Über Van-See, Dogubeyazit, Erzincan nach Kappadokien
Am Abend vor unsere Abfahrt aus Hakkari wurden wir noch von einer tschechisch/türkischen Gruppe Bergwanderer zum gemeinsamen Abendessen eingeladen und anschließend haben wir den Abend dann in der gemütlichen Runde bei Tee und Gesprächen ausklingen lassen. Wir hatten beschlossen, einen ‚kleinen‘ Umweg zu machen und sind dann am Van-See, dem größten See der Türkei vorbei bis ins Grenzgebiet zu Armenien und des Iran nach Dogubeyazit, in Sichtweite des Ararat, des höchsten Berges des Landes, gefahren. Die Strecke führte wieder wie zuvor durch teils wirklich traumhaft schöne Gebirgslandschaften, tolle Straßen, über 2000 Meter hohe Pässe, alles dabei was das Bikerherz begehrt. Bei unserer Ankunft in Dogubeyazit haben wir uns am späten Nachmittag noch den schön gelegenen İshak Paşa Sarayı angesehen, der nahe der Stadt auf einem Berg nahe der Grenze zum Irak thront, bevor wir zu einem Hostel/Autocamp mit toller Sicht auf den Ararat etwas außerhalb der Stadt gefahren sind. Dort haben wir uns dann ein Doppelzimmer genommen und uns den Zeltaufbau erspart. Kurz danach haben wir Ute kennengelernt, die mit ihren 2 Jungs im Sprinter die Türkei bereist. Nachdem wir in einem Lokal in der Nähe gegessen hatten, haben wir 3 dann danach noch den Abend gemeinsam verbracht.



Rama hatte noch vor dem Frühstück am nächsten Morgen, zu dem wir von Ute eingeladen waren, noch einen Flug mit der Drohne unternommen, um den Burgkomplex aus der Luft zu filmen. Und durfte danach seine Drohne suchen gehen. Denn da hatten scheinbar die Soldaten im Grenzgebiet etwas gegen, kurzerhand die Steuerung übernommen und die Drohne gelandet. Gott sei Dank war die Kamera noch an, so dass er zumindest ungefähr lokalisieren konnte, wo das Ding zu Boden gegangen war. Nach einer halben Stunde, in der er sich mit dem Motorrad auf die Suche gemacht hatte, kam er mit Puls 180 wieder zurück. Im Hof eines Hauses war er fündig geworden, alles unversehrt, Rama happy. Und zumindest ein paar tolle Aufnahmen waren auch gelungen. Nach dem Frühstück haben wir uns dann auf die nächste weitere Etappe auf dem Weg nach Kappadokien gemacht, 500 Kilometer waren das Tagesziel, weil mit Sicherheit auch wieder einige Fotostopps anstanden. Erzincan sollte das Tagesziel heißen, eine Stadt von der ich, wie einige andere auch in Anatolien, noch nie zuvor gehört hatte.

Wir hatten in den Tagen zuvor einige Kontrollstationen im Grenzgebiet zu Syrien, Irak, Iran und Armenien passiert, in den allermeisten Fällen wurden wir durchgewunken, ab und zu mal ein kurzer Smalltalk. Bei der 2. Kontrollstelle dieses Tages sollten wir nach einer kurzen Passkontrolle rechts ranfahren und die Motorräder abstellen. Ich fragte Rama ob es Schwierigkeiten gäbe, doch genau das Gegenteil war der Fall. Wir bekamen Wasser und Tee angeboten und wir sollten uns 10 Minuten ausruhen, weil Motorrad fahren anstrengend wäre. Der wachhabende Offizier unterhielt sich länger mit Rama und der übersetzte mir dann, was er gesagt hatte. Touristen die mit Auto oder Motorrad in der Türkei unterwegs wären, seien Gäste des Landes. Und man müsse dafür sorgen, dass es ihnen/uns gut gehe. Wir wurden dann freundlich mit Handschlag verabschiedet und auch im weiteren Verlauf des Tages bekamen wir noch eine Einladung. 50 Kilometer vor unserem Tagesziel Erzincan wurden wir an einer Tankstelle von einem türkischen Ehepaar auch zum Tee eingeladen und unterwegs gab es den Tag über auch wieder das ein oder andere Gespräch. Und mein persönliches Highlight war diese Tagestour von knapp über 500 Kilometern. die über fast die gesamte Strecke auf Höhen zwischen 1600 und 2400 Metern sehr kurvenreich durch eine tolle Gebirgslandschaft führte. Mir war völlig neu, dass Anatolien so tolle Strecken und auch überwiegend gute und gut ausgebaute Straßen hat!


Gegen 18.30 Uhr sind wir in Erzincan am Hotel angekommen, haben die Motorräder vor der Tür geparkt, die nötigsten Sachen mit aufs Zimmer genommen, kurz geduscht und danach noch einen kleinen abendlichen Stadtbummel gemacht. Und ich habe mir noch ein Bierchen als Schlummertrunk gegönnt, bevor es dann wieder zum Hotel ging. Am nächsten Tag standen dann nochmal gute 550 Kilometer auf dem Erfüllungsplan, Kappadokien war das Ziel, die Heimat von Rama. Unterwegs haben wir nur ein paar kurze Pausen gemacht, in Sivas einen kurzen Abstecher gemacht um uns die dortige Knickbrücke mal anzusehen und sind von dort aus erstmal nach Kayseri gefahren um Abdullah, einem Freund von Rama der auch in Frankfurt lebt und gerade Urlaub in der Heimat macht, noch einen kurzen Besuch abzustatten. Und danach haben wir dann die restlichen knapp 100 Kilometer unter die Reifen genommen und sind am späten Nachmittag bei Ramas Mutter in Sarilar, im nordwestlichen Kappadokien gelegen, angekommen. Auch die Strecke dieses Tages verlief wieder in weiten Teilen durch die Berge, gleich zu Beginn hinter Erzincan 2 Pässe über knapp 2200 Meter, auf denen sich The Big 1 und das gelbe Post-Moped wieder so richtig austoben konnten, traumhaft! Alleine wegen der tollen Strecken bin ich in den Tagen zum Anatolien-Fan mutiert. 👍




Wie sollte es auch anders sei, wurden wir bei Ramas Mama, einer sehr sympathischen Frau, mit der ich mich auch auf Deutsch unterhalten kann, erstmal ausgiebig beköstigt. Nach dem Essen war dann mal wieder Waschtag angesagt, von Rama befohlen und ausgeführt. Sogar meine Wäsche hat er anschließend aufgehängt und ich frage mich wirklich, wie ich in den letzten Reisewochen alleine klar kommen soll. Überhaupt Rama, er hat mir zu wirklich jeder Region und jeder Stadt wo wir waren etwas erzählt, Besonderheiten, Sehenswürdigkeiten, regionale Spezialitäten und, und, und… Einen besseren Landesführer hätte man sich nicht wünschen können. Dazu hat er bei vielen Unterhaltungen übersetzt, was natürlich vieles für mich einfacher machte, als erst umständlich mit einer Übersetzungs-App hantieren zu müssen. Die Gastfreundschaft in der Türkei ist ja bekannt, auch die habe ich in seinem Elternhaus in Kappadokien bei seiner Mutter und bei seinem Bruder Isa erfahren, wofür ich mich noch mal bei allen aufrichtig und ganz herzlich bedanken möchte.




Da ich ja im vergangenen Jahr schon mit Frollein A. auf dem Weg in die Mongolei Kappadokien besucht habe, haben wir uns gestern nur auf eine Besichtigung einer der größten und tiefsten unterirdischen Städte der Welt in Derinkuju verständigt. Sie liegt bis zu 85 Meter unter der Erde und es sind 8 Ebenen für Besucher zugänglich. Der gesamte Komplex erstreckt sich wahrscheinlich über 12 bis 18 Ebenen, ist wegen Einsturzgefahr aber nicht vollständig erschlossen. Schätzungen zufolge konnten hier bis zu 20000 Menschen leben. Es war schon eine kleine Kletterpartie durch die sehr schmalen und oft nur 1,40 Meter hohen Gänge, durch die in den meisten Fällen nur eine Person passt. Ich musste beim Aufstieg beispielweise fast 15 Minuten unten warten, weil ununterbrochen Menschen nach unten strömten. Für Menschen mit Klaustrophobie eher nicht zu empfehlen, aber sehr interessant. Und zudem eine mordsmäßige Leistung, so etwas vor hunderten von Jahren ohne technische Hilfsmittel ins Gestein zu buddeln. Ein paar Fotos der unterirdischen Stadt und dem Dorf darüber gibt es hier, wer mehr Fotos aus Kappadokien sehen möchte, der kann sich ja mal hier und hier umsehen, da gibt es Fotos vom vergangenen Jahr. Und es gibt noch mehr Fotos, ich habe mal eine Auswahl von Bildchen in eine Galerie gepackt, die unterwegs entstanden sind, die gibt es hier.

Den heutigen Tag werden wir noch bei Ramas Mama zusammen verbringen, doch morgen werden sich unsere Wege wieder trennen. Rama wird auf dem kürzesten Weg zurück nach Frankfurt fahren, weil er am Monatsende umzieht. Das werden wohl 3 stramme Tagesetappen für ihn und ihr dürft mit mir alle mal die Däumchen drücken, dass er gesund und munter und eventuell auch trocken wieder daheim ankommt. Ich fahre morgen zuerst mal nach Ankara, die Hauptstadt von der man sagt, dass das schönste an ihr die Autobahn nach Istanbul wäre. Aber vielleicht entdecke ich ja doch etwas schönes… Der weitere Weg ist aktuell über Bursa nach Istanbul geplant und dann sehen wir weiter. So, damit seid ihr wieder auf dem aktuellen Stand, Grüße aus der Türkei. 👋