist mein Lieblingsclub wieder in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Das ist doch gleich auf jeden Fall ein Grund für ein Bierchen. Oder zwei…

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Ein neues Land: Georgien

Ein neues Land: Georgien

Vorgestern morgen sind wir um halb 9 losgefahren bei 22°, unterwegs bis 28°, in den Bergen vor Samsun auf 1800m dicke Nebelsuppe bei 4°, angekommen in Samsun bei Regen und 11°. War alles dabei heute, außer Schnee und Glatteis. Wir wurden unterwegs bei einer türkischen Hochzeit an einer Raststätte, an der wir eigentlich nur ein Käffchen trinken wollten, zum Essen einladen und hätten wir uns da nach 2 Stunden nicht losgeeist, wären wir wahrscheinlich erst im dunklen im Hotel angekommen. Wir sind heute von der Polizei knapp 10 km an einer Baustelle vorbei durch eine unbeschilderte Umleitung gelotst worden. Gut, Feldwege und Schotter, aber angekommen. Und anders gab es da nix… Haben sich danach noch mit Handschlag verabschiedet, die beiden.

Und ich hätte bei der Fahrt durch ein kleines Dorf in den Bergen fast eine Kuh wegge-xt. Oder sie mich, wie man es nimmt. Nach 440 km in Samsun am Schwarzen Meer angekommen, reichte die Zeit gerade noch für einen kleinen Stadtrundgang (Fotos), bei dem sich sogar die Sonne wieder blicken ließ. Und später ein gemütliches Abendessen, bevor wir reichlich geschafft ins Bett gefallen sind. Am nächsten Tag dann nochmal die gleiche Strecke bis Trabzon und leider sollte das Wetter da auch nicht entscheidend besser werden. Zumindest warmer Regen, immerhin…

Auf de gesamten etwa 400 km langen Strecke hörte es zwischenzeitlich mal für eine knappe Stunde auf zu regnen. Wasser vom Himmel, mal mehr, mal etwas weniger. Doch wenigstens bei unserer Ankunft in Trabzon zeigte sich zumindest kurz mal die Sonne. Nachdem wir zum Hotel gefahren und uns dort etwas frisch gemacht und umgezogen haben, stand auch hier erstmal unsere Verpflegung auf dem Tagesplan. Auf dem Weg noch ein paar schnelle Fotos gemacht und nach dem Essen noch in der Hotelbar ein Bierchen zusammen getrunken. Quasi als Betthupferl für einen ziemlich feuchten Tag, allerdings war auch für den nächsten Tag war wieder leichter Regen vorhergesagt.

Ziemlich früh haben wir uns dann heute auf die Fahrt von Trabzon nach Makhinjauri, etwa 5 km östlich von Batumi am Schwarzen Meer gelegen, gemacht. Und der leichte Regen… Naja, leicht ist Definitionssache… ES HAT GESCHÜTTET WIE AUS KÜBELN! Das Gute: Die Klamotten sind trocken geblieben. Das Schlechte: Unsere Helme sind von innen nass. Denn die meiste Zeit mussten wir mit offenem Visier fahren, um überhaupt etwas erkennen zu können. Denn zu dem vielen Wasser kam auch noch Nebel, der vom links neben der Küstenstraße liegenden Schwarzen Meer schön die Straße unsichtbar machte. Geschätzte Sichtweite teilweise höchstens 20 Meter, was aber die zahlreichen dort munter – und oft auch ohne Licht – durch die Pampa heizenden LKW dazu ermunterte, oft nur möglichst knapp an uns vorbei zu knöteln und uns wieder eine Ladung Wasser mehr zu verpassen.

Apropos LKW, die sind in der Türkei mit Vorsicht zu genießen! Gestern hatte ich auch so ein Kerlchen hinter mir, A. fuhr vor, ich dahinter, beide so mit 100 km/h. Und hinter mir so ein fahrender Sarg und blinkt wie wild, mit einem knappen Meter Abstand zu mir. Ich hätte ihn berühren können… Dazu muss man bemerken, dass wir alle etwas zu schnell waren, denn eigentlich waren dort nur 70km/h erlaubt. Kümmert aber in der Türkei kaum einen, jedenfalls solange nichts passiert. Und wie sagte schon der Ingo bei Facebook: „Immer so fahren wie die Einheimischen!“

Heute Mittag dann angekommen an der georgischen Grenze und uns erstmal an 15-20 km LKW vorbei geschlängelt. Und um Schlaglöcher, die eher die Bezeichnung Meteoritenkrater verdient hätten. Die türkischen Grenzer waren sehr nett, mit einem habe ich mich noch etwas länger auf Englisch unterhalten, bis sie uns durchgewinkt haben. Tja, und dann kam ein schon ziemlich muffelig wirkender Grenzer aus Georgien auf uns zu spaziert. Ich sage noch zu A.: „Der lässt uns ausräumen.“ Gesagt, getan. Er zeigte nur mit dem Zeigefinger auf unsere Koffer und Tankrucksäcke und dann hieß es ausräumen. Gott sei Dank war es dort überdacht, sonst wären wahrscheinlich unsere Koffer überschwemmt worden. Bis er dann buchstäblich alles mal durchwühlt, aber nichts entscheidendes gefunden hatte, wir wieder eingeräumt und die Passkontrolle passiert hatten, waren dann wieder knapp 2 Stunden vergangen. Ging eigentlich noch, die Lkw-Fahrer verbringen sicher Tage da…

