Athen
Am Mittwochmorgen haben wir uns dann endlich mit Thomas Penka getroffen. Thomas habe ich erstmals im vergangenen Jahr am Grenzübergang Georgien/Russland getroffen. Er wollte auch in die Mongolei, allerdings auf einer anderen Route. Wir haben dort aber verabredet in Verbindung zu bleiben, falls sich unsere Wege nochmals kreuzen sollten. Das haben sie später in Kirgistan. Einige Tage vorher hatte ich Rama in Osch/Kirgistan kennengelernt und wir waren schon eine Zeit zusammen durchs Land gefahren. Dann meldete sich Thomas bei mir, der schon auf dem Rückweg aus der Mongolei war und wir verabredeten ein Treffen in Bischkek. Wo wir 3 dann für einige Zeit zusammen eine Wohnung gemietet und bewohnt haben. Und seitdem sind wir in unregelmäßigen Abständen immer in Kontakt. Und als Rama und ich diese Reise planten war klar, dass wir auf jeden Fall auch Thomas besuchen müssen.
Thomas ist mit uns dann, nachdem wir uns in seinem Coffee-Shop erstmal gestärkt hatten, am Mittwoch gleich mal eine Runde durch das Zentrum von Athen gegangen und hat uns auch gleich einige Tipps für eine geplante Sightseeing-Tour am nächsten Tag gegeben. Wobei dieser erste Rundgang schon ziemlich schweißtreibend war, denn kalt ist es zur Zeit nicht in Athen. 🥴 Unser Appartement lag auch ziemlich günstig, 10 Minuten bis zu Thomas, 10 Minuten bis zur Akropolis. Allerdings musste man sich hier erstmal an den Verkehr gewöhnen, damit einem nicht einer der sehr zahlreichen Rollerfahrer die Ohren abfährt. Die kamen wirklich aus jeder Ritze, quetschten sich vorbei wo es ging und hatte man nicht wenigstens ein Auge ständig im Rückspiegel, war die Gefahr groß mit einem Roller zu kollidieren. Bestes Beispiel: Dreispurige Fahrbahn, Autos stehen auf allen Fahrbahnen vor einer Ampel. Diese springt auf Grün und links und rechts neben dem mittleren Auto hämmern 2 Roller mit einem Affenzahn durch. Eine falsche Zuckung eines Autofahrers und es gibt Kleinholz… 😳 Aber nach einem Tag hat man sich daran gewöhnt und fährt auch so… 😎

Nachdem wir unseren ersten Gang durch Athen dann beendet hatten, haben wir bei einem Freund von Thomas, der ein Restaurant direkt an der Akropolis betreibt, etwas getrunken und eine Kleinigkeit gegessen. Kurz danach setzte sich Panos zu uns an den Tisch und wir haben uns erstmal unterhalten. Was wir nicht mitbekommen hatten war, dass Panos für uns 3 nochmal Essen bestellt hatte. Ablehnen – Keine Chance. Also kämpfen bis zum platzen. Wir haben gemeinsam gekämpft, aber diese Portionen haben uns geschafft. Thomas konnte dann zumindest noch verhandeln, dass wir uns den Rest einpacken lassen konnten. Trotzdem konnte sich danach niemand mehr wirklich bewegen. Gastfreundschaft kann schon hart sein… Als wir zurück in unserem Appartement waren, konnten wir mit Hängen und Würgen gerade noch die Tickets für den Besuch der Akropolis und die Fährtickets in Richtung Türkei buchen, bevor wir wegen akuter Überfressung eingeschlafen sind.
Am Donnerstag früh sind wir beide dann die 10 Minuten mit The Big 1 zur Akropolis gefahren. Motorrad bei Panos Restaurant abgestellt, Helme zur Aufbewahrung abgeben, super Service dank Thomas! Die Tickets für den Zugang zur Akropolis sind zeitlich begrenzt, wir mussten zwischen 9 und 10 Uhr dort sein. Um kurz nach 9 sind wir bis zum Eingang hochgestiefelt, dort angekommen lief uns gleich wieder das Wasser im Schritt zusammen. Kein Wetter für bergsteigende Mitteleuropäer… Aber ein Gang über den Felsen mit seinen diversen Tempeln lohnt sich, auch wenn 30 € Eintritt schon üppig sind. Das ist nicht nur Geschichte pur, auch der Blick von oben über die Stadt ist Weltklasse. Und wir hatten auch noch Glück, denn die Akropolis war jetzt über 20 Jahre von einem Gerüst verdeckt. Wobei die komplette Rekonstruktion dieses geschichtlichen Meisterwerks wahrscheinlich noch Generationen beschäftigen wird. Zumindest sieht es schon mal fast wie ein komplettes Bauwerk aus, bei meinem letzten Besuch in Athen Mitte der 80er Jahre war bei weitem noch nicht erkennbar, wie es fertiggestellt einmal aussehen sollte.

