Von Theth über Shkoder zum Koman-See
Ich habe dann schließlich 3 Übernachtungen in dem schnuckligen Autocamp vor Theth gemacht. Darco hat von mir auch noch eine gute Bewertung bei Google Maps bekommen, der Platz ist einfach, wie die meisten in Albanien, aber sauber und die komplette Familie ist sehr freundlich und hilfsbereit. Und dazu diese grandiose Aussicht… Bevor ich allerdings wieder abgefahren bin, habe ich mit meiner Campernachbarin Maria aus Südtirol noch eine 20-km-Wanderung in der Umgebung von Theth gemacht. Eigentlich wollte ich mir ja hier keinen Stress machen, aber das Mariechen hat mich am Abend zuvor so beim Abendessen bequatscht, dass ich schließlich zugesagt habe. Die Gegend war wirklich toll, allerdings war von den 20 Kilometern kein einziger Meter in der waagerechten, es ging nur rauf und runter. 🥴 Naja, wenigstens habe ich noch ein paar Fotos machen können, die könnt ihr euch hier ansehen.

Am Montag bin ich dann aus den Bergen in Theth wieder auf Meereshöhe nach Shkoder gefahren. Um es kurz zu machen: Eigentlich wollte ich etwas länger durch die Stadt gehen und mir alles ansehen. Allerdings habe ich vor lauter Touristen kaum die Stadt sehen können. Dazu Verkehr aus der Hölle, weshalb ich The Big 1 vor einem Laden abgestellt habe und einen Stadtrundgang im Schnelldurchgang gemacht habe. Und ich habe es innerhalb von knapp 2 Stunden geschafft, sogar Fotos zu machen, wo keine Menschenseele drauf zu sehen ist. Nennt mich Foto-Gott. 😎 Bei meiner Rückkehr zum Motorrad habe ich aber ganz nett gedampft, denn die dicken Mopedklamotten sind bei knapp 30° eher suboptimal. Ich also gleich in den Laden gestampft, vor dem ich geparkt hatte. Der Laden war halb Supermarkt, halb Wohnzimmer – die Verkäuferin/Eigentümerin hatte einen Fernseher laufen, auf dem eine Talkshow lief. Und sie saß auf einer Plüsch-Couch… Als ich vor ihr stand, zeigte sie gleich zum Ende des Raumes und meinte: „Coke, Water, Beer. All cold!“ Und fügte an: „Moto? Hot!“ Ich hab nur geknickt, das musste als Antwort reichen. Manchmal braucht es nicht mehr. Ich habe mir dann 2 Flaschen gekauft, die eine halb leer getrunken und mir den Rest hinten in den Kragen gekippt. Tat gut… Anschließend bin ich bei der Ausfahrt aus der Stadt noch kurz zur Festung Rozafa gefahren und habe mich dann wieder vom Acker gemacht. Ein paar Bilder aus Shkkoder gibt es hier.

Der Plan war eigentlich, in Shkoder oder näherer Umgebung zu übernachten und von dort aus am nächsten Morgen zum Koman-See zu fahren. Dann habe ich mir mal die Route angesehen und festgestellt, dass ich bis dahin gut 120 Kilometer, allerdings 4,5 Stunden Fahrzeit durch die Berge hatte. Die gebuchte Fähre fuhr allerdings schon am nächsten Morgen um 9 Uhr los, wobei man 45 Minuten vorher dort sein sollte. Also habe ich mich mal wieder bei Google Maps umgesehen und ein kleines Autocamp etwa 3 Kilometer vor dem Fähranleger gefunden. Tja, und dahin habe ich mich dann auf den Weg gemacht. Die Strecke durch die Berge war toll, nur hatte das Frollein A. – kennt ihr ja sicher noch vom vergangenen Jahr – mir gesagt, dass die letzten etwa 25 Kilometer meistens nur aus Schotterpiste bestehen würde. Naja, eigentlich kein großes Problem, geht eben nicht so schnell wie auf Teer. Umso größer war meine Überraschung, dass ich eine perfekt neu geteerte Straße vorfand, an der noch teilweise Leitplanken montiert wurden. Selbst Fahrbahnmarkierungen waren noch nicht aufgemalt.


