Über die Grenze nach Bosnien und Herzegowina

Über die Grenze nach Bosnien und Herzegowina

Heute morgen bin ich um kurz vor 8 Uhr losgefahren. Die Entfernung vom Campingplatz zur Kaverne Željava betrug nur knapp 13 Kilometer und schon 25 Minuten später stand ich an der alten Mc Donald Douglas und traute meinen Augen nicht: Ein Betrieb wie zu besten Zeiten der Kölner Hohe Straße! 😳 Also habe ich erstmal an der kleinen Bude noch einen Kaffee geordert und mich dort hingesetzt. Keine 5 Minuten später sprach mich jemand an, der Gustl aus Rosenheim. Er ist/war mit seiner Moto Guzzi in Kroatien unterwegs und jetzt quasi auf dem Heimweg. Eine halbe Stunde haben wir dann zusammen gesessen und gequatscht. Und als sich die allgemeine Lage wieder entspannt hatte, haben wir erstmal Fotos gemacht und uns in der alten Luftkutsche umgesehen. Naja, viel ist nicht mehr drin.

Danach sind wir dann gemeinsam noch etwa 2,5 Kilometer zum Eingang der Kaverne gefahren und da dort auch noch mächtig Betrieb war, sind wir mal bis zum Ende der davor liegenden Start- und Landebahn und wieder zurück gefahren. Also sich auch dort der Betrieb wieder etwas beruhigt hatte, noch Fotos vor der Kaverne gemacht und dann sind wir noch etwa 500 Meter in den stockdunklen Betonbunker hinein gefahren. Der Gustl, genauso ein alter Knacker wie ich, ist dann weiter nach Rijeka abgerauscht.

Die Kaverne Željava ist im übrigen eine riesige unterirdische Flugzeugkaverne direkt an der bosnisch-kroatischen Grenze bei Bihać. Sie wurde in den Jahren 1957–1970 von Ex-Jugoslawien gebaut und danach als ‚Objekat 505‘ von der jugoslawischen Armee genutzt. Sie war Europas größte militärische Flugzeugkaverne, ausgelegt für bis zu 80 MiG-21-Kampfflugzeuge und bis zu 110 Piloten und 1400 Soldaten konnten dort stationiert werden. Zum Schutz des ehemalig als atombombensicheren Objekts war außerhalb der Kaverne eine Garnison mit 5000 Soldaten ständig stationiert. Ursprünglich umfasste das Tunnelsystem 3 Kilometer Länge mit 5 Startbahnen vor dem Berg und 4 Vorstollen führten zu den unterirdischen Hangars.

Bei der Auflösung der Jugoslawischen Volksarmee 1991 wurde die Kaverne mit 56 Tonnen!! Sprengstoff unbrauchbar gemacht. Einzelne Außenbereiche sind noch stark vermint, noch bestehende Teile der Anlage können aber auf geführten Touren besichtigt werden. Darauf habe ich allerdings verzichtet, denn darin ist es wie schon erwähnt dunkler als im Bärenarsch und es riecht auch nicht so angenehm. Ich bin nur ca. 500 Meter hinein gefahren, das hat mir vollkommen gereicht. Die alte Douglas C-47, die über und über mit Aufklebern verziert ist, ist jetzt auch mit einem von mir bekleistert. 😏 Einige Bilder habe ich natürlich auch noch gemacht, die könnt ihr euch hier ansehen.

Ich bin dann etwa 10 Kilometer weiter bis zur kroatisch-bosnischen Grenze gefahren. Ging ziemlich easy, 10 Minuten Wartezeit, Reisepass und Mopedpapiere gezeigt, erledigt. An einer Tankstelle in Bihać noch eine bosnische SIM-Karte und am davor platzierten ATM nochn bisschen Geld in Landeswährung besorgt und von dort aus bin ich dann gleich nördlich in die Dinarischen Alpen gefahren. Ich hatte mir vorher eine Strecke über zumeist unbefestigte Wege zusammengestellt und bin auch unterwegs nur durch einige wirklich abgelegene Mini-Dörfer gekommen. Allerdings habe ich auch einige einsam liegende Häuser oder Gehöfte passiert, Spuren des Krieges in den 90ern. In einem dieser Dörfer habe ich mir noch etwas zu trinken und zu essen besorgt, heute wird die Küche allerdings kalt bleiben. Und meinen Wassersack habe ich mir auch vollmachen lassen.