Grenze Türkei Georgien

Angekommen in Georgien sprangen uns erstmal 4 oder 5 Mann entgegen und fragten: „Insurance?“ Die vorgeschriebene georgische Kfz-Versicherung hatte ich allerdings gestern Abend noch in Trabzon in der Türkei online abgeschlossen. Was mir sogar ein Sonderlob von Frollein A. einbrachte, hört, hört! Wir brauchten nur erstmal etwas Bargeld und eine georgische SIM-Karte für unsere Handys. An der allerletzten Verkaufsbude war der Trubel recht übersehbar, also angehalten, abgestiegen und erstmal auf das Erlebnis an der Grenze eine gequarzt. Und dabei Mikhail kennengelernt, ein georgischer Kleinlasterfahrer, der immer zwischen Georgien und England pendelt und monatlich so zwischen 15-18.000 km abreißt. Er sprach uns auf Englisch an wo wir hinfahren würden uns gab uns dann erstmal einen Kaffee aus. Nachdem er uns noch beim Geldwechsel und mit den SIM-Karten half und übersetzte, weil die gute Fee an der Bude nur georgisch und russisch sprach, haben wir uns danach natürlich mit Kaffee und Zigarette revanchiert. Er will jetzt 10 Tage daheim in Tiflis bleiben und gab uns noch seine Adresse, um ihn evtl. noch bei seiner Familie zu besuchen. Wenn es zeitlich hinhaut, werden wir das auch machen.

Nachdem wir uns verabschiedet hatten, lagen eigentlich nur noch gut 25 km vor uns. Allerdings müssen wir uns an den georgischen Verkehr erst noch gewöhnen! Dachten wir vorher noch, dass die Türken relativ schmerzfrei mit Verkehrsregeln umgehen, dann lächelt der gemeine Georgier nur und denkt sich: „Türken? Alles Amateure!“ Junge, hier herrscht ja Kriegsrecht auf der Straße! Und als Zweiradfahrer lebst du hier besonders gefährlich, ich hatte teilweise das Gefühl, die hätten es echt auf uns abgesehen. Da wird sich munter dazwischen gequetscht, gerne auch mal mit Feindberührung, wie meine Koffer zweimal testen durften. 100 Meter vor dir auf der Gegenseite schert einer aus um zu überholen und quetscht dich dabei auf den Standstreifen, auf 8 km dreimal passiert. Licht? Wozu, ist doch nur neblig und am regnen. Blinker? Hab ich so etwas auch? Lasst uns lieber überhaupt nicht über die Verkehrssicherheit mancher Vehikel nachdenken, alleine das was wir auf den paar Kilometern gesehen haben, da kann dir schon Angst und Bange werden. Ein Schweizer würde jetzt sagen: „Sehr speziell!“

Landkarte
Zimmer

Doch kommen wir wieder zu etwas positivem. Wir sind bei unserer Gastfamilie in Makhinjauri, einem im Sommer recht umtriebigen Badeörtchen im Dunstkreis der Zockerstadt Batumi angekommen. Georghe und Lari leben hier mit ihren beiden Kindern und Laris Vater und vermieten ein paar Zimmer. Das Haus liegt wunderschön knappe 150 Meter vom Schwarzen Meer entfernt auf einem Hügel, ganz einfache Zimmer mit Balkon und Bad, nicht mit Mustafapasa in Kappadokien zu vergleichen. Und wäre das Wetter nicht so – sagen wir wie es ist – beschissen, dann könntet ihr auf dem nächsten Foto auch noch ein Schiff erkennen und müsstet es nicht erahnen. Der Opa hat uns gleich mal mit Wein vom eigenen Weinberg empfangen und obwohl ich ja nicht so der Weintrinker- und Kenner bin muss ich sagen: Leckeres Stöffchen! Dachte Frollein A. eben wohl auch, verzichtete nach dem zweiten Glas auf das äußerst schmackhafte von Lari zubereitete Empfangsessen mit georgischen Spezialitäten mit den Worten: “ Ich muss mal eine Stunde schlafen, ich glaube ich bin schon voll.“ Naja, während ich das hier auf dem Handy schreibe, ist sie wieder von den Toten auferstanden und hat auch ihr Fütterchen bekommen. Sie soll ja auch nicht leben wie ein Hund…

Schwarzes Meer
Bad

Heute Abend, wir haben ja euch gegenüber 2 Stunden Vorsprung, hat der Opa schon zur nächsten Weinverkostung getrommelt. Mit Händen und Füßen zur Verständigung, wie so oft vorher. Aber es klappt. Nebenbei bemerkt musste ich mir gerade noch ne App runterladen die georgisch übersetzt, macht deepl nämlich nicht. Ist mir aber auch erst eben aufgefallen. Wenigstens Lari spricht etwas Englisch, so dass zumindest die nötigste Konversation ohne App funktioniert. Mindestens bis Donnerstag, evtl. auch bis Freitag werden wir dann hier bei unserer Gastfamilie bleiben, denn am Freitag wird auch das Wetter wieder entscheidend besser. Ich denke aber, dass wir auch bei Regen hier gut aufgehoben sind. Wieder wie überall ein äußerst freundlicher Empfang, da fühlst du dich trotz Sprachbarriere gleich wohl. Das soll es wieder in aller Kürze gewesen sein. mehr Fotos gibt’s wegen des Wetters der vergangenen Tage keine. Wer fotografiert denn schon bei Regen? Ihr habt Ideen…

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