Über Thessaloniki bis fast zum Olymp

Über Thessaloniki bis fast zum Olymp

Gestern morgen habe ich mich vom Campingplatz in Epanomi auf den relativ nahen Weg nach Thessaloniki gemacht. Ohne den Stadtverkehr hätte ich die Strecke locker in 30 Minuten zurückgelegt, ich habe aber eineinhalb Stunden bis ins Zentrum benötigt. Und mich dabei schon nicht immer an die Verkehrsregeln gehalten… 😎 Naja, hier sieht man das etwas entspannter. Zuerst einmal bin ich im Zentrum spazieren gegangen, habe mir sogar 2 Kirchen auch von innen angesehen, hier mal ein Foto gemacht und da mal ein Foto gemacht. Und als mir dann in der dicken Motorradhose das Wasser so langsam zwischen den beiden leicht überproportionierten Backen von Nord nach Süd lief, da hatte ich die Schnauze voll von Besichtigungen. Es war einfach zu heiß. 🥴 Weil ich aber auch noch ein Foto mit einem Blick über die Stadt haben wollte, bin ich dann wenigstens noch zur Festung Heptapyrgion hochgedüst. Und habe dann noch einen so halbwegs vernünftigen Blick über die Stadt erhaschen können.

Thessaloniki ist die zweitgrößte Stadt des Landes und auch das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Region Makedonien. Das noch relativ moderne Zentrum wurde nach einem Brand vor über 100 Jahren schachbrettartig neu aufgebaut: Eine kilometerlange Uferpromenade, jede Menge Flaniermeilen, eigentlich ziemlich großen und trotzdem – wie ich selbst feststellen durfte – überlasteten Verkehrsachsen und im Zentrumsbereich mit dichtbebauten Wohnblöcken. Natürlich gibt es auch hier zahlreiche Cafés, Bars und Restaurants und in schöner Regelmäßigkeit liegen dazwischen römische Ruinen, byzantinische Kirchen und auch noch viele osmanische Bauwerke, ganz so als hätte der olle Göttervater Zeus vom nahen Olymp herunter gesehen und bestimmt: „Das muss so!“ Auf dem höchsten Punkt der Stadt befindet sich noch die schon erwähnte Festung mit Stadtmauern und einem Blick über die ‚Thermaische Bucht‘, quasi einem Fjord in der Ägäis. Damit ihr wenigstens einen kleinen Eindruck von Thessaloniki bekommt, gibt es hier ein paar Fotos. Mit Sicherheit gibt es in der Stadt noch viel mehr sehenswertes, aber dazu konnte ich mich gestern nicht mehr aufraffen.

Ich bin dann um die Mittagszeit noch etwa 80 Kilometer weiter, u.a. vorbei an einer großen Kolonie Flamingos bis zu einem wieder sehr schönen Appartement für eine Nacht gefahren, habe dort den Astralkörper nochmal kurz notgewassert und bin anschließend dann noch für einen zweistündigen Kurzbesuch zu meinem alten Zockerkollegen Willi gefahren, der etwa 15 Minuten vom Appartement entfernt gerade Urlaub macht. War auch mal wieder schön, sich auf Deutsch unterhalten zu können. Gestern Abend habe ich mir dann noch eine Route für heute ins Navi geklöppelt, Zuerst werde ich heute auf den nahen Olymp fahren und sehen, wer von den alten griechischen Göttern gerade Dienst hat. Der Gipfel selbst ist natürlich mit dem Motorrad nicht zu erreichen, aber bis auf etwa 1900 Meter Höhe soll es eine asphaltierte Straße geben und bis auf etwa 2400 Meter kann man auf unbefestigten Wegen durch Wald und Büsche fahren. Die letzten dann noch fehlenden etwa 600 Meter werde ich mir dann aber mangels Bergsteigerausrüstung verkneifen.