Vor dem Autocamp führt eine Brücke zur anderen Seite, bis dahin bin ich dann mal gefahren, weil wohl die Koordinaten nicht so hundertprozentig gestimmt haben. Kommt schon mal vor… Als ich wieder zurück auf die andere (richtige) Seite geschickt wurde, trugen Arbeiter gerade eine Bitumenschicht auf einer Seite der Fahrbahn auf. Um es vorweg zu nehmen: Wir hatten uns abends im Autocamp über ungewohnte Geräusche gewundert. Als wir zu mehreren am nächsten Morgen zur Anlegestelle fuhren, war auch die Brücke komplett neu geteert. Das war die Geräuschkulisse vom Vorabend. Das kleine ‚Autocamp‘ war im übrigen der Obstgarten und der Weinberg einer Familie. 5 Wohnmobile und meine Dackelhütte, da war der Garten voll. Aber saubere Sanitäranlagen gab es und ein sehr leckeres Abendessen, ein halbes Hühnchen, Bratkartoffeln, gegrillte Auberginen und einen ziemlich großen gemischten Salat. Umgerechnet 5 € plus Übernachtung zu 7 €, Büchse Bier 1,20 €. Kann man nicht schimpfen… Noch dazu gab es einen Swimmingpool, in dem ich abends den Astralkörper auch mal getaucht habe.


Gestern bin ich schon wieder sehr früh gegen halb 6 aufgewacht. Nach einem Käffchen und leichter Körperhygiene habe ich dann schon mal alles wieder abgebaut und eingepackt. So saß ich dann schon um Viertel vor 7 wieder fertig auf einer Bank im Garten. Meine Campernachbarn aus Brandenburg haben mich dann noch auf ein weiteres Käffchen eingeladen und zusammen sind wir dann um halb 8 die 3 Kilometer bis zum Anleger gefahren. Der liegt quasi direkt an der Staumauer des Koman-Sees. Die letzten etwa 200 Meter führen durch einen einspurigen Tunnel und dann steht man auf einem etwa 100 qm² großen Betonpodest. Für die Tunnelnutzung haben die schlauen Albaner übrigens nochmal kassiert, ich war mit 2 € dabei, Wohnmobile drücken 7 € ab. Und es war gut, dass wir so früh waren! ‚Unsere‘ Fähre Berisha lag direkt vor uns, auf mich kam ein Männlein zu und fragte „Do you have a ticket?“ Ich bejahte und wurde gleich auf die Fähre durchgeleitet. Außer mir standen dort nur die Bikes von 2 Polen. Etwa auf halber Schiffshöhe kam ein 2. Männlein, ich musste absteigen und er rangierte The Big 1 routiniert rückwärts in die Ecke zu den beiden anderen Motorrädern.


Die Autos und Wohnmobile müssen allerdings auf dem Betonpodest gewendet werden und rückwärts auf die Fähre fahren. Bei 3 nebeneinander liegenden Auto- und mehreren Personenfähren entsteht dort dann innerhalb kürzester Zeit ein munteres organisiertes Chaos. Alleine wenn man sieht, wie die folgenden Motorräder in jede freie Ecke gerückt und geschoben werden, da konnte einem Angst und Bange werden. Zwischen Bordwand und den Autos links und rechts vielleicht 5 cm Abstand, zwischen hintereinander stehenden Fahrzeugen eher weniger. Wirklich jeder Zentimeter wird dort ausgenutzt! Ich hatte das Glück, dass The Big 1 an der Bordwand hinten stand, bei unserer Ankunft in Fierze standen einige Motorräder aber so verkeilt ineinander, dass die Fahrer kaum aufsteigen konnten. Ein einmaliges Schauspiel, dass aber offensichtlich ohne Kratzer oder Beulen über die Bühne ging. Die Knaben wissen was Sache ist!


Gegen 9.15 Uhr haben wir quasi im Schiffsverband abgelegt. Die Fahrt dauerte zweieinhalb Stunden durch eine tolle Landschaft, fast eins zu eins mit einem norwegischen Fjord vergleichbar. Ein tolles Erlebnis und ich hätte mir wirklich ins Sitzfleisch gebissen, wenn ich mir das hätte entgehen lassen. Für uns, Moped und ich, kostete der Transport übrigens knapp 30 €, größere Fahrzeuge werden ausgemessen und nach Quadratmeter abgerechnet. Meine netten Nachbar-Wohnmobilisten aus dem Obstgarten mussten z.B. 140 € in die Kasse des Fährbetreibers einzahlen. Aber es lohnt sich wirklich, tolles Erlebnis und supertolle Landschaft. Ein paar Fotos gibt es hier und anschließend noch ein kurzes Video.
Von der anschließenden Fahrt vom Zielort Fierze durch die Berge an die Küste Albaniens erzähle ich euch im nächsten Beitrag, sonst wird das hier zu ausschweifend. Dafür gibt es hier noch ein paar Fotos von unterwegs. Genug gearbeitet für heute, an meinem Ruhetag trinke ich mir jetzt lieber nochn Bierchen. Grüße aus Albanien.
2 Kommentare zu „Von Theth über Shkoder zum Koman-See“
@Hans das Einauge muss den Bericht Morgen lesen, wenn der Verband entfernt ist.
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@TRex @Hans Na dann mal gute Besserung. 🍀
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