Von Gjirokaster zum Ohridsee
In Gjirokaster habe ich abends und am Samstagmorgen noch eine kleine Besichtigungsrunde gemacht, immer genau richtig nach und vor dem großen Touristenstrom, der dort täglich mit Reisebussen angekarrt wird und durch die engen Gassen strömt. Gjirokaster oder auch Gjirokastra ist eine historische Stadt im Süden Albaniens. Sie ist als „Stadt der Steine“ bekannt und gehört aufgrund ihrer außergewöhnlichen osmanischen Architektur seit 2005 zum UNESCO-Welterbe. Überragt wird die Stadt von einer imposanten Festung aus dem 12. Jahrhundert, sehenswert sind aber auch einige osmanische Herrenhäuser. Etwas außerhalb der Stadt liegt in einem Tal die Ali-Pascha-Brücke, die ich mir auch von unten und oben angesehen habe. Und mein Highlight war ein giftgrüner alter Mercedes, der zu einem etwas ungewöhnlichen Cabrio umgebaut wurde, über den sich sicher jeder deutsche TÜV-Ingenieur freuen würde. Den findet ihr auch auf den Bildern aus der Stadt.
Gegen 10 Uhr habe ich mich dann auf den Weg zum Ohridsee im Osten Albaniens, an der Grenze zu Nordmazedonien, gemacht. Zuerst einmal bin ich ganz in den Süden des Landes, bis an die griechische Grenze gefahren, wo ich dann auch einige Male die ’normalen‘ Straßen verlassen habe und mir einen Weg ‚durch die Büsche‘ gesucht habe. In Albanien sieht es nämlich häufig so aus, dass die Verbindungsstraßen zwischen größeren Ortschaften asphaltiert sind, die Abzweige zu den kleinen Dörfern aber zumeist nur aus Feldwegen oder Schotterpisten bestehen. Und da war es unterwegs gar nicht so einfach, sich mal etwas zu trinken zu besorgen. Auch Tankstellen sind dort eher weitläufig verteilt und ich wundere mich immer, wie die Bewohner dieser Dörfer auch an Benzin oder Diesel kommen, um Fahrzeuge und Traktoren zu betanken.


In einem kleinen Ort am Ufer eines abgelegenen kleinen Sees, der noch nicht einmal bei Google Maps verzeichnet ist, saßen 2 Männer vor einem Haus und tranken Kaffee. Ich hätte es jetzt nicht unbedingt für einen Laden gehalten, trotzdem habe ich mal dort angehalten und mich zu den Männern gesetzt. Eine ältere Frau kam heraus, musterte meine Motorradjacke und sagte zu meinem Erstaunen auf Englisch: „To hot today!“ Ich nickte, und sie stellte mir ohne ein weiteres Wort ein Glas kaltes Wasser hin und ich bestellte noch einen Espresso bei ihr. Und während ich so da sitze kommt ein weiterer Mann vorbei, der einen Korb mit frischem Fisch, offenbar für das Restaurant, trägt. Er grinste mich an: „You take fish? Good for moto-driver.“ Ich überlegte kurz, wieso hier in der Pampa alle Englisch sprechen und wie genau Fisch gut für Motorradfahrer sein soll. Lehne dann aber höflich ab und bleibe bei der sicheren Variante Espresso.
Als ich später weitergefahren bin habe ich noch eine ganze Zeit überlegt, wie die Leute in dem wirklich ziemlich abgelegenen Dorf an ihre Sprachkenntnisse gelangt sind. Da war kein Tourismus erkennbar, nichts was auf Fremde hingewiesen hätte. Naja egal.. Der Espresso hat mich übrigens umgerechnet 20 Cent gekostet, in größeren Städten kostet er meist einen €. Am frühen Nachmittag bin ich dann am Südufer des Ohridsees, in Pogradec, angekommen. Auch hier habe ich mich wieder in einem noch relativ neuen Autocamp direkt am See eingemietet. Es war nicht viel los dort, der Fremdenverkehr in Albanien ist noch sehr nur auf die Küste ausgelegt. Gut für mich… Allerdings wird es nicht mehr lange dauern, bis auch hier an diesem wunderschön gelegenen See der Tourismus ausbricht. Die Grundlagen werden gerade gelegt, so ist gerade auf etwa 120 Kilometer Länge die Hauptstraße südlich und westlich des Sees in Teilen neu durch die Berge gesprengt und komplett neu asphaltiert worden. Es ist also nur eine Frage der Zeit…


Im Anschluss gibt verschiedene noch ein paar Fotos von unterwegs. Auch bei Instagram habe ich noch ein paar Fotos der Fahrt hochgeladen. In der Zwischenzeit bin ich ja schon auf der mazedonischen Seite des Ohridsees angelangt, darüber berichte ich dann im nächsten Beitrag.