Und sollte ich den Rückweg vom Olymp wieder finden, dann fahre ich noch etwa 180 Kilometer weiter bis zu den bekannten Felsenklöstern in Meteora. Geplant ist da wieder Camping, muss ich mir aber erstmal aus der Nähe ansehen. So der Plan… Ich mache mich dann mal auf die Socken, ich habe nämlich eine Verabredung mit den Göttern. Grüße (noch) aus Korinos. 👋

In Griechenland angekommen

In Griechenland angekommen

Erwartungsgemäß verlief auch der Grenzübertritt von Nordmazedonien nach Griechenland ziemlich zügig. Während der mazedonische Zöllner wenigstens noch Reisepass und Fahrzeugschein kontrollierte, begnügte sich sein griechischer Kollege mit einem Blick auf mein Nummernschild und ließ dann ein knappes ‚Go‘ verlauten. Willkommen in der EU. Ich hatte mir am Tag zuvor eine Strecke durch die Berge herausgesucht, u. a. über den alten Katara-Pass, der mit einigen spektakulären Verwerfungen und auch Erdrutschen aufwartete. Zwischendrin mal wieder schottrigen Abschnitte, aber nichts was jetzt nicht passierbar war. Insgesamt war es zwar ein kleiner Umweg, der sich aber in jedem Fall gelohnt hat. Gegen Mittag habe ich dann Thessaloniki erreicht, die zweitgrößte Stadt Griechenlands, mit ihrem Ballungsraum ungefähr so groß wie meine Heimatstadt Köln.

Der Verkehr ist allerdings – zumindest gefühlt – zigmal extremer. Zudem stand ich buchstäblich an wirklich jeder roten Ampel und von denen gibt es im Innenstadtbereich reichlich. Allerdings haben die hellenischen Verkehrsplaner von ‚Grüner Welle‘ höchstens mal gelesen und das noch nicht einmal verstanden. Da die Straße aber auch zu einem großen Teil direkt am Meer entlang führt, habe ich dann mal zum auslüften angehalten. Stop and Go bei weit über 30° und dicken Klamotten über dem Pelz machen nicht wirklich Spaß. 🥴 Etwa 30 Kilometer weiter habe ich dann einen Campingplatz direkt am Meer gefunden, schön gepflegt, Restaurant, kleiner Market, Gartenbar, alles perfekt. Allerdings rufen die griechischen Besitzer auch stolze Preise auf, so z.B. Zelt, Motorrad und ich, eine Übernachtung 40€. Das ist schon ein guter Kurs, da übernachtet es sich in der Eifel billiger und wahrscheinlich sogar in festem Gemäuer. Und die Wohnmobilisten die hier stehen, dürfen sogar den doppelten Kurs in die Tasche des Eigentümers stecken. Da bekommt man auch schon ein nettes Hotelzimmer für… Aber Angebot und Nachfrage regelt den Preis und ich habe trotzdem mal 2 Übernachtungen festgemacht.

Gestern habe ich dann nur noch den faulen Hubäät gemacht und konnte mich nachmittags nur noch zu einem kurzen Strandspaziergang und abends einem kurzen Rundgang im nahen Städtchen aufraffen. Dafür aber mit Sonnenuntergang, für die Romantiker. Den Strandspaziergang habe ich heute früh nochmal wiederholt, etwa 4 Kilometer hin und zurück. Und lediglich ein paar morgendliche Schwimmer ließen sich sehen, wobei sich der Andrang hier erfreulicherweise noch sehr in Grenzen hält. Das dürfte spätestens im nächsten Monat schon ganz anders aussehen… Um die Mittagszeit habe ich dann noch eine etwa dreistündige Erkundungsfahrt durch die angrenzenden Berge und zu einigen wirklich toll gelegenen und ebenfalls noch ziemlich leeren Buchten gemacht. Gut, ich bin jetzt nicht so der Typ Sonnenanbeter, aber die dürften hier ihr Eldorado finden. Einige Bilder habe ich unterwegs gemacht und mit ein paar Schnappschüssen von der gestrigen Fahrt könnt ihr euch die Fotos hier ansehen.

Morgen früh werde ich dann ziemlich früh nach Thessaloniki fahren und mich dort wenigstens ein bisschen umsehen. Für ausgiebigere Erkundigungen fehlt mir bei den Temperaturen der Drang aber um ein paar halbwegs brauchbare Fotos zu knipsen, wird der Antrieb schon noch reichen. Anschließend wollte ich dann eigentlich nach Meteora zu den weltbekannten Felsenklöstern weiterfahren, aber es gibt mal wieder eine Planänderung. Denn mein alter Kumpel und langjähriger Zockerkollege Willi macht quasi genau gegenüber von mir gerade Urlaub. Und da Katerini auf dem Weg zu den Meteorenklöstern liegt, bietet sich ein kleiner Besuch geradezu an. Also habe ich mir kurzfristig in seiner Nähe noch eine Übernachtung in einem Appartement gebucht und werde mich morgen mit ihm in Katerini treffen. Die Klöster werden dann erst übermorgen auf dem Plan stehen. Hier in Griechenland ist es ja im Moment zumindest noch etwas erträglicher als daheim aber ihr solltet trotzdem aufpassen, beim lesen dieses kleinen Beitrags nicht das Display voll zu tropfen. In diesem Sinne: Grüße aus Epanomi. 👋

Bitola

Bitola

Bitola ist die zweitgrößte Stadt Nordmazedoniens, sie liegt südwestlich relativ nahe an Albanien und noch näher, etwa 14 Kilometer, an Griechenland. In der osmanischen Zeit war Bitola bekannt als die „Stadt der Konsuln“, allerdings ist von dem alten Glanz nicht mehr viel geblieben. Aber Bitolas Geschichte reicht bis in die Antike zurück und in der unweit des Zentrums liegenden Ausgrabungsstätte Heraclea Lyncestis kann man sich mit etwas Phantasie eine ehemals blühende Stadt vorstellen. Es tat aber trotzdem ganz gut mal wieder etwas ’normales‘ zu sehen, nachdem ich in den vergangenen Tagen von Skulpturen, Denkmälern und Prunkbauten in Skopje förmlich erschlagen wurde. Zudem habe ich hier in Bitola auch wieder eine zentral gelegene und sehr schöne Unterkunft gefunden. Und noch etwas hat mich nach Bitola geführt: Ein privat geführtes kleines Museum, in dem auch Fahrzeuge zu besichtigen sind. Das alleine war schon Grund genug, hierher zu kommen.

Im Gegensatz zu Skopje hat Bitola außer diverser Moscheen, der schon erwähnten Ausgrabungsstätte, einem osmanischen Basar und die Sirok Sokak, die Hauptfußgängerzone, auch nicht viel mehr zu bieten. Da ich nicht wusste wieviel Zeit ich für das kleine Museum einplanen sollte, hatte ich vorsichtshalber auch hier 2 Übernachtungen gebucht. Und ich war gestern Abend sehr überrascht, was in dieser doch relativ kleinen Stadt ohne erwähnenswerten Tourismus so los ist. Scheinbar die halbe Stadt war mit Kind und Kegel unterwegs und flanierte durch die Fußgängerzone, fast alle der reichlich vorhandenen Bars und Restaurants voll besetzt und um 21 Uhr gab es noch ein kleines Konzert einer bekannten mazedonischen Popband, ich habe den Namen leider vergessen, die auf Promo-Tour sind. Bis kurz vor Mitternacht habe ich mich dort aufgehalten und als ich mich auf den kurzen Weg zum Appartement gemacht habe, war es auch noch nicht entscheidend leerer geworden.