Die ausgesuchte Strecke, meist ähnlich einem leicht schottrigen Feldweg, ließ sich auch prima fahren und war nicht zu anspruchsvoll. Zweimal habe ich mich allerdings auf dem Weg ins Tal in einem Nationalpark etwas verfranst. Da lagen dann doch zu viele Bäume im Weg. 🥴 Unterwegs in einem dieser Wälder habe ich dann auch noch 2 Friedhöfe, weit ab jeglicher Ansiedlung passiert. Ich habe mich auf einem etwas umgesehen, ausnahmslos Männer zwischen 20 und 40 Jahren, gestorben in den 90ern. Fotos habe ich dort keine gemacht, aber nachdenklich wird man da schon. Vor allem würde mich interessieren, weshalb diese Grabstätten so versteckt liegen…

Gegen 15 Uhr habe ich von dem Waldweg den ich fuhr in einem grünen Tal ein Haus entdeckt und bin da einfach mal hingefahren um zu sehen, ob dort noch jemand wohnte. 100 Meter vor dem Haus lief ein Bach entlang und da habe ich The Big 1 erstmal stehen lassen. Denn das kleine, altersschwache Brücklein das über den Bach zum Haus führte, sah jetzt nicht gerade vertrauenerweckend aus. Naja, zumindest mich hat es ausgehalten, auch schon eine Leistung. 😎 Ein Mann, ich schätzte ihn so um die 80, saß vor der Tür und rauchte Pfeife. Er hat mich gleich mal mit einem unverständlichen Wortschwall empfangen, doch da er zwischendurch auch lächelte, habe ich es so gedeutet, dass ich mich nicht gleich wieder vom Acker machen sollte. Eigentlich wollte ich ihn nur fragen, ob ich hier irgendwo mein Zelt aufschlagen dürfte.

Nachdem er mir dann noch einiges ‚erzählte‘, von dem ich allerdings wieder nichts verstand, stand er auf einmal auf und ging ins Haus. Ich wartete eine Minute und wollte gerade umdrehen und wieder zum Motorrad gehen, als er plötzlich wieder heraus kam und mir einen Kalender von 2027 vor die Nase hielt. Er blätterte vor meinen Augen die Monate durch, ausnahmslos Portraits von Marschall Tito. 😂 Hat er mir sogar noch für ein Foto präsentiert. Vielleicht hatte er hier im Wald nur noch nicht mitbekommen, dass Tito schon ein paar Jahrzehnte tot ist? 🤔

Naja, ich habe ihm jedenfalls danach mal ein paar Fotos von The Big 1 und meinem Zelt auf dem Handy gezeigt und dann in Richtung des Bachlaufs gezeigt und versucht ihn zu fragen, ob ich ein Stückchen weiter weg vom Haus zelten dürfte. Er zeigte dann auch in die Richtung und dem zweifachen ‚Da Da Da‘ entnahm ich nicht etwa einen Musiktitel der Neuen Deutschen Welle, sondern seine Zustimmung. Ich habe mich dann mit Handschlag verabschiedet, ich bekam wieder einen Wortschwall zum Abschied und dachte so bei mir: Na wenn das mal gut geht ..

Ich bin dann noch etwas den Waldweg abwärts gefahren und dann über eine Wiese bis unmittelbar an den Bach. Zelt aufgebaut, 2 Dosen Karlowacko zur Kühlung in den Bach gelegt und jetzt schreibe ich das hier. Nachher noch bisschen futtern, die 2 Dosen leeren und mich dann irgendwann heute Abend in meine Dackelhütte verpieseln. Und hoffen, dass der Alte nicht auf einmal mit der Mistgabel neben mir steht… 😏 Morgen erfährt ihr dann, ob ich überlebt habe. Wenn ja, dann fahre ich morgen früh noch knapp 35 Kilometer nach Banja Luka, dort wieder mit fester Unterkunft. Bis dahin – Grüße aus Bosnien und Herzegowina.

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