Angekommen in der Türkei

Angekommen in der Türkei

Nach einer nächtlichen Fährfahrt von Piräus aus kamen wir gegen halb 5 am Morgen auf der Insel Chios an. Und das ziemlich gerädert, weil ein ganzes Geschwader von Hunden sich gegenseitig anbellte und das quasi im Minutentakt. Also haben wir uns im Hafen von Chios erstmal einen Kaffee als Muntermacher reingezogen und danach auf unsere weitere Fähre von Chios bis nach Cesme in der Türkei gewartet. Die sollte um 9 Uhr abfahren, doch weil die Zollabfertigung dort etwas chaotisch ablief, kamen wir fast auf den letzten Drücker aufs Boot. Eine gute Stunde dauerte die Fahrt, doch der richtige Stresstest sollte erst noch folgen. Wir parkten unsere Motorräder vor dem türkischen Zollgebäude, nahmen unsere Papiere mit und stellten uns brav in der Reihe an. Und mit einem Blick auf meine grüne Versicherungskarte fielen mir beinah die Schuppen aus den Haaren.

Denn darauf war das ‚TR‘ für Türkei durchgekreuzt. Kleiner Gag am Rande: Mit dieser Versicherungskarte bin ich im vergangenen Jahr auf der Mongolei-Tour auch durch die Türkei gefahren, auch die Stempel für Ein- und Ausreise sind noch im Reisepass. Rama meinte dann, eventuell hätte ich Glück und die türkischen Zöllner würden wieder etwas nachlässig kontrollieren. Hat nicht geklappt, das kann man schon vorweg nehmen. Zudem war Samstag und in Cesme gibt es kein Versicherungsbüro wie an den meisten Landgrenzen. Mein Glück, dass ich einen türkischen Freund dabei habe, denn Rama musste mir da aus der Patsche helfen. Nach einigen Telefonaten u.a. mit seinem Bruder bekamen er dann einen Menschen an die Strippe, der diese Versicherungen normalerweise an der bulgarisch/türkischen Grenze ausstellt. Kopie der Fahrzeugpapiere und Reisepass-Nr. per WhatsApp gesendet, Geld musste Ramas Bruder Isa überweisen und eine gute halbe Stunde später kam der Beleg per E-Mail. Schwein gehabt und Wohl dem, der sich auf seine Freunde verlassen kann. 👍

Unser erstes Ziel war Ephesus (Efes), eine der größten und besterhaltenen antiken Ruinenstädte der Welt. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Stadt liegt etwa 80 km südlich von Izmir. Alte Mauern sind ja nicht jedermanns Sache aber in Ephesus hat man teilweise wirklich das Gefühl, durch eine Stadt zu spazieren, weil Straße, Wege und teilweise auch Bauwerke noch erhalten sind. So braucht man sich nicht erst mühsam vorzustellen wie etwa in Olympia in Griechenland, wie ein Gebäude ausgesehen haben könnte. Ich muss aber gestehen, dass ich mir nicht alles angesehen habe, denn der Planet brannte wieder mit voller Kraft von oben. Rama hat sich die volle Dröhnung gegeben, während ich mir da lieber ein schattiges Plätzchen gesucht habe. Aber das was ich gesehen habe, kann man schon als imposant bezeichnen. Den weniger geschichtsinteressierten die schon mal die Türkei besucht haben, dürfte Ephesus trotzdem ein Begriff sein. Denn dort wird auch das bekannteste türkische Bier gebraut, Efes.

Doch nochmal kurz zurück zu den alten Mauern. Ephesus beherbergte einst auch die Bibliothek des Celsus, ehemals eine der größten Wissensspeicher der Antike. Auch imposant ist das große Amphitheater, wo bis zu 25.000 Zuschauer Platz fanden. Teilweise noch gut erhaltene Wohnhäuser der römischen Elite mit Mosaiken und Fresken. Vom Artemistempel, eines der sieben Weltwunder der Antike, sind allerdings nur noch ein paar Säulenreste übrig. Mein persönliches Highlight waren die römischen Toiletten (nachfolgende Fotos). Damals saß man beim codieren noch ganz ungezwungen nebeneinander und konnte ein Schwätzchen halten, während das kleine oder große Geschäft in einem darunter fließenden kleinen Kanal weggespült wurde. Gut, damals gab es auch noch keine Handys… 😏

Fotos aus Ephesus gibt es hier . Nach Ephesus sind wir zum Pamukkale-Nationalpark gefahren. Am späten Nachmittag kamen wir dort an und sahen schon von weitem, dass es dort brannte. In diesen südlichen Regionen gibt es ja leider fast jährlich Waldbrände, in Pamukkale war der Brand dank mehrerer Hubschrauber und eines Löschflugzeugs am späten Abend unter Kontrolle. Wir hatten uns ganz in der Nähe ein kleines Hotel ausgesucht und Rama wollte unbedingt, dass wir die Besichtigung noch am Abend machten, um gleich am nächsten Morgen weiterfahren zu können. Etwas widerwillig habe ich zugestimmt und gefragt, ob er noch alle Latten am Zaun hat. Morgens den halben Tag bei brütender Hitze durch Ephesus, den halben Tag bei brütender Hitze auf dem Motorrad und abends um halb 7! noch eine Wanderung bei nicht wesentlich gesunkenen Temperaturen. Naja, wir sind dann bis zu einem der Eingänge gefahren und ich bin etwas demotiviert hinter Rama her gestiefelt. Und habe innerlich gejubelt, als wir am Tor ankamen und niemand mehr hinein gelassen wurde.

Doch so einfach lässt sich ein motivierter türkischer Mitbürger nicht abwimmeln. Am Südeingang könnten wir noch hinein, meinte einer der Wächter und zumindest könnten wir zu diesem Eingang hochfahren und uns die Kletterpartie über die weißen Felsen und etwa 200 Meter Höhenunterschied sparen. Wenigstens etwas… Während Rama sich auf dem Gelände ausgetobt hat, habe ich mich auf die Felsen mit ihren weißen Travertinterrassen und den Thermalquellen konzentriert. Und zumindest gab es dort später noch einen schönen Sonnenuntergang zu sehen. Gegen 22 Uhr kamen wir wieder im Hotel an, während um uns herum immer noch dutzende Feuerwehrfahrzeuge umher rasten. Wir haben uns dann noch etwas zu essen bestellt und kamen dort auch noch mit dem Wirt ins Gespräch. Etwa 10 Minuten nachdem wir mit dem Essen fertig waren, kam der noch einmal mit einem Teller zurück, auf dem etwas gegrilltes lag und bot uns und ein paar Usbeken am Nebentisch das an. Während ich mein Stück relativ schnell verputzt hatte, hatte Rama abgebissen und fragte mich, was das gewesen sei. Ich antwortete ihm, dass ich in Spanien mal Bulleneier gegessen hätte, die hätten so ähnlich geschmeckt. Der Wirt nickte und meinte: „Kein Bulle, Schafbock.“ Die Gesichtsfarbe meines türkischen Freundes wechselte rasant die Farbe, während er hastig mit einem Glas Wasser nachspülte und ich mich köstlich amüsierte. Ich habe dann noch bemerkt, dass das wohl Allahs Strafe war, dass er mich an diesem Tag so durch die Botanik getrieben hat…

Von unserem nächsten Stop in Aspendos und der Weiterfahrt zu Ramas Bruder erzähle ich euch dann im nächsten Beitrag, bevor das hier wieder ein Roman wird. Grüße aus der Türkei.

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