Später haben Rama und ich uns u.a. auch noch das alte Olympiastadion und noch einige andere Sehenswürdigkeiten angesehen. Und in Athen ’stolpert‘ man quasi an jeder zweiten Ecke über ein Stück Geschichte. Athen in knapp zweieinhalb Tagen komplett zu erkunden ist unmöglich, weshalb wir uns auch nur auf die bekannten Sehenswürdigkeiten beschränkt haben. Am Nachmittag sind wir mit Thomas zum Strand in Athen gefahren und haben dort in einem Café den Tag nochmal Revue passieren lassen und auch noch diverse neue Reisepläne besprochen. Am gestrigen Freitag sind wir nach dem obligatorischen Kaffee bei Thomas zuerst noch zu einer Filiale von Decathlon gefahren, weil Rama sich noch einen Campingstuhl kaufen wollte, den er daheim vergessen hatte. Thomas stellte uns dafür seinen Motorroller zur Verfügung, unsere Motorräder blieben vor seinem Shop stehen. Allerdings musste ich mich an das Ding erstmal 5 Minuten gewöhnen… Der Gewichtsvergleich zu The Big 1 ist in etwa so, als hätte man jetzt ein Fahrrad unterm Hintern. Meine Fresse, zum letzten Mal Roller bin ich vor knapp 40 Jahren gefahren. Naja, ich habe mir meinen gewichtsmäßig nur leicht unterlegenen Mitfahrer auf den Sozius geschnallt und habe auf den ersten 500 Metern wahrscheinlich schlimmer gewackelt als ein Zitteraal.

Da ich mein Handy zwecks Navigation nicht befestigen könnte, musste Rama die Navigation mit seinem Handy übernehmen. Der war allerdings mehr damit beschäftigt sich die Gegend und die netten Töchter der Hellenen anzugucken, als mir die Richtung anzusagen. 🙄 Also bin ich ein paar Mal durch eines der hier zahlreich vorhandenen Schlaglöcher gebügelt, um ihn wieder an seine eigentliche Bestimmung als Navigator zu erinnern. Hat funktioniert… 😎 Naja, Rama hat seinen Stuhl und noch ein paar andere Kleinigkeiten bekommen und ich hab mir auch gleich noch eine neue Trekkinghose gegönnt. Unsere Rückfahrt zu Thomas lief übrigens nach dem gleichen Muster ab wie die Hinfahrt, ab und zu mal ein Schlagloch und er wusste wieder, weshalb er hinter mir saß. Zurück bei Thomas haben wir uns dann gemeinsam auf unseren letzten schweißtreibenden Weg durch die Stadt bis zum Parlament gemacht und sind auf dem Rückweg wieder bei Panos eingekehrt, bei dem wir vorher unsere Motorräder abgestellt hatten. Er setzte sich nachdem wir eine Kleinigkeit gegessen hatten wieder zu uns und nachdem ich mit Rama von dort aus gleich zum Hafen nach Piräus fahren wollte, bin ich dann irgendwann einmal zu einem der Kellner gegangen um unsere Zeche zu bezahlen. ‚Panos übernimmt das‘ hieß es da wieder. Unter Androhung leichter körperlicher Gewalt konnte ich Panos dann aber überzeugen, dass wir hier nicht nur eingeladen werden wollten. Irgendwann kommt man sich dann nämlich vor wie der Dorfschnorrer, ich jedenfalls, auch wenn ich gerade vergangenes Jahr sehr oft solche Gastfreundschaft erleben durfte.
Er hat es akzeptiert und uns dann noch zu einem letzten gemeinsamen Kaffee eingeladen, bevor wir uns verabschiedet haben. Rama und ich waren nicht nur von der Stadt Athen sehr angetan, auch die Freunde von Thomas die wir kennengelernt haben, haben uns alle sehr herzlich empfangen. Und natürlich Thomas, der uns nicht nur seine Heimatstadt prima präsentiert hat, auch seine Gastfreundschaft war eine 1+! Nicht zu vergessen seine Frau Eirini, die wir zuvor nur per Videocall aus Kirgistan vom letzten Jahr kannten, gebührt ein dickes Dankeschön. Natürlich werden wir auch weiterhin in Kontakt bleiben und vielleicht klappt’s ja auch noch mit einer gemeinsamen Reise… Wir sind gestern Abend dann nach Piräus gefahren und haben die Nacht auf der Fähre zur Insel Chios verbracht. Hier werden wir gleich umsteigen und, falls der Kahn nicht untergeht, so gegen 9 Uhr Ortszeit in Cesme (bei Izmir) in der Türkei ankommen. Von wo aus wir dann noch einige Ziele in Ramas Heimatland ansteuern wollen. Sorry, der Beitrag ist etwas länger geworden, dafür gibt es auch noch einen ganzen Stapel Fotos aus Athen. Wir machen uns dann trotz wenig bis keinem Schlaf gleich wieder auf den Weg und bis dahin: Zum letzten Mal Grüße aus Griechenland und ein schönes Wochenende.