Heute morgen habe ich mich dann nochmal bei Tageslicht etwas im Städtchen umgesehen, ein paar Fotos gemacht, Käffchen getrunken und bin dann gegen 10 Uhr in das etwa 5 Kilometer entfernt liegende kleine ‚Auto- und Ethno-Museum‘ im Dorf Krklino gefahren. Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, dass in diesem Dorf, das eigentlich nur aus vielleicht 10 Häusern besteht, ein Museum beheimatet ist. Gleich an der Gartentür winkte mich ein Mann etwa in meinem Alter zu sich, der dort vor der Tür eines Hauses saß. Um sein Knie eine ziemlich gewagte Konstruktion aus Edelstahl, wie ich später erfuhr, hatte Alexandar, der Besitzer dieses Museums, gerade eine ziemlich komplizierte Knie-OP hinter sich. Alexander sprach kein Englisch, dafür aber sein Sohn Philip. Und bevor ich eine Führung bekam, gab es erstmal Kaffee vor dem Haus. Auf dem nachfolgenden Bild ist übrigens Alexandar im zarten Alter von 17 Jahren und darunter seine Eltern bei ihrer Hochzeit.

Philip hat mich dann etwa eine Stunde durch das Museum geführt und mir einiges erklärt. Wobei man das Wort Museum nicht zu wörtlich nehmen sollte. Hier standen Sammlerstücke aus fast 50 Jahren teilweise eng zusammen, teilweise etwas angestaubt, viele Motorräder z.B. unrestauriert. Und viele dürften unter den zwei- und vierrädrigen Exponaten auch deutsche Fabrikate erkennen. Ansonsten wird in diversen Häusern auf dem durchaus schicken Anwesen der Familie alles eben da hingestellt, wo es hin passt. Der in jugoslawischer Lizenz gebaute Fiat 500 z.B. steht im Frühstückszimmer des Hauses, in dem die Familie noch 6 Zimmer zur Vermietung bereitstellt. Ein Flugzeug steht im Garten und eine schön restaurierte Scheune beherbergt eine Armee von Fahrrädern, teils noch aus beiden Weltkriegen. Als Gimmick dient das Untergestell einer alten Singer-Nähmaschine jetzt als Zaun. Ein buntes Sammelsurium, trotzdem sehr interessant! Und die umgerechnet 2 € Eintritt haben sich in jedem Fall gelohnt. 👍

Zum Abschluss haben wir vor der Tür noch etwas zusammen gesessen. Dabei hat Alexandar dann erzählt, dass er vieles noch gerne restaurieren würde, ihm aber oft die Teile fehlen würden. Ich fand es trotzdem beeindruckend, wie man so viele Dinge aus unterschiedlichen Bereichen über die Jahre zusammentragen konnte. Vater und Sohn waren übrigens sehr freundliche Männer, trotzdem kam ich leider nicht darum herum, den selbst gebrannten Rachenputzer Raki der Familie zu probieren. Gott sei Dank nur einer… Einige Bilder aus dem ‚Auto- und Ethno-Museum‘ habe ich mal in eine separate Galerie gepackt, die könnt ihr euch hier ansehen.

Anschließend habe ich The Big 1 wieder am Appartement abgestellt und bin noch etwas durch die nahe am Zentrum liegende Ausgrabungsstätte Heraclea gegangen und habe dort noch etwas Kultur geschnuppert. Jetzt isses aber auch erstmal genug damit, nach diesem kleinen Beitrag über Bitola, von dem ihr hier noch Fotos ansehen könnt, werde ich dann heute Abend nochmal Futter fassen und sehen, wo ich morgen in Griechenland als erstes hinfahre. Grobe Richtung ist Thessaloniki, eventuell fahre ich auch erstmal durch bis Chalkidiki, suche mir dort einen netten Campingplatz an der Ägäis und halte erstmal für ein paar Tage die Füße ins Wasser. So ganz ohne Besichtigungen, einfach nur Urlaub. Schaun mer mal… Bis dahin, Grüße aus Bitola